Stand: 14.05.2019 18:06 Uhr

Gewalt an Akademie: Verband will Präventivmaßnahmen

von Carsten Janz und Malin Girolami

Nachdem NDR Schleswig-Holstein und auch das Magazin "Der Spiegel" in den vergangenen Tagen ausführlich über die gewaltsamen Rituale an der Flensburger Handballakademie berichtet hatten, gibt es nun erste Reaktionen des Verbandes. Dierk Petersen, Präsident des Handballverbandes Schleswig-Holstein, sagte im NDR-Interview, dass er schon länger über eine Beratungsstelle außerhalb der Vereine nachdenke. Die sei jetzt überfällig.

Verband denkt über Vertrauensperson nach

"Wir werden jetzt ein Konzept entwickeln, wie wir Jugendlichen und Eltern die Möglichkeit geben, sich vertraulich über ihre Sorgen auszutauschen", sagte Petersen. Er denke über eine Art Vertrauensperson nach, die zum Beispiel vom Verband oder noch besser vom Kinderschutzbund gestellt werden könne.

Brutales Ritual mit Rohrzange

Hintergrund: Mit einer Rohrzange sollen Jugendliche den Neuankömmlingen in der Handball-Jugendakademie in Flensburg die Brustwarzen umgedreht haben. Das gewalttätige Aufnahmeritual soll es mindestens acht Jahre lang gegeben haben - von 2008 bis 2016.

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Dierk Petersen, Präsident Handballverband Schleswig-Holstein, findet eine Beratungsstelle außerhalb der Vereine überfällig.

Petersen selbst habe in der Vergangenheit immer wieder Gespräche mit Jugendlichen gehabt, die "grenzwertige Situationen erleben", so der Verbandspräsident. Der Druck in Jugendmannschaften von Profivereinen sei enorm hoch. Für die Jugendlichen, aber auch für die Eltern, die ihren Kindern den Traum von Handballprofi ermöglichen wollen. Solche Zangenrituale, bei denen Jugendlichen von ihren Mitspielern gegen den eigenen Willen die Brustwarzen umgedreht werden, seien schrecklich. "Wir müssen bei so etwas wachsam sein", so Petersen.

Verband erst vor einem halben Jahr informiert

Der Präsident des Handballverbandes hat erst vor einem halben Jahr von den Vorfällen in der Handballakademie in Flensburg erfahren. Er habe damals sofort Kontakt zu den Verantwortlichen aufgenommen. Er habe den Eindruck gehabt, dass die Akademie den Fall "nach besten Wissen und Gewissen" aufgearbeitet habe. "Das schien mir damals erst einmal so", sagte Petersen im Interview.

Wunsch: Sachlichkeit

Jetzt mahnt der Präsident zur Sachlichkeit. Die Vorfälle müssen jetzt in aller Ruhe aufgeklärt werden. Dass die Staatsanwaltschaft jetzt ermittelt, hält der Präsident für richtig. "Bei Kindeswohlgefährdung haben wir keinen Spielraum", so Petersen. Wann der Plan für eine Vertrauensperson fertig ist, sagte er nicht. Nur so viel betont Petersen immer wieder: Nach den Vorfällen in Flensburg sei eine solche Stelle unabdingbar.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.05.2019 | 18:00 Uhr

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