Stand: 03.12.2018 13:38 Uhr

Belastung im Handball: Lösung verzweifelt gesucht

Die ewige Diskussion um die Belastung von Handballspielern hat neue Fahrt aufgenommen. Flensburgs Meistertrainer Maik Machulla plädiert für eine Entzerrung des Terminkalenders, Uwe Schwenker befürwortet eine längere Regenerationszeit zwischen den Spielzeiten. "Es wäre ein erster Schritt, wenn man diese Phase weiter ausdehnt. Im Moment sind wir bei drei Wochen, aber das Doppelte ist mindestens notwendig, damit die Spieler auch mental runterkommen und regenerieren", sagte der Präsident der Handball-Bundesliga am Sonntag im NDR Sportclub.

SG-Coach Machulla fordert indes eine Pause von mindestens 72 Stunden zwischen einer Ligapartie und einem Auftritt im Europapokal, wie es sie in Frankreich bereits gibt. "Es kann nicht sein, dass wir am Donnerstagabend in Bietigheim spielen und am Samstag in Paris", sagte Machulla der "Handballwoche". "Wir leben alle gut vom Handball. Je mehr Spiele wir haben, desto leichter können wir alles finanzieren", so der 41-Jährige: "Aber wenn unser Anspruch ist, die stärkste Liga der Welt zu sein, sollten wir in jedem Spiel auch ein sehr hohes Niveau haben - das haben wir aber nicht, je länger die Saison dauert. Es ist wie bei einer WM, wo das Finale oft das schwächste Spiel ist, weil alle müde und kaputt sind."

Flensburgs Holger Glandorf (Mitte) setzt sich durch. © imago/PanoramiC

Handball-Spieler unter Dauerbelastung

Sportclub -

Die Überbelastung der Handball-Spieler ist ein Dauerproblem. Die Verbände im Welthandball scheint das allerdings nicht zu interessieren. Holger Glandorf und Co. wünschen sich eine Lösung.

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Fast 80 Spiele pro Saison

Schon lange klagen Spieler und Trainer deutscher Handball-Spitzenvereine über eine zu hohe Belastung der Spieler. Sie gehe längst auf Kosten der Gesundheit, sagte THW-Kiel-Trainer Alfred Gislason. So bestritten die Handballer der SG Flensburg-Handewitt allein im November neun Spiele binnen 28 Tagen. Bundesliga, DHB-Pokal und Champions League: "Im Jahr sind es fast 80 Spiele oder mehr. Hinzu kommt dann noch die Nationalmannschaft im Sommer, da hat man vielleicht drei, vier Wochen Pause", schilderte SG-Routinier Holger Glandorf. Der Weltmeister von 2007 hat schon vor einiger Zeit Konsequenzen gezogen, trat schweren Herzens aus der Nationalmannschaft zurück. "Meiner Meinung nach geht es nur über den Spielplan. Den vielleicht zu straffen, um hintenraus in der Sommerpause mehr Zeit zu haben", sagte der 35-Jährige.

Clubs wollen 18 Mannschaften in der Bundesliga

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Im Dauereinsatz: Hannovers Kai Häfner (r.) sowie die Kieler Rune Dahmke und Steffen Weinhold.

Nationalspieler Patrick Wiencek vom THW Kiel, in den vergangenen Jahren immer in der Champions League dabei, hält dagegen eine Verkleinerung der Liga von 18 auf 14 Teams oder die Verringerung der Anzahl der Champions-League-Gruppenspiele für denkbar. Auch Gislason fordert weniger Bundesligaspiele, sein Sportdirektor Viktor Szilagyi aber widerspricht, verweist auf die fehlenden Einnahmen. "Wir haben eine gut funktionierende, große Liga mit 18 Mannschaften, die gibt es so in keinem anderen Land. Die Mannschaften können sich nur refinanzieren, wenn sie mehr auf europäischer Ebene spielen. Das ist ein Riesenproblem", berichtete Schwenker. Eine Reduzierung der Bundesliga sei "auch eine Entscheidung der Mitgliedsvereine. Die 18 Verantwortlichen der Bundesliga-Clubs haben sich in einer Umfrage kürzlich eindeutig für die 18er-Liga ausgesprochen. Wohl wissend, dass das teilweise zu Lasten der Spieler geht."

Glandorf: "Eine Lösung muss her"

Die Regeneration zwischen den Spielzeiten verbessern - darüber will Schwenker mit Spielern, Clubs und den Verbänden sprechen: "Das ist ein Ansatz, den wir sicherlich diskutieren können. Das bedeutet aber gleichwohl, dass es in der Saison trotzdem die gleiche Anzahl der Spiele alle drei Tage gibt." Direkt nach der Heim-WM (10. bis 27. Januar) werde es ein Treffen mit allen Kapitänen und den deutschen Nationalspielern geben, "um zu gucken, was wir machen können", kündigte der 59-Jährige an. "Wir Spieler sind im Endeffekt das Wichtigste an diesem ganzen Spiel, in unserer Sportart, an dieser Vermarktung. Ich glaube, da sollten alle mal dran denken. Eine Lösung muss her", betonte Glandorf im NDR Interview.

HBL-Präsident Uwe Schwenker im Sportclub

Schwenker: Regenerationsphase für Spieler erhöhen

Sportclub -

HBL-Präsident Uwe Schwenker über das Titelrennen in der Handball-Bundesliga, die Aussichten für das deutsche Team bei der Heim-WM und das Dauerproblem der Überbelastung der Spieler.

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