Glandorf: Vom Flensburger Handball-Profi zum Corona-Beauftragten

Stand: 13.10.2020 09:20 Uhr

In der vergangenen Saison erzielte Holger Glandorf noch etliche Tore für die SG Flensburg-Handewitt. Inzwischen ist er beim Handball-Bundesligisten der "Corona-Beauftragte".

von Christian Görtzen

Wie es doch manchmal so kommt im Leben. Da startet man nach vielen Jahren in seinem bisherigen Beruf mit Schwung, Neugierde und etwas Ungewissheit in den neuen Job - und flugs findet man sich in einer Position wieder, die man mit sich selbst nie in Verbindung gebracht hätte. Glandorf ist es so ergangen. Der ehemalige deutsche Handball-Nationalspieler, der nach der Saison 2019/2020 im Alter von 37 Jahren seine Profikarriere beendet hatte, ist beim dreimaligen Meister SG Flensburg-Handewitt zum "Corona-Beauftragten" ernannt worden. Zweierlei dürfte maßgeblich dazu beigetragen haben: Zum einen war für ihn als Geschäftsstellen-Neuling das Aufgabengebiet dort noch nicht in Gänze umrissen, zum anderen hatte er - im weiteren Sinne - früh erste Erfahrungen mit dem Virus gemacht.

Glandorf koordiniert die Testung

Nachdem Mitte März sein Sohn Kontakt zu einem Corona-Infizierten gehabt hatte, begab sich der Weltmeister von 2007 in eine 14-tägige Quarantäne. "Und als ich wieder angefangen habe, stand bald darauf das Thema an. Es war so, dass wir die Arbeit auf mehreren Schultern verteilen wollten, und das war ein Aufgabengebiet davon", sagte der gebürtige Osnabrücker dem NDR. "Ich bin hauptsächlich dafür zuständig, die gesamte Testung zu koordinieren." Jede Woche werde eine solche vorgenommen, erklärte Glandorf. Dieses Mal geht sie einem besonderen Spiel voraus: Am Sonntag (13.30 Uhr, live im NDR Fernsehen und bei NDR.de) steht das Derby zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt auf dem Programm.

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Lob von SG-Trainer Machulla

An seiner neuen Aufgabe als "Corona-Beauftragter" habe er "Spaß", sagte Glandorf, um aber sogleich klarzustellen: "Das gilt für den Job allgemein, denn wir haben ein Super-Team auf der Geschäftststelle." SG-Trainer Maik Machulla bedachte seinen ehemaligen Spieler mit lobenden Worten. "Holger Glandorf macht das hervorragend. Solange er negative Bescheide herausgibt, ist alles gut", sagte Machulla mit einem Augenzwinkern und einem Lachen. "Er organisiert alles. Wir wissen genau, wann getestet wird. Er macht das super. Wir hoffen natürlich immer, dass alles gut ist. Aber das kann er natürlich nicht beeinflussen", sagte der Coach, der bei Glandorf in dessen neuem Job noch "Potenzial für mehr" sieht.

Comeback wie Andersson? Lieber nicht!

Auch Glandorf richtet den Blick nach vorne. Mit Wehmut zurückschauen auf die Zeit als Profi? Das kommt für ihn nicht infrage. Er handelt nach dem Motto: Alles im Leben hat seine Zeit. Und so kann er es sich auch nicht vorstellen, dass er in wenigen Jahren so wie sein ehemaliger Mitspieler Mattias Andersson ein Comeback auf dem Spielfeld geben könnte. Der 42 Jahre alte Schwede hilft derzeit beim von Verletzungen geplagten THW Kiel zwischen den Pfosten aus. "Mattias hat sich immer fitgehalten. Und als Torwart ist es sicherlich auch etwas einfacher", sagte Glandorf.

Maskenpflicht für Spieler? Unvorstellbar!

Die Corona-Krise und der Abbruch der vergangenen Saison hätten es ihm sicherlich leichter gemacht, seine Karriere zu beenden, sagte der gebürtige Osnabrücker. Erstaunt bis entsetzt zeigte er sich darüber, dass es in der höchsten spanischen Liga aus Angst vor dem Coronavirus nun erstmals ein Spiel (Ademar Leon - Cantabria) mit Maskenpflicht für die Spieler und Schiedsrichter gegeben hat. "Ich kann mir gar nicht vorstellen, darunter Luft zu bekommen. Und man muss auch sehen, wie schnell die Masken feucht werden", gab Glandorf zu bedenken. Für den neuen Corona-Beauftragten der SG Flensburg-Handewitt ist so etwas in Deutschland nicht vorstellbar.

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Sportclub | 18.10.2020 | 13:30 Uhr

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