Nach dem Finalsieg stemmt Kiels Harald Reinkind den DHB-Pokal hoch. © IMAGO / wolf-sportfoto

DHB-Pokal: Final Four mit 2.000 Fans und Favorit THW Kiel

Stand: 03.06.2021 09:38 Uhr

Heute und morgen wird in Hamburg der deutsche Pokalsieger im Handball ermittelt. Der THW Kiel, die TSV Hannover-Burgdorf, der TBV Lemgo Lippe und die MT Melsungen sind die Halbfinalisten.

Ungewöhnlich ist der Termin, denn im Gegensatz zu den Vorjahren wird das Final Four nicht an einem Wochenende ausgetragen. Im ersten Halbfinale duellieren sich am heutigen Donnerstag (17 Uhr) Lemgo und Kiel, anschließend (19.30 Uhr) treffen Melsungen und Hannover-Burgdorf aufeinander. Das Endspiel am Freitag (17.30 Uhr) wird live im Ersten übertragen. An beiden Tagen sind jeweils bis zu 2.000 Zuschauer in der Halle erlaubt. Bei einem ersten Test in der Arena am Freitag vergangener Woche durften bereits 1.000 Fans das Zweitliga-Heimspiel der HSV-Handballer gegen Eisenach (31:29) live verfolgen.

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Die 2.000 Besucher pro Spieltag wurden als Modellprojekt erlaubt. So viele waren in der laufenden Bundesliga-Saison schon seit mehr als sieben Monaten in keiner Halle. Auch mit 4.000 Zuschauern in der Summe, dafür mit Hygieneaufwendungen und Corona-Tests im sechsstelligen Euro-Bereich schreibt der Veranstalter, die Handball-Bundesliga (HBL), einen dicken Verlust. Ob tatsächlich 2.000 Zuschauer kommen, ist unklar. Das liegt zum einen am Termin mitten in der Woche, zum anderen sind bei privaten Übernachtungen in Hamburger Hotels Antigen-Tests erforderlich. "Wir muten den Zuschauern einiges zu. Stimmung in der Halle ist aber wichtig", sagt HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann.

Bohmann: "Schon einige Merkwürdigkeiten"

Top-Favorit ist Rekordsieger THW Kiel, der die Trophäe auch 2019 gewann. Im vergangenen Jahr wurde das Finalturnier wegen der Corona-Krise abgesagt und wird nun nachgeholt. Dafür wurde jedoch der komplette Wettbewerb dieser Saison gestrichen. In den Annalen wird es folglich ein Loch geben: Dort taucht kein Pokalsieger 2020/21 auf. "Es gibt schon einige Merkwürdigkeiten derzeit", räumt Bohmann ein. "Dazu zählt auch: Im kommenden Supercup spielt der Meister dieser Saison gegen den Pokalsieger der vergangenen Saison. Das hatten wir noch nie."

Die Veranstaltung in der Hansestadt ist eingebettet in das Multisportevent "DIE FINALS 2021 Berlin/Rhein-Ruhr", bei dem ab Donnerstag vier Tage lang unter anderem auch die deutschen Meister in den olympischen Kernsportarten Leichtathletik, Schwimmen und Kunstturnen ermittelt werden.

Kiels Szilagyi: "Sehnsucht nach den Fans ist sehr groß"

Kiels Sportdirektor Viktor Szilagyi freut sich vor allem darauf, dass es Pubikum in der Halle gibt: "Wir haben ja schon zweimal auswärts vor Zuschauern gespielt, jetzt erstmals auch vor THW-Fans. Wir verspüren eine Riesenfreude", erklärte der 42-Jährige am Montag auf der digitalen Pressekonferenz zum Final Four. "Die Sehnsucht danach ist bei uns allen sehr groß."

"Unsere Familien haben uns seit eineinhalb Jahren nicht mehr live spielen gesehen. Nun ist die Möglichkeit da. Das ist einfach eine sehr sehr schöne Angelegenheit." Melsungens Finn Lemke zur Fan-Rückkehr

Kiels Gegner Lemgo war letztmals 2002 in Hamburg dabei - schlug im Halbfinale den THW und im Endspiel den SC Magdeburg. "Da waren wir auch nicht Favorit", erinnerte sich TBV-Coach Florian Kehrmann, der damals als Profi für Lemgo auf der Platte stand: "Aber daraus lassen sich natürlich überhaupt keine Rückschlüsse ziehen." Auch die jüngste Niederlage in der Bundesliga gegen den THW (25:30) bedeute nicht viel, so der 43-Jährige: "Das wird ein ganz anderes Spiel."

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Im zweiten Halbfinale haben Melsungen und die TSV Hannover-Burgdorf einen ganz besonderen Anreiz. Sollte Kiel seiner Favoritenrolle gegen Lemgo gerecht werden und ins Finale einziehen, würde der Endspielgegner bereits einen Platz in der EHF European League sicher haben, weil die "Zebras" selbst in der Champions League starten.

Kurios ist zudem die Situation für Timo Kastening, der sich im vergangenen Jahr mit den "Recken" für das Final Four qualifizierte und nun das Turnier im Melsungen-Trikot gegen seinen Ex-Club bestreitet. "Das sind halt die Rest-Auswirkungen der Corona-Pandemie. Damit müssen wir uns arangieren", sagte TSV-Sportdirektor Sven-Sören Christophersen.

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Melsungens Lemke: "Euphorie nochmal nach oben gegangen"

Die Niedersachsen sind zum dritten Mal in Folge dabei, 2018 verloren sie erst im Endspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen. Fabian Böhm sieht darin einen Vorteil für sein Team: "Man weiß, wie es ist, innerhalb von zwei Tagen zwei so wichtige Spiele zu haben. Und auch wenn es eine blöde Floskel ist: 'Aller guten Dinge sind drei', sagt man ja. Und wenn man sich dreimal qualifiziert hat, will man irgendwann auch mal den Pokal in den Händen haben."

Das will natürlich auch die MT Melsungen, die letztmals 2014 ein Final Four spielte. Finn Lemke blickt wie alle anderen voller Vorfreude auf die Fan-Rückkehr. "Als die Nachricht kam, ist unsere Euphorie nochmal nach oben gegangen. Unsere Familien haben uns seit eineinhalb Jahren nicht mehr live spielen gesehen. Nun ist die Möglichkeit da. Das ist einfach eine sehr sehr schöne Angelegenheit."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 03.06.2021 | 23:03 Uhr

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