Stand: 10.12.2017 16:55 Uhr

THW Kiel stürmt Flensburgs "Hölle Nord"

von Florian Neuhauss, NDR.de

Der THW Kiel hat das 96. Landesderby in der Handball-Bundesliga für sich entschieden. Der Rekordmeister setzte sich am Sonntagnachmittag mit 35:27 (19:16) bei der SG Flensburg-Handewitt durch. Die Hausherren hatten einen schwachen Start, kämpften sich aber zurück. Doch wie schon in der Champions League hatte THW-Torhüter Andreas Wolff einen Sahnetag erwischt und trieb die SG in der zweiten Hälfte schier zur Verzweiflung. So stürmten die Kieler innerhalb von elf Tagen zum zweiten Mal die mit 6.300 Zuschauern ausverkaufte "Hölle Nord". Es war der erste Bundesliga-Sieg in Flensburg seit sechs Jahren. "Andi war sehr stark, aber auch die Abwehr sehr gut", lobte THW-Trainer Alfred Gislason. "Insgesamt bin ich extrem glücklich mit der Mannschaft." Rune Dahmke jubelte: "Hier zweimal zu gewinnen, ist unglaublich schön."

Kiel nutzte damit die wohl letzte Chance, noch einmal oben heranzukommen, die Flensburger rutschten von Rang eins auf drei ab (Tabelle). "Eine Derby-Niederlage ist immer enttäuschend", meinte SG-Manager Dierk Schmäschke. "Aber aus großen Niederlagen kann man viel lernen. Wir haben einfach zu viele Fehler gemacht."

Kiel nutzt Flensburger Fehler

SG Flensburg-Handewitt - THW Kiel 27:35 (16:19)

Tore für Flensburg: Lauge (7), Svan (5), Glandorf (5), Wanne (3), Mahé (3), Jeppsson (3), Zachariassen (1)
Tore für Kiel: Ekberg (8/3), Wiencek (5), Duvnjak (4), Nilsson (4), Vujin (3), Toft Hansen (2), Zarabec (2), Dahmke (2), Zeitz (1), Dissinger (1), Weinhold (1), Firnhaber (1)
Zuschauer: 6.300

Das Duell war von Beginn an ungemein intensiv. Zunächst begegneten sich die Teams auf Augenhöhe. Doch die Kieler setzten sich bald ab, weil sie selbst konzentriert abschlossen, aber auch, weil die Hausherren meist zu überhastet warfen. THW-Rückraum-Ass Christian Zeitz markierte in der neunten Minute das 6:3, bereits drei Minuten später traf Niclas Ekberg zum 9:3. Auf der einen Seite verwarf Flensburgs Kentin Mahé einen Siebenmeter (13.), auf der anderen erhöhte Ekberg auf 12:5 (17.). "Die Kieler haben alle Zweikämpfe gewonnen", ärgerte sich Hampus Wanne in der Halbzeit am NDR Mikrofon über diese Phase des Spiels. Der Linksaußen hatte in der Folge aber mit drei Treffern selbst Anteil daran, dass der Rückstand zur Pause wieder eingedämmt werden konnte. Die SG kam über den Willen zurück ins Spiel. Symbolisch dafür war das 10:15 von Simon Jeppsson, der den Ball mit 105 km/h ins Tor jagte. Der Schwede war es auch, der per verwandeltem Siebenmeter den 16:19-Pausenstand herstellte.

SG hofft nur kurz auf die Wende

Nach dem Seitenwechsel blieben die Gastgeber zunächst dran. Torhüter Kevin Møller setzte ein frühes Zeichen, als er einen Siebenmeter von Ekberg hielt (31.). Auch wenn Kiels lange verletzter Domagoj Duvnjak dann mit zwei Toren seine aufsteigende Form unterstrich, ging es nun richtig knapp zu. Mahé brachte sein Team erstmals wieder auf zwei Tore heran (41.). Doch wie schon in der Königsklasse wurde nun Andreas Wolff zum entscheidenden Faktor. Der THW-Keeper wurde von Minute zu Minute stärker - und glänzte auch als Vorbereiter. So bereitete der deutsche Nationalspieler das 27:23 von Wiencek (49.) mit einem Pass über den ganzen Platz vor. Auch drei Minuten später schaltete Wolff schnell um und ermöglichte so Ekberg den Wurf zum 29:24 ins leere Tor (52.). Damit war die Partie im Prinzip gelaufen. Die Kieler bauten ihren Vorsprung in den Schlussminuten gegen ungewohnt fehlerhafte Flensburger sogar noch aus und siegten verdient.

"Es fühlt sich sehr beschissen an"

Flensburgs Holger Glandorf ließ seinem Ärger nach dem Spiel freien Lauf: "Es fühlt sich sehr beschissen an, ehrlich gesagt. Wir haben zu viele Fehler und den THW zu ihren Toren eingeladen." Auch der SG-Routinier hatte zu viele Chancen liegen gelassen, fand aber schnell wieder seinen Optimismus: "Wir haben noch drei wichtige Spiele dieses Jahr, die müssen wir positiv gestalten, dann steht auch der Tannenbaum gerade."

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 10.12.2017 | 15:00 Uhr

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