Hendrik Pekeler vom THW Kiel beim Torwurf im Champions-League-Viertelfinal-Rückspiel bei Paris Saint-Germain. © Imago Foto: Kevin Domas/Panoramic

Champions League: Titelverteidiger THW Kiel verpasst Final Four

Stand: 19.05.2021 22:25 Uhr

Das Final Four in der Handball-Champions-League in Köln findet ohne Titelverteidiger THW Kiel statt. Die "Zebras" unterlagen im Viertelfinal-Rückspiel bei Paris Saint-Germain mit 28:34 (15:16), somit reichte das 31:29 aus dem Hinspiel nicht.

von Christian Görtzen

Wenn am 12. und 13. Juni in Köln der Sieger in der "Königsklasse" ermittelt wird, werden die Kieler dies nur aus großer Distanz erleben dürfen - vor den heimischen Fernsehern. Für die Mannschaft von THW-Trainer Filip Jicha, der im Duell mit Paris Saint-Germain ohne Kreisläufer Patrick Wiencek (Wadenbeinbruch) auskommen musste, ist der Traum von der Titelverteidigung in der Champions League seit 20.16 Uhr ausgeträumt.

"In der zweiten Halbzeit haben wir es nicht geschafft, unsere beste Leistung auf das Feld zu bringen", sagte Jicha. Ihm und seinem Team bleiben somit nur noch zwei Chancen auf Titelgewinne - in der Meisterschaft und im DHB-Pokal, der am 3. und 4. Juni in Hamburg in einem Finalturnier ausgespielt wird.

Zwei Stunden später stand durch den zu knappen Sieg der SG Flensburg-Handewitt gegen Aalborg Handbold fest, dass das Final Four der Champions League ohne Beteiligung eines deutschen Clubs stattfinden würde.

Kiel nach langer Zeit wieder vor Zuschauern

Für die "Zebras" fühlte es sich in Frankreichs Haupstadt nach langer Zeit wieder wie ein "echtes" Auswärtsspiel an, in welchem Fans auf den Tribünen für Stimmung sorgten. 20 Prozent des Fassungsvermögens im "Stade Pierre de Coubertin" durfte PSG nutzen - folglich durften rund 800 Zuschauer dabei sein. Gäste-Fans waren ausgeschlossen. Ermöglicht wurde dies durch die Lockerungen der Corona-Beschränkungen in Frankreich, die exakt am Mittwoch in Kraft traten. Um noch vor dem von 19 auf 21 Uhr nach hinten geschobenen Beginn der Ausgangssperre vor Zuschauern spielen zu können, war der Anpfiff von der Europäischen Handball-Föderation (EHF) von ursprünglich 20:45 Uhr auf 18:45 Uhr nach vorn verlegt worden.

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THW-Torwart Landin muss früh behandelt werden

Es schien so, als hätten die Teams förmlich darauf hingefiebert, dem Publikum etwas zu bieten. Der Start war furios. Nach nicht einmal vier Minuten hieß es schon 4:3 für PSG. Bitter war der Beginn für THW-Torhüter Niklas Landin: Ein Wurf von Nedim Remili landete direkt auf seiner Nase, woraufhin der dänische Weltmeister sich behandeln lassen musste. Dario Quenstedt ersetzte ihn - allerdings nur kurz. Landin kehrte zurück und sorgte in der 15. Minute beim Stand von 7:9 dafür, dass sein Landsmann Mikkel Hansen einen Siebenmeter nicht im Tor unterbrachte. Harald Reinkind brachte die Schleswig-Holsteiner auf 8:9 (18.) heran.

Paris Saint-Germain - THW Kiel 34:28 (16:15)

Tore Paris: Prandi 9, Remili 7, Nahi 6, Kounkoud 3, M. Hansen 2/2, Kristopans 2, Sole Sala 2, L. Steins 2, L. Karabatic 1
Tore Kiel: Ekberg 7/6, Sagosen 7, Reinkind 4, Dahmke 3, Duvnjak 3, Zarabec 2, Pekeler 1, Weinhold 1
Schiedsrichter: Oscar Raluy (Spanien)/Angel Sabroso Ramirez (Spanien)
Strafminuten: 8/10
Disqualifikation: - / Sagosen (54./dritte Zeitstrafe)

Allerdings machten sich die Norddeutschen durch zahlreiche technische Fehler das Leben selbst schwer, zu häufig bekamen sie den Ball nicht zu fassen. Trotzdem blieb Kiel an den Gastgebern dran. Rune Dahmke stellte mit einem herausragenden Dreher um Keeper Vincent Gérard herum den 15:16-Halbzeitstand her. Mit dem Resultat lag der THW noch im Plan.

Kiel fehlt der Rückhalt zwischen den Pfosten

Und kurz nach Wiederbeginn sorgte Reinkind für das 16:16 (32.) und damit für das erste Unentschieden seit dem 2:2 (3.). Die "Zebras" kämpften stark, doch je länger die Partie dauerte, desto deutlicher machte sich das Fehlen von Wiencek im Mittelblock bemerkbar. Zudem fehlte dem THW der Rückhalt zwischen den Pfosten, weder Landin noch Quenstedt bekam viel zu fassen. Bei Paris lief dagegen zur Mitte der zweiten Hälfte beinahe alles, Dylan Nahi und Luc Steins trafen gar mit Trickwürfen. Und so lagen die Gäste elf Minuten vor der Sirene mit 24:29 hinten.

Sagosen sieht die Rote Karte

Beim Stand von 26:32 (54.) wurde es aus Sicht der Schleswig-Holsteiner beinahe schon aussichtslos. Aufgrund seiner dritten Zeitstrafe war für Sander Sagosen mit der dadurch folgenden Roten Karte die Partie vorzeitig beendet. Doch der THW zeigte noch einmal Moral. Steffen Weinhold brachte sein Team auf 28:32 (56.) heran. Doch mehr ließ das Star-Ensemble von der Seine nicht zu. Am Ende ging das Rückspiel für die Kieler, die häufig mit den Entscheidungen der Schiedsrichter haderten, mit sechs Toren Unterschied recht deutlich verloren. Erfolgreichste Spieler bei den Gästen waren Sagosen und Niclas Ekberg, die beide jeweils sieben Tore erzielten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 19.05.2021 | 23:03 Uhr

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