Stand: 14.05.2019 12:57 Uhr

Aufnahmerituale in Flensburg: Staatsanwaltschaft ermittelt

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In der Jugendakademie für Handball in Flensburg mussten die Neuen durch grausame Aufnahmerituale gehen.

Mit einer Rohrzange sollen Jugendliche den Neuankömmlingen in der Handball-Jugendakademie in Flensburg die Brustwarzen umgedreht haben. Das gewalttätige Aufnahmeritual soll es mindestens acht Jahre lang gegeben haben - von 2008 bis 2016. Nach Informationen des NDR Schleswig-Holstein ermittelt die Staatsanwaltschaft Flensburg in der Sache.

Ermittlungen gegen Unbekannt

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Flensburg bestätigte NDR Informationen, dass am Montag Vertreter der Behörde in der Akademie waren. "Es handelte sich nicht um eine Hausdurchsuchung, sondern um eine Klärung des Sachverhaltes. Die Ermittlungen laufen gegen Unbekannt wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung", sagte Oberstaatsanwältin Stephanie Gropp am Dienstag.

Das Logo des Handball-Leistungszentrums in Flensburg.

Neue Vorwürfe gegen Handball-Jugendakademie

Schleswig-Holstein Magazin -

Ihr Sohn wurde von anderen Jugendlichen in der Nachwuchsakademie der SG Flensburg-Handewitt misshandelt. Jetzt äußern sich die Eltern und beklagen, wie der Verein mit ihnen umgegangen ist.

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Am Wochenende hatten "Der Spiegel" und NDR Schleswig-Holstein berichtet, dass es an der Jugendakademie in Flensburg mindestens acht Jahre lang das brutales Aufnahmeritual gegeben hat. Eines der zahlreichen Opfer war Ole B. Im März 2016 wurde er von drei Jugendlichen festgehalten, ein vierter drehte ihm die Brustwarzen mit einer Zange um.

Opfer vertraute sich seinen Eltern an

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Der damals 15-jährige Ole B. vertraute sich seinen Eltern nach dem Ritual an und erzählte, was passiert war. Die Eltern beschwerten sich bei der Akademieleitung. Die versuchte, den Fall aufzuarbeiten und sprach mit den Kindern und den Eltern. Die Akademie gab Anfang 2016 in einem Elternbrief zu, dass es dieses Ritual gab. Auf eine Anzeige verzichteten die Eltern von Ole B. und auch die Verantwortlichen der Akademie damals.

Die Eltern fühlten sich von der Akademieleitung unter Druck gesetzt und sagten dem NDR Schleswig-Holstein, dass nach ihrem Empfinden die Verantwortlichen ihnen einen "Maulkorb" verpassen wollten. Sie bezogen sich auf ein Dokument, dass der Anwalt der Akademie verfasste. Darin heißt es, dass die Akademie von einer "Weiterverfolgung" der Forderungen absehe, wenn die Akademie "nicht mehr Gegenstand negativer Äußerung" werde. Wenn also Familie B. öffentlich zu den Vorfällen schweige.

Akademie dementiert

Das damalige Anwaltsschreiben war laut Akademieleitung aber eine Reaktion auf einen vorangegangenen Hinweis des Rechtsanwalts der Familie B. Dieser schrieb, dass er bisher vermieden hätte, "Informationen an die Öffentlichkeit weiterzugeben". Die Akademie hielt das damals für die "Androhung einer öffentlichen Eskalation" und hielt mit einem Schreiben dagegen. Nach langen Überlegungen stimmten die Eltern schließlich dem Deal zu. Auch auf Anraten von Psychologen, die Ole schnell in Behandlung nehmen wollten.

Die Handball-Jugendakademie ist eigenständig, wird aber finanziell aus dem Umfeld vom Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt unterstützt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.05.2019 | 13:00 Uhr