Dominik Klein vom THW Kiel mit dem Champions-League-Pokal 2010. © imago images / Sven Simon

Champions-League-Endrunde: Der THW und der lange Arm des Handballs

Stand: 28.12.2020 07:46 Uhr

Erstmals seit 2016 stehen die Handballer des THW Kiel wieder im Final Four der Champions League in Köln. Im Halbfinale heute wartet Veszprem. Der charakteristische Pokal wird zum letzten Mal verliehen - wieder an die "Zebras"?

von Ines Bellinger

Als vor gut zehn Jahren in der Handball-Champions-League eine neue Trophäe Einzug hielt, beschäftigte Dominik Klein vom THW Kiel nur eine Frage: Wie, um alles in der Welt, trinkt man Champagner aus einem Wurfarm? Kurz darauf, als die Kieler beim Final Four in Köln ihren zweiten Titel in der Königsklasse unter Dach und Fach gebracht hatten, legte der als "Zeremonienmeister" berüchtigte damalige Linksaußen vielsagend nach: "Wir werden nicht verraten wie, aber wir haben es geschafft, von, mit und durch diesen Metallarm Champagner zu trinken."

Gut zehn Jahre später wird der Koloss aus Stahl und Bronze zum letzten Mal verliehen. Unversehrt, obwohl ihn die "Feierbiester" von der Förde, die den alten Pokal 2007 bei der Jubel-Party beschädigt hatten, zweimal in den Händen hielten. Der THW würde die außergewöhnliche Skulptur gerne noch einmal gewinnen, bevor ab dem Sommer ein neuer Pokal - ein stilisierter Handball, der ins Tornetz rauscht - zum wertvollsten Vitrineninventar im europäischen Clubhandball wird.

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Der Handball-Champions-League-Pokal © picture-alliance / Sven Simon

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Dass in der Handball-Champions-League binnen sechs Monaten zwei Titel vergeben werden, liegt an den Folgen der Corona-Pandemie. Die in der vergangenen Saison abgebrochene Spielrunde soll kurz vor dem Jahreswechsel beim Final Four in Köln doch noch zu einem Ende gebracht werden - ohne Zuschauer, versteht sich.

Klein tippt auf Finale Kiel - Barcelona

Im Halbfinale heute (20.30 Uhr) treffen die "Zebras" auf KC Veszprem. Sollte gegen den ungarischen Serienmeister ein Sieg gelingen, stünde am Dienstag (20.30 Uhr) ein Duell mit dem FC Barcelona oder Paris Saint-Germain an. Während sich Kiels norwegischer Rückraumstar Sander Sagosen ein Kräftemessen mit PSG und seinem engen Freund Mikkel Hansen wünscht ("Es wäre ein Traum, ein Champions-League-Finale gegen ihn zu spielen."), hält ARD-Handballexperte "Mini" Klein ein Endspiel zwischen dem dreimaligen Titelträger THW und Rekordsieger Barcelona (neun Titel) für möglich. "Aber das ist ein bisschen wie der Blick in eine Glaskugel, weil angesichts von Covid-19 und Quarantäne-Maßnahmen niemand weiß, welche Spieler in Köln überhaupt auflaufen werden", sagte Klein.

Veszprem wurde zum Angstgegner

Sagosen hat wie seine Kollegen den Blick zunächst auf das Halbfinale gerichtet, denn Veszprem entwickelt sich langsam zum Angstgegner des THW . Erst Anfang Dezember erlebte der deutsche Rekordmeister in der Vorrunde der aktuellen Champions-League-Saison ein 33:41-Debakel in Veszprem.

Im Halbfinale der Königsklasse gab es bisher drei Vergleiche. Seit 2014 (29:26) hat der THW gegen die Ungarn beim Final Four in Köln nicht mehr gewonnen. Nach dem 27:31 (2015) gab es ein traumatisches 28:31 nach Verlängerung im Jahr 2016. Die folgenden drei Jahre schaffte es der THW nicht einmal mehr zum Final Four nach Köln.

Jicha: "Wir sind da, wir sind bereit"

Nun also das Comeback. THW-Trainer Filip Jicha erwartet sein Team zwar nicht in Bestform. Nach drei Corona-Fällen musste die gesamte Kieler Mannschaft im Dezember für zehn Tage in Quarantäne. In Köln fehlen in Nikola Bilyk (Kreuzbandriss), Rune Dahmke (Knieprobleme) sowie Magnus Landin, Pavel Horak und Domagoj Duvnjak, die alle drei noch mehr oder weniger stark unter den Folgen der Virusinfektion leiden, fünf wichtige Spieler.

Dafür seien seine Profis topmotiviert, versichert Jicha. Der Torschützenkönig der Königsklasse von 2009 und 2010 sieht es nicht als Nachteil an, dass sein Team bis kurz vor Weihnachten noch in der Bundesliga ran musste, während sich die Ungarn mit ihrem spanischen Trainer David Davis gezielt auf den Jahreshöhepunkt vorbereiten konnten. Mit dem 32:23 gegen die Rhein-Neckar Löwen einen Tag vor Heiligabend habe seine Mannschaft ein Ausrufezeichen gesetzt, sagte Jicha: "Dieses Spiel hat ihnen gezeigt, dass wir da sind, dass wir bereit sind."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 28.12.2020 | 23:03 Uhr

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