Stand: 21.08.2019 09:11 Uhr

HSG Nordhorn-Lingen mit klarem Ziel: oben bleiben!

von Christian Görtzen, NDR.de
Dank einer starken Rückrunde gelang der HSG Nordhorn-Lingen der Aufstieg.

"Die allermeisten kommen nicht zurück" - so könnte in der Handball-Bundesliga ein "Gesetz" für jene Clubs lauten, die einst den Gang in die Insolvenz antreten mussten. Wer einmal zahlungsunfähig war, für den ist der Weg nach oben fast immer zu steinig. Die HSG Nordhorn-Lingen, deutscher Vizemeister 2002, ist da eine erfreuliche Ausnahme. Zehn Jahre nach dem wirtschaftlichen Kollaps ist der Stolz der Grafschaft Bentheim zurück im Oberhaus. Die Niedersachsen wollen es besser machen als der TuSEM Essen, der nach seiner Insolvenz zur Saison 2012/2013 zurückkehrte, aber sofort wieder abstieg und seitdem in der Zweiten Liga spielt.

So lief die vergangene Saison

Zur Halbserie der vergangenen Zweitliga-Saison begannen sie bei der HSG allmählich daran zu glauben, dass nach mehreren Jahren Aufenthalt in der oberen Tabellenhälfte, oftmals in der erweiterten Spitzengruppe, dieses Mal mehr drin sein könnte. "Jetzt ist die sportliche Situation hervorragend. Sie bietet uns alle Möglichkeiten. Wir schielen nach oben", sagte Geschäftsführer Gerhard Blömers Ende Januar dem NDR zum Thema Bundesliga-Aufstieg. Dritter waren sie zu dem Zeitpunkt, der Rückstand auf den bis dahin recht souveränen Zweiten HSC 2000 Coburg betrug drei Punkte. Dank einer starken Rückrunde zog die HSG noch am Kontrahenten vorbei. Am 25. Mai 2019 gelang dem Team von Trainer Heiner Bültmann durch ein 33:28 beim EHV Aue die langersehnte Rückkehr in die Bundesliga.

Wer kommt, wer geht?

Die sportliche Führung schenkt jenen Spielern das Vertrauen, die den Aufstieg in die Eliteliga vollzogen haben. Abgänge gibt es nicht. Und bei drei Zugängen besteht nicht die Gefahr, dass sich einige Aufstiegshelden zurückgesetzt fühlen könnten und somit das Konstrukt des Teams aus der Balance geriete. Mit der Verpflichtung des Österreichers Robert Weber vom SC Magdeburg hat der Aufsteiger für Schlagzeilen gesorgt. Der 33 Jahre alte Rechtsaußen hat in seinen zehn Bundesliga-Jahren mehr als 2.000 Tore erzielt. Weber ist der große Hoffnungsträger bei der Mission "Klassenerhalt". Der Weißrusse Anton Prakapenia soll als zupackender Verteidiger der Defensive mehr Stabilität geben und im Angriff für Tore sorgen. Und vom französischen Erstligisten Cesson-Rennes Metropole Handball kam der slowakische Kreisläufer Dominik Kalufat.

Trainer: Kurzfristige Neubesetzung

Am 7. August 2019, nur 15 Tage vor dem ersten Bundesligaspiel zu Hause gegen den Bergischen HC (Donnerstag, 19 Uhr), vermeldete die HSG, dass eine Neubesetzung der Cheftrainer-Position unumgänglich sei. Bültmann lasse sein Amt aus gesundheitlichen Gründen ruhen. Der 48-Jährige leidet an einem Erschöpfungssyndrom. "Die Entscheidung so zu treffen ist mir unheimlich schwergefallen", wird Bültmann in einer Vereinsmitteilung zitiert. "Doch mein derzeitiger Energielevel reicht nicht aus, um erfolgreich zu sein und insbesondere die Mannschaft und den Verein in ihrer sportlichen Entwicklung, vor allem vor dem Hintergrund des soeben geschafften Aufstiegs in die erste Handball-Bundesliga, voranzubringen." Co-Trainer Ralf Lucas betreute die Mannschaft interimsmäßig.

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Ausblick auf die Saison

Die Aufsteiger haben es in der Bundesliga seit Jahren schwer. Es gab nur wenige Clubs, die gleich eine gute Rolle spielten. Den Füchsen Berlin gelang dies genauso wie dem SC DHfK Leipzig oder in der vergangenen Saison dem Bergischen HC. Doch chancenlos ist die HSG Nordhorn-Lingen nicht, denn so groß erscheint der Abstand zu Mitaufsteiger HBW Balingen-Weilstetten, Eulen Ludwigshafen und GWD Minden nicht. Zwei Teams müssen die Norddeutschen, die im Euregium und der Emsland-Arena als heimstark gelten, hinter sich lassen. Und das ist der HSG durchaus zuzutrauen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 17.08.2019 | 22:40 Uhr