Stand: 10.04.2019 14:59 Uhr

Handball: Hamburg droht ein Jahr ohne Final Four

von Christian Görtzen, NDR.de
Großer Sport, viel Show: das DHB-Pokalfinale in Hamburg.

Allzu viele Gesetzmäßigkeiten gibt es im Handball ja nicht mehr, seitdem der THW Kiel seine enorme Dominanz eingebüßt hat und ein Titelgewinn der "Zebras", wie zuletzt im DHB-Pokal, keine Selbstverständlichkeit mehr darstellt. Eine "Regel" besagt: Das Final Four, also das Halbfinale und das Endspiel um den DHB-Pokal, findet im Frühjahr in Hamburg statt. Seit 1994 ist das gute Gewohnheit. Bis 2002 wurde das Turnier in der Sporthalle Hamburg ausgetragen, seitdem in der 13.000 Zuschauer fassenden Arena im Volkspark. Diesem "Gesetz" der Serie droht nun aber in absehbarer Zeit ein Bruch. Die Handball-Bundesliga (HBL) denkt über einen Wechsel des Standortes für ein Jahr nach. Laut "Sport Bild" favorisiert die HBL das 54.600 Zuschauer fassende Fußball-Stadion von Bundesligist Fortuna Düsseldorf, das über ein verschließbares Dach verfügt.

Standort-Wechsel vertraglich fixiert

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Der Vertrag mit der Hansestadt und der Arena macht es der HBL möglich, ihr Premium-Produkt auf fremden Terrain zu präsentieren. In dem bis 2022 laufenden Kontrakt gibt es die Option auf "einen Freischuss an einem anderen Standort", sagte Geschäftsführer Frank Bohmann. Die Planungen für das kommende Jahr sind schon zu weit fortgeschritten, sodass ein Wechsel illusorisch wäre. Theoretisch wäre es allerdings möglich, dass schon 2021 ein anderer Standort infrage käme. "So konkret ist es noch nicht", beschwichtigte Bohmann im Gespräch mit NDR.de. "Düsseldorf hat im Handball viel vor. Es ist als einmaliges Event angedacht, denn in Hamburg sind wir super aufgestellt", sagte Bohmann, der jedoch auch einräumte, dass die Arena in der Hansestadt nicht in allen Bereichen das Optimum biete.

"In Hamburg haben wir eine Kapazität von 13.000 Zuschauern. Wir hätten das Doppelte an Eintrittskarten verkaufen können", sagte Bohmann. Ein dauerhafter Wechsel in eine andere Indoor-Arena erscheint zurzeit als wenig sinnvoll. Die Arenen in Berlin und Mannheim bieten mit jeweils 14.500 Plätzen nicht viel mehr Spielraum als jene in Hamburg. Anders sieht es bei der Kölnarena aus, dort sind es 19.400 Plätze. Allerdings findet in der Domstadt auch wenige Wochen später das Final Four in der Champions League statt. Eine solche Konzentration von zwei Top-Ereignissen im Handball wäre weder im Sinne der HBL noch in dem der Europäischen Handball-Föderation (EHF). Der Vertrag zwischen der EHF und Köln läuft noch bis 2024.

Kritik an Videowürfel und Sound

"Es ist aber auch so, dass die Arena-Betreiber in Hamburg etwas machen müssen. Der Standort muss sich ein Stück weit modernisieren. Der Videowürfel unter der Arena-Decke ist aus dem Jahr 2003, der ist technisch nicht mehr zeitgemäß. Und auch der Sound ist nicht mehr state of the art", bemängelte Bohmann.

Den zweiten Kritikpunkt kann Steve Schwenkglenks, Geschäftsführer der Hamburger Arena, nicht nachvollziehen: "Beim Sound kann ich mir das nicht vorstellen, da wir vor drei Jahren auf Digital umgestellt haben." Anders sei die Situation beim Videowürfel. "Dass der Cube nicht mehr der neueste ist, das ist richtig. Da werden wir auch etwas tun, wir arbeiten an einer Lösung. Die LED-Technik hat sich eben weiterentwickelt", sagte Schwenkgelenks NDR.de. "Wie schnell das geht, kann ich nicht sagen. Die Techniker sind dran", fügte der gebürtige Reutlinger hinzu.

Schwenkglenks: "HBL will in Hamburg weitermachen"

Schwenkglenks geht davon aus, dass es den Umzug in eine andere Stadt wohl erst 2022 geben werde. "Dass die HBL dies machen kann, ist nichts Überraschendes. Es gibt da ja schließlich die Klausel im Vertrag", sagte er. Positiv sei dagegen in jedem Fall eine Absichtserklärung des Liga-Verbandes. "Unsere Rückmeldung lautet: Die HBL will auch über das derzeitige Vertragsende im Jahr 2022 in Hamburg bleiben", sagte Schwenkglenks.

Ein dauerhafter Umzug in eine Fußballarena, den Ex-Nationalspieler Stephan Kretzschmar in der "Sport Bild" als "Gigantismus" kritisiert hat, sei auch nicht angedacht, beteuerte Bohmann. "Da gebe ich Stephan Kretzschmar grundsätzlich recht. Der Handball wird nicht dauerhaft in die Fußballarenen gehen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 10.04.2019 | 22:40 Uhr