Domagoj Duvnjak (r.) und Niklas Landin vom THW Kiel © imago images / Claus Bergmann

Corona und Terminnot: XXL-Saison-Endspurt im Handball

Stand: 17.03.2021 13:42 Uhr

Nach der kräftezehrenden Olympia-Qualifikation starten die Handballer in ihr rekordverdächtiges Saison-Finale. Allein der THW Kiel hat in den kommenden drei Monaten noch bis zu 29 Spiele vor sich. Doch die Corona-Fälle nehmen zu, und das Programm ist ohnehin auf Kante genäht.

Alfred Gislason ist in Sorge. Beim Blick auf die Bundesliga brummt selbst dem hartgesottenen Bundestrainer der Kopf. "Ich kann nur zuschauen und hoffen, dass sich keiner verletzt", sagte Gislason mit ernster Miene. Die Beunruhigung des Isländers ist verständlich. Denn ab Mittwoch rücken die großen Olympia-Ziele der Handballer erst einmal ganz weit in den Hintergrund, die Clubs starten in ihren eng getakteten Saison-Endspurt. Auf den THW Kiel warten allein in der Liga noch 23 Spiele.

Neue Corona-Fälle sorgen für noch mehr Termindruck

Doch nicht nur die Kieler müssen in den kommenden Wochen Schwerstarbeit verrichten. Für die meisten Vereine beginnt nach der kräftezehrenden Länderspielwoche mit drei Spielen an drei Tagen jetzt erst die Bundesliga-Rückrunde. Tabellenführer SG Flensburg-Handewitt hat wie Kiel nicht einmal die Hälfte aller Spieltage absolviert, und sollte eigentlich am Mittwoch gegen den Bergischen HC auf die lange Saison-Zielgerade einbiegen. Die Partie ist jedoch wegen eines Corona-Falls bei der SG abgesagt.

Weitere Informationen
Maik Machulla, Trainer der SG Flensburg-Handewitt, steht mit ernster Miene und verschränkten Armen am Spielfeldrand. © IMAGO / Joachim Sielski

Corona-Fall bei den Handballern der SG Flensburg-Handewitt

Ein Spieler ist positiv getestet worden, das Bundesliga-Heimspiel gegen den Bergischen HC fiel aus. mehr

THW ohne Niklas und Magnus Landin nach Coburg

Auch bei den Kielern hat die Nationalmannschaftswoche ihre Spuren hinterlassen. Seine Reise am Mittwoch nach Coburg trat der THW jedenfalls ohne seine dänischen Weltmeister-Brüder Niklas und Magnus Landin an, weil deren Nationalmannschafts-Kollegen Hans Lindberg und Jacob Holm (beide Füchse Berlin) positiv getest wurden. Trotz negativer Tests vom Montag und Dienstag isolierte der Rekordmeister seine beiden Stars vorsorglich vom Team.

Liga will ihr Programm durchziehen

Das zeigt, wie viele Unwägbarkeiten es für eine halbwegs reguläre Beendigung der Handball-Saison gibt, über allem schwebt weiterhin das Damoklesschwert namens Corona. Schon der Saisonstart war pandemiebedingt nach hinten verlegt worden, immer wieder mussten Spiele wegen akuter Fälle und folgender Quarantänemaßnahmen verschoben werden. Die Liga, die zuletzt viel Rücksicht auf die Nationalmannschaft genommen hat, will dennoch alles daran setzen, ihr Programm irgendwie durchzubekommen.

Weitere Informationen
Ein Baustellen-Hütchen steht auf dem Logo der HBL. © imago images/Noah Wedel

Handball-Bundesliga hält an ihrem Spielsystem fest

Die HBL bleibt trotz zahlreicher Spielausfälle bei ihrem Modell mit Hin- und Rückspiel. Bei einem Saisonabbruch greift die Quotientenregel. mehr

Schont DHB-Coach Gislason einige Vielspieler?

Spielraum für weitere Verzögerungen bleibt praktisch keiner. Zumal mit der Champions League, die Anfang April mit den Achtelfinal-Spielen in ihre heiße Phase startet, und der EM-Qualifikation der Nationalmannschaften weitere Events fest terminiert sind. Gislason deutete bereits an, in den EM-Ausscheidungsspielen in Bosnien-Herzegowina (29. April) und gegen Estland (2. Mai) auf seine Vielspieler womöglich zu verzichten. Deutschland ist schon qualifiziert. "Es ist möglich, dass ich den einen oder anderen nicht mit in die Quali-Spiele nehme", sagte der DHB-Coach: "Ich muss schauen, was für ein Programm die Spieler haben."

Flensburgs Golla: "Ich hoffe, dass wir alle gesund bleiben"

Das Programm, das lässt sich schon jetzt absehen, hat es in sich. Schafft es Champions-League-Sieger Kiel erneut ins Final Four der Königsklasse, stehen die "Zebras" bis Ende Juni noch in sage und schreibe 29 Pflichtspielen auf dem Feld, auch auf die Flensburger warten noch bis zu 26 Partien.

"Ich hoffe, dass wir alle gesund bleiben", sagte SG-Nationalspieler Johannes Golla der dänisch-deutschen Tageszeitung "Flensborg-Avis" - denn nach dem Saisonende stehen - wenn sie denn stattfinden - die Olympischen Sommerspiele in Tokio an. Und da will Golla trotz der Terminhatz auf jeden Fall dabei sein: Denn dort sei "mit diesem Team gegen jeden Gegner etwas möglich".

Weitere Informationen
Eishockey-Torwart Dustin Strahlmeier von den Grizzlys Wolfsburg © IMAGO / Sven Simon

Ein Jahr Corona und die Folgen: Wie geht es den Profiligen heute?

Im vergangenen März brach die Deutsche Eishockey Liga ihre Saison ab. Aktuell sichern die Corona-Hilfspakete das Überleben der Clubs. mehr

Flensburgs Trainer Maik Machulla © imago images/foto2press

Handball und Corona - Machulla fordert "kreative Lösungen"

Flensburgs Trainer will die Saison sportlich zu Ende bringen. Kiels Teamarzt sagt, medizinisch sei das kaum zu verantworten. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 16.03.2021 | 23:03 Uhr

Mehr Sport-Meldungen

Fans des FC Hansa Rostock halten Schals hoch © IMAGO / Fotostand

Hansa Rostock gegen Lübeck wohl vor 7.500 Zuschauern im Stadion

Das ist das Ergebnis der Beratungen des Clubs mit Vertretern der Landesregierung und der Polizei. Am Dienstag entscheidet das Kabinett. mehr