Stand: 17.05.2019 09:08 Uhr

EHF-Cup: THW Kiel will es wie 1998 machen

von Jan Kirschner, NDR.de
1998 feierte der THW Kiel seinen ersten Sieg im EHF-Cup.

Zum zweiten Mal nach 1998 hegt der THW Kiel den Traum vom "kleinen Triple". Neben der erhofften Meisterschaft und dem bereits gewonnenen DHB-Pokal soll der EHF-Cup in die Vereinsvitrine wandern. Das Final Four um den nach der Champions League zweitwichtigsten europäischen Wettbewerb steigt idealer Weise zu Hause. "Wir haben die nächste Riesen-Sache vor der Brust", sagte sich Sportdirektor Viktor Szilagyi. "Wir freuen uns auf eine große Kulisse und das ganze Wochenende." Gastgeber Kiel eröffnet das Event am Heute Abend (18 Uhr) mit dem ersten Halbfinale gegen den dänischen Vertreter TTH Holstebro. Anschließend (20.45 Uhr) treffen die Füchse Berlin auf den FC Porto.

Gislason: "Dieser Titel zum Abschied wäre mir unglaublich wichtig"

Die Kieler tragen erstmals seit rund 18 Jahren ein Vierer-Turnier um einen offiziellen Titel aus. Bei der Vereins-Europameisterschaft 2001 landeten die "Zebras" nur auf Rang drei. Diesmal sind sie der klare Favorit. Für THW-Coach Alfred Gislason, der in wenigen Wochen seine Vereinstrainer-Laufbahn beenden wird, würde sich mit einem Erfolg ein Kreis schließen: 2001 fuhr er mit dem SC Magdeburg den EHF-Cup ein. "Natürlich wäre mir dieser Titel zum Abschied unglaublich wichtig", sagte der Isländer, der mit dem THW seit 2008 stattliche 19 Trophäen entgegennahm. Der 20. Triumph wäre ein Titelgewinn im Turbo-Verfahren: Bislang stehen für den deutschen Rekordmeister acht Siege aus der Vorrunde und der Gruppenphase zu Buche. Das Viertelfinale durfte der Ausrichter der Endrunde überspringen.

"Es gibt keinen Zweifel, wer der Favorit ist"

Der Heimvorteil dürfte Gewicht haben. TTH Holstebro hat lediglich 200 Fans im Schlepptau, die sich unter die gut 10.000 Zuschauer in der THW-Arena mischen werden. "Gegen den THW Kiel in seiner Halle zu spielen wird eine Riesen-Erfahrung", sagte TTH-Trainer Patrick Westerjholm. "Es gibt keinen Zweifel, wer der Favorit ist." Der dänische Erstligist stellt mit Linksaußen Magnus Bramming (89 Tore) den besten Torschützen des EHF-Cups, hat es als einziger Gruppenzweiter in die Endrunde geschafft. "Wir sollten nur an das Halbfinale denken, denn es kam schon oft vor, dass sich vermeintliche Favoriten bei diesem Format gerade am ersten Tag schwer taten", warnte Szilagyi in der "Handballwoche". Linkshänder Harald Reinkind weiß: "Die Spitzenmannschaften im EHF-Cup besitzen Champions-League-Niveau."

Eine Premiere am Rande: Zum ersten Mal auf internationaler Ebene wird ein Frauengespann eine Partie mit dem THW leiten. Die Französinnen Julie und Charlotte Bonaventura sind als Schiedsrichterinnen angesetzt.

"Zebras" gegen Füchse im Finale?

Im zweiten Halbfinale sind die Füchse Berlin gegen Porto der Favorit. Der portugiesische Anwärter hatte einen langen Weg von 14 Spielen bis nach Kiel zu meistern, schaltete dabei sogar den SC Magdeburg aus. Dennoch tippen viele auf ein deutsches Endspiel. Der THW und die Berliner maßen sich erst im April zwei Mal: Im Halbfinale des DHB-Pokals agierten die Kieler noch halbwegs souverän, in der Bundesliga erzitterten sie sich einen 30:29-Sieg. Füchse-Trainer Velimir Petkovic kündigte schon einmal an: "Wir wollen nach diesen beiden knappen Niederlagen die Revanche." Es dürfte noch ein hartes Stück Arbeit werden, bis die "Zebras" nach 1998, 2002 und 2004 den EHF-Cup zum vierten Mal in ihren Händen halten können.

THW Kiel: Der Rekordmeister in Bildern

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 18.05.2019 | 22:40 Uhr