Stand: 04.06.2020 14:52 Uhr

Meisterehrung mit Abstand: THW Kiel hat die Schale

Stolze 21 deutsche Meisterschaften haben die Handballer des THW Kiel gewonnen - aber eine Meisterfeier wie die am Donnerstag hat der Rekordmeister noch nie erlebt. Mit Abstand, Mund-Nasen-Schutz und in weißen Handschuhen nahm die Mannschaft von Trainer Filip Jicha am Donnerstagmittag in der Arena in Kiel die Meisterschale entgegen - 44 Tage nach der Entscheidung über den Saison-Abbruch in der Handball-Bundesliga als Folge der Corona-Krise.

Lange Gesichter statt Sektfontänen

Statt Sektfontänen gab es lange Gesichter. Die THW-Profis, die in weißer Spielkleidung auf einem Podest Platz genommen hatten, standen einzeln auf und nahmen sich jeweils eine Medaille von einem Tisch. Außer der Mannschaft, Betreuern, Vereinsvertretern und Offiziellen waren nur Pressevertreter in der Halle, in die zu den Heimspielen des THW regelmäßig mehr als 10.000 Fans kommen.

Rückraumstar Domagoj Duvnjak hatte einen Kloß im Hals, als er sich an die Fans wandte, obwohl diese wegen der Corona-Beschränkungen nicht dabei sein durften. Trotz der Umstände sei die Würdigung ihrer Leistung für seine Spieler wichtig gewesen, sagte Jicha. Er hätte gerne weitergespielt, auch die Champions League und den Pokal: "Ich habe diese Lust und Laune gespürt. Ich sage nicht, dass wir das Triple geholt hätten, aber es war viel mehr Freude drin."

Auch Jicha und Duvnjak geehrt

Zu der offiziellen Ehrung war neben Liga-Präsident Uwe Schwenker auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) gekommen. Abgesehen von Meisterehren gab es Auszeichnungen für Jicha als "Trainer des Jahres" und Duvnjak als "Spieler des Jahres". Rechtsaußen Ole Rahmel wurde verabschiedet.

"Das war einfach surreal, sich so dafür feiern zu lassen vor einer fast leeren Halle." Nationalspieler Hendrik Pekeler zur etwas anderen Meisterehrung

Aufgrund der Corona-Krise hatte die große Mehrheit der 36 Profi-Clubs am 21. April beschlossen, die Saison abzubrechen. Der Tabellenführer THW Kiel wurde nach 26 Spieltagen zum "Sofa-Meister" erklärt. Für die Trophäensammler ist es der erste Titel nach fünf Jahren Pause. Die "Zebras" lösten die SG Flensburg-Handewitt als Titelträger der beiden Vorjahre ab.

Trauriger Golla: "Können jetzt abschließen"

Die Flensburger hatten die Schale am Donnerstag im Mannschaftsbus gemeinsam mit Günther nach Eckernförde gebracht und dort an eine Delegation des Konkurrenten übergeben. SG-Kreisläufer Johannes Golla war "eher traurig" über diesen Moment. "Nichtsdestotrotz ist es ein Abschluss, den wir so akzeptieren müssen. Wir können jetzt durch die symbolische Übergabe der Schale auch abschließen", sagte er NDR 1 Welle Nord.

Schwenker: Re-Start "existenziell wichtig"

"Ich freue mich, wenn die Schale immer in Schleswig-Holstein bleibt“, sagte Günther, ein bekennender THW-Fan. "Beide Clubs sind ein ganz starkes Stück Schleswig-Holstein", pflichtete Schwenker ihm bei. Der Liga-Präsident hielt zudem ein flammendes Plädoyer für einen Re-Start der Handball-Bundesliga im Herbst und für ein Konzept, das wieder Zuschauer bei Spielen erlaubt. Für den Handball sei das "existenziell wichtig": "Anders als der Fußball leben wir nicht von den TV-Einnahmen, sondern sind auf die Gelder angewiesen, die wir rund um die Spiele generieren", sagte Schwenker. "Es reicht für uns nicht, nur auf das Spielfeld zurückzukehren, wir brauchen unsere Zuschauer, um zu überleben."

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Sport aktuell | 04.06.2020 | 14:25 Uhr

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