Stand: 08.03.2018 15:35 Uhr

THW Kiel stimmt Heimrecht-Tausch mit Szeged zu

Der THW hat das hart erkämpfte Heimrecht für das Rückspiel im Champions-League-Achtelfinale wieder verloren.

Am Sonntag haben sich die Handballer des THW Kiel mit einer eindrucksvollen kämpferischen Leistung ein Remis bei Paris Saint-Germain erkämpft und Platz vier in der Vorrundengruppe in der Champions League verteidigt. Dadurch erspielten sich die "Zebras" das Heimrecht im Rückspiel des Achtelfinal-Duells mit Pick Szeged. Doch das ist nun wieder futsch - unfreiwillig. Am Donnerstag teilte der Club mit, dass das Heimrecht getauscht wurde. Demnach empfangen die "Zebras" am 21. März (Mittwoch) den ungarischen Meister zum Hinspiel in Kiel. Die Entscheidung, wer den Einzug ins Viertelfinale schafft, fällt nun am 1. April (Ostersonntag) in Szeged.

"Führt die Wertigkeit der gesamten Gruppenphase ad absurdum"

"Besonders leid tut es mir für unsere Mannschaft, die in 14 Spielen alles gegeben hat, um sich für die K.o.-Runde eine gute Ausgangsposition zu erarbeiten. Dieser Heimrecht-Tausch führt die sportliche Wertigkeit der gesamten Gruppenphase ad absurdum", sagte ein "tief enttäuschter" Sportlicher Leiter des THW, Viktor Szilagyi. "Der seit Jahren schwelende Konflikt zwischen der HBL und der EHF wird hier auf dem Rücken der Vereine und Spieler ausgetragen." Die Terminierung von Spielen in der Handball-Bundesliga (HBL) und in der Champions League von der europäischen Handballföderation EHF führt immer wieder zu Konflikten. In diesem Fall war die Terminkollision des Achtelfinals in der "Königsklasse" und des Bundesliga-Topduells zwischen dem THW und den Rhein-Neckar Löwen am 24. März (18.10 Uhr, live im Ersten) das Problem.

THW-Vorwürfe in Richtung HBL und EHF

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"Wir haben der EHF und Pick Szeged eine ganze Reihe an Vorschlägen unterbreitet, wie man im Sinne des Handballs eine Lösung für die Terminproblematik rund um das Hinspiel finden kann. Wir waren sogar bereit, uns auf zwei Spiele innerhalb von 24 Stunden einzulassen", berichtet Szilagyi. "Leider wurden unsere Vorschläge abgelehnt und stattdessen das Achtelfinal-Hinspiel von der EHF auf den Samstag terminiert - mit dem deutlichen Hinweis, nur ein Heimrecht-Tausch könne eine Austragung des Liga-Spiels ermöglichen. Diese Eskalation hätten nur die HBL und EHF frühzeitig verhindern können. So haben wir Vereine unendlich viel Zeit in eine Lösung investiert und mussten feststellen, dass wir von Anfang an mit unseren Ideen bei den Verbänden auf taube Ohren gestoßen sind."

HBL-Chef Bohmann schiebt EHF schwarzen Peter zu

Liga-Geschäftsführer Frank Bohmann hatte das Vorgehen des Kontinentalverbandes bereits vor dieser Entscheidung als "unglaublich unprofessionell" und "nicht partnerschaftlich" gegeißelt. "Mit einem Live-Spiel in der ARD erreichen wir mehr Zuschauer als bei sämtlichen Champions-League-Spielen der Löwen und Kiel in dieser Saison zusammen", sagte er. Dies war auch der Hauptgrund des THW, den Tausch zu akzeptieren. Aus Verantwortung für den deutschen Handball und mit Blick auf die Möglichkeit, mit einer Live-Übertragung des Liga-Spiels im öffentlich-rechtlichen Fernsehen neue Fans von der Sportart zu begeistern, habe man nun zustimmen müssen, so Szilagy. Andernfalls hätten die Kieler in dieser festgefahrenen Lage am 24. März in zwei verschiedenen Wettbewerben an zwei verschiedenen Orten gleichzeitig antreten müssen.

"Haben seit Monaten auf diese Problematik hingewiesen"

Die Rhein-Neckar Löwen gehen derweil auf Konfrontationskurs mit der EHF. Das Champions-League-Achtelfinal-Hinspiel des deutschen Meisters bei Vive Kielce ist vom Europa-Verband für den 24. März (16 Uhr) angesetzt worden. Gleichzeitig hatte die EHF auch die Löwen dazu aufgefordert, das Heimrecht mit dem polnischen Meister zu tauschen. Doch der Bundesliga-Spitzenreiter lehnt dies ab und verweist in einer Presseerklärung vom Donnerstag auf die nicht zur Verfügung stehende Halle. "Wir haben seit Monaten auf diese Problematik hingewiesen und immer wieder Lösungsvorschläge erarbeitet, leider ohne Gehör zu finden", sagte Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann.

Löwen wollen zweite Mannschaft nach Polen schicken

Die Mannheimer hatten bereits im vergangenen Herbst vor demselben Problem gestanden. Damals traten sie nur 25 Stunden nach dem Bundesliga-Live-Spiel in Leipzig zum Champions-League-Duell in Barcelona an. Dasselbe "Modell" hatte der Bundesligist nun auch als Lösung angeboten. "Es war unser ausdrücklicher Wunsch und Vorschlag, an eben jenem 25. März zu spielen, wenn eine Terminierung in Polen unter der Woche nicht möglich ist", erklärte Kettemann.

Die Löwen kündigten nun an, dass sie ihre zweite Mannschaft, die in der Dritten Liga spielt, nach Kielce schicken zu wollen. "Uns bleibt nach dieser Ansetzung nichts anderes übrig. Wir sind uns darüber bewusst, dass es damit leider zu keinem sportlich fairen Vergleich im Achtelfinale zwischen Kielce und den Rhein-Neckar Löwen mehr kommen wird. Dies wird besonders dem Wettbewerb und Ansehen der Champions League schaden", so Kettemann.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 06.03.2018 | 22:40 Uhr

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