Annika Lott vom Buxtehuder SV im Länderspiel für Deutschland gegen die Niederlande. © imago images

Buxtehuderin Lott: Vom Sofa der Eltern zur Handball-EM

Stand: 02.12.2020 14:51 Uhr

Nur wenige Wochen nach ihrem Debüt im Handball-Nationalteam ist Annika Lott vom Bundesligisten Buxtehuder SV für die EM in Dänemark nachnominiert worden. Das Turnier beginnt am Donnerstag.

von Christian Görtzen

Die Rahmenbedingungen für einen gemütlichen Nachmittag waren am 26. November nahezu perfekt. Draußen vor der Tür zeigte sich der Monat ein weiteres Mal in seinem klassischen Gewand - mit grauen Wolken, Regenschauern und Temperaturen von acht Grad. Drinnen, im Haus der Eltern, machte es sich Annika Lott auf dem Sofa bequem. Es wurde gemeinsam gegessen, viel geplaudert - so wie immer, wenn die Handballspielerin zu Besuch in der alten Heimat Henstedt-Ulzburg war.

Anruf vom Bundestrainer

Mit dem Klingeln ihres Handys war es mit dem bekannten Ablauf vorbei. Auf dem Display blinkte der Name "Henk Groener" auf. Sie nahm aufgeregt den Anruf an, redete mit dem Bundestrainer des deutschen Frauen-Nationalteams, legte wieder auf - und strahlte vor Glück. Innerhalb nur weniger Minuten hatte sich die Situation für sie komplett verändert.

Lott plötzlich im 18er-Kader

Der 60 Jahre alte Niederländer hatte die linke Rückraumspielerin für die Europameisterschaft nachnominiert, die nach dem Rückzug Norwegens nun komplett in Dänemark stattfindet. Sie rückte für Mia Zschocke (Bayer Leverkusen) in den 17er-Kader, die wegen einer Verletzung am Sprunggelenk hatte absagen müssen. Lott ist die einzige Spielerin eines norddeutschen Clubs. "Ich war sehr überrascht, habe da überhaupt nicht mit gerechnet. Es kam alles sehr plötzlich", sagte sie im Interview mit dem NDR. Einfach nur "krass" sei das gewesen.

Erst im Oktober Nationalteam-Debüt

Am Morgen darauf machte sich die Studentin der Rechtswissenschaften auf den Weg nach Frankfurt, wo sich das DHB-Team auf die EM vorbereitete. Sie geht mit der überschaubaren Erfahrung von einem Länderspiel in das Turnier. Erst am 3. Oktober hatte sie in Lingen im Freundschaftsspiel gegen die Niederlande (26:32) ihre Debüt im Nationalteam gegeben. Lott gelang in jener Partie auch gleich ein Treffer.

Und nun wird sie an einer kontinentalen Meisterschaft teilnehmen, die aufgrund der Corona-Pandemie unter besonderen Vorzeichen steht. Lott akzeptiert es so, wie es ist. Die Vorfreude ist schlichtweg zu groß. "Klar, hat man Bock auf die EM", sagte die BSV-Spielerin. "Das Hygienekonzept in Dänemark wurde uns bereits vorgestellt. Das klingt sehr gut. Wir haben alle ein gutes Gefühl."

Corona-Fall bei DHB-Gegner Rumänien

Die erste EM-Partie des DHB-Teams, das in der Vorbereitung ohne Coach Groener (Quarantäne nach positivem Testergebnis) auskommen musste, findet am Donnerstag (18 Uhr) gegen Rumänien statt. Daran ändert auch ein positiver Corona-Test der rumänischen Rechtsaußen Laura Moisa und mehreren Fällen im Vorfeld nichts. Laut DHB sind die Corona-Tests bei der deutschen Auswahl und den Rumäninnen durchweg negativ ausgefallen. Das nächste Gruppenspiel der deutschen mannschaft folgt am Sonnabend (18.15 Uhr) gegen Norwegen, zwei Tage später - an Lotts 21. Geburtstag - geht es gegen Polen.

Lott: "Mindestziel ist das Halbfinale"

Ansprüche stellt Lott nicht. Sie wolle jetzt alles auf sich zukommen lassen, erklärte die Buxtehuderin. "Ich muss abwarten, wie meine Rolle im Team ist. Auf alle Fälle werde ich alles dafür tun, um die Mannschaft so gut es geht zu unterstützen." Sie würde gerne etwas länger bleiben in Dänemark. "Mindestziel ist das Halbfinale", so Lott. Ihre Eltern werden ihre Auftritte genau verfolgen - vom Sofa aus, auf dem sich ihre Tochter am Donnerstag vergangener Woche auf einen gemütlichen Nachmittag eingestellt hatte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 03.12.2020 | 23:03 Uhr

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