VIDEO: HBL-Boss Bohmann: "Die Alarmstufe ist Gelb" (5 Min)

Handball-Bundesliga droht ein Termin-Chaos

Stand: 12.11.2020 08:55 Uhr

Die beiden Coronafälle in der Nationalmannschaft wirbeln den Bundesliga-Spielplan durcheinander. Liga, Europacup, EM-Qualifikation, WM: Der Terminplan ist ohnehin eng - und niemand weiß, was noch kommt.

"Wir können nicht allzu viele Spiele nachholen. Wenn alle Spiele ausgetragen werden, wie sie in allen Wettbewerben geplant sind, dann haben wir nur ganz wenig Raum", erklärte Frank Bohmann dem NDR. Der Chef der Handball-Bundesliga (HBL) erwartet in den nächsten Wochen weitere infizierte Sportler und daher auch weitere Spielausfälle: "Das ist einfach ein statistisches Gesetz. Wenn wir um die 20.000 Neuinfektionen am Tag haben, wird das auch Handballer betreffen."

Frank Bohmann © imago images / Eduard Bopp Foto:  Eduard Bopp

AUDIO: Frank Bohmann: "Wir können nicht viele Spiele nachholen" (5 Min)

Kiels Szilagyi: "Bringt uns in eine sehr schwierige Lage"

Das sieht auch Manager Viktor Szilagyi vom THW Kiel so: "Im Hinblick auf unseren Spielplan bringt uns das in eine sehr schwierige Lage, weil bis Ende des Kalenderjahres im Drei-Tage-Rhythmus gespielt wird. Das heißt, es wird sehr schwierig sein, die Spiele zu platzieren."

Der THW spielt neben der Bundesliga auch in der Champions League und hat unmittelbar nach Weihnachten zudem das verschobene Königsklassen-Final-Four der Vorsaison vor der Brust. Auch die SG Flensburg-Handewitt ist international gefordert, Manager Dierk Schmäschke sieht es "durchaus als kritisch, dass wir in diesen Zeiten durch Europa reisen". Gleichwohl appelliert er an die Kollegen: "Wir müssen ein Zeichen setzen in der Liga und versuchen, den Spielbetrieb verantwortungsvoll so aufrechtzuerhalten, dass wir mit möglichst wenigen Corona-Fällen durch diese schwierige Zeit kommen."

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Maik Machulla von der SG Flensburg-Handewitt © imago images/Aleksandar Djorovic

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Hannovers Christophersen: "Schwer, allen gerecht zu werden"

Sven-Sören Christophersen von der TSV Hannover-Burgdorf findet es "schade, dass unsere Bedenken, die wir Clubvertreter vor der Länderspielpause hatten, bestätigt wurden". Vorwürfe an den Deutschen Handballbund gibt es jedoch nicht: "Die Nationalmannschaft ist das Zugpferd für unsere Sportart, deshalb haben wir unsere Nationalspieler auch abgestellt. Aber in dieser Gemengelage ist es schwer, allen gerecht zu werden."

Diskussion um die WM im Januar in Ägypten

Auch mit Blick auf die Weltmeisterschaft Anfang 2021 in Ägypten (14. bis 31. Januar), die mit 32 Mannschaften ausgetragen wird. THW-Nationalspieler Hendrik Pekeler versteht, "dass der DHB da im Zugzwang ist und spielen möchte". Wenn man aber betrachte, "wie sich jetzt die Fälle entwickelt haben in den ganzen Mannschaften, ist es eigentlich nicht vertretbar." Für Matthias Stroot, Geschäftsführer der HSG Nordhorn-Lingen, wäre die Durchführung des Turniers "mit dem Wissen, das man jetzt hat unverantwortlich". Bob Hanning sieht das anders. Die WM stehe "nicht im geringsten" zur Diskussion. "Es geht schließlich auch ums Überleben unserer Sportart", sagte der DHB-Vizepräsident und Geschäftsführer der Füchse Berlin.

Erst einmal weiterspielen bis Weihnachten

Die Handball-Bundesliga will erst einmal weitermachen wie vorgesehen: "Wir halten jetzt an dem Modus fest. Wir werden nicht nach vier ausgefallenen Spielen alles auf den Kopf stellen. Wenn es sich weiter zuspitzen sollte, dann müssen wir das vielleicht konkretisieren", sagte Bohmann. "Aber bislang ist der Plan, dass wir bis Weihnachten erstmal weiterspielen und dann müssen wir die gesamte Lage neu einschätzen. Dann wird sich zeigen, ob die Lockdown-Maßnahmen Wirkung gezeigt haben."

Bohmann: "Plane nur in Zwei-Wochen-Rhythmen"

Die Terminplanung bereitet aber Kopfzerbrechen, Bohmann plant nur noch "in Zwei-Wochen-Rhythmen". Das sei zwar "unternehmerisch eigentlich nicht zu verantworten", weil ein Handball-Club eine längerfristige Ausrichtung brauche, "die ist derzeit aber nicht möglich." Insgesamt habe man aber "im Sportbetrieb diese Lage sehr, sehr gut im Griff. Bei Zuschauern sind bislang nie Infektionen festgestellt worden und nur eine Handvoll Spieler sind bisher mit Infektionen aufgefallen."

"Wir leben von der Hand in den Mund"

Der nächste Spieltag am Sonnabend und Sonntag soll zum jetzigen Stand wie vorgesehen stattfinden - auch wenn sich die betroffenen Profis und ihre Kontaktpersonen bis dahin vermutlich weiter in Quarantäne befinden. "Ich würde mir wünschen, dass wir keine weitere Eskalation der Corona-Situation bekommen", sagte Bohmann und fügte hinzu: "Wir leben sehr von der Hand in den Mund. Da stehen wir als Handballer aber auch nicht alleine da. Das wird anderen Sportarten nicht anders gehen."

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 11.11.2020 | 16:25 Uhr

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