Stand: 11.03.2019 17:04 Uhr

Pyro-Idioten zerstören Hamburger Fußballfest

Für viele Fans war es das Hamburger Fußballspiel des Jahres: Der HSV gewann am Sonntag in der Zweiten Liga beim FC St. Pauli klar mit 4:0. Große Freude über ein Fußballfest einerseits, aber auch viel Wut über die Aktionen beider Fanlager mit Feuerwerkskörpern, die die Partie an den Rand des Abbruchs brachten. Wie sollen die Vereine mit diesem Thema umgehen?

Ein Kommentar von Lars Pegelow, NDR 90,3

Ganz ehrlich, ich hatte am Sonntagnachmittag einen richtig dicken Hals: Ich habe mich mit knapp 30.000 Fans im Stadion und wahrscheinlich allen Fußballfans in Hamburg auf ein spannendes Fußballspiel gefreut, mit aufgeladener, meinetwegen auch aufgeheizter Stimmung.

Aber: Diese Pyro-Chaoten haben den Spaß verdorben. Sie nutzen regelmäßig - ob beim HSV, beim FC St. Pauli oder sonst wo - die Stadien als Bühne für ihr eigenes Spiel. Sie fackeln und zündeln nicht für ihren Verein, sondern für ihr Ego. Weil sie es cool finden, Bengalos und Rauchtöpfe an den Sicherheitskräften vorbeizuschleusen.

Klassisches Eigentor auf der Südtribüne

Wahrscheinlich wissen sie es nicht, aber am Sonntag hatten die "St.-Pauli-Pyromanen" großen Anteil daran, dass ihr Verein verloren hat. Mitten hinein in die stärkste Phase der St. Paulianer: Pyro auf der Südtribüne und Spielunterbrechung. Weg war der Schwung der Mannschaft auf dem Platz.

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Lars Pegelow spricht angesichts des Abrennens von Pyrotechnik von einem "Fußballfest im Schatten der Chaoten".

So etwas nennt man ein klassisches Eigentor. Fast alle anderen Fans im Stadion wollen das nicht. Sie wenden sich gegen die Unverbesserlichen. So war es auch schon beim HSV im vergangenen Jahr, als der letzte Bundesliga-Spieltag im Volksparkstadion für eine gigantische Feuershow missbraucht wurde.

Eine Lösung für das Dilemma gibt es nicht

Das Dumme auf der Suche nach einer Lösung in diesem Pyro-Dilemma ist nun, dass es keine Lösung gibt. Auf einen Selbstreinigungsprozess innerhalb der Ultraszene zu hoffen, ist naiv. Andererseits funktioniert es offenbar auch nicht mit Dialog. Das haben die Chefs der beiden Vereine, Bernd Hoffmann und Oke Göttlich, in den vergangenen Wochen vergeblich versucht. Für sie muss die Feuersbrunst beim Derby ein Schlag ins Gesicht gewesen sein.

Echte Fußballfans können nur eins tun: immer wieder deutlich machen, dass die Pyro-Idioten im Stadion nicht willkommen sind. Ohne bengalische Feuer und Rauchtöpfe wäre es nämlich ein wirkliches Hamburger Fußballfest geworden - und nicht nur ein Fußballfest im Schatten der Chaoten.

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NDR 90,3 | Kommentar | 11.03.2019 | 17:08 Uhr