Wout Weghorst bejubelt einen Treffer für die niederländische Nationalmannschaft. © imago images/AFLOSPORT

Tordebüt für Oranje: Für Weghorst werden Kindheitsträume wahr

Stand: 07.06.2021 13:03 Uhr

Im Alter von 28 Jahren kommt Wout Weghorst vom Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg in "Oranje" groß raus. Nach seinem Treffer im Testspiel gegen Georgien darf er sich Chancen auf einen Platz in der EM-Startelf der Niederlande ausrechnen.

von Christian Görtzen

Selbst mit dem Fahrrad wäre es keine große Sache gewesen. Nordwestlich raus aus Enschede über die Hengelosestraat, die Hengelosebaan und die Enschedestraat bis ins Zentrum von Hengelo hinein, weiter über die Bornsestraat, Rondweg und Grotestraat - und dann hätte Weghorst auch schon das Ortsschild seiner Geburtstadt Borne, einer gut 23.000 Einwohner zählenden Gemeinde der Provinz Overijssel, passiert. Er dürfte diese Strecke in jungen Jahren öfters in beide Richtungen abgeradelt sein.

Darauf ließen zumindest die Aussagen des mittlerweile 28 Jahre alten Angreifers des VfL Wolfsburg schließen, die er am Sonntag tätigte - an einem Abend, von dem er einst als kleiner Junge geträumt hatte. Weghorst war im Stadion De Grolsch Veste von Enschede sein Premierentreffer für die "Elftal" gelungen, er hatte beim 3:0-Sieg im EM-Test der niederländischen Nationalmannschaft gegen Georgien das zwischenzeitliche 2:0 erzielt. Vom Ort des Geschehens bis nach Borne sind es keine 20 Kilometer.

Weghorst: "Das ist kein Zufall, oder?"

Von einem Journalisten des TV-Senders NOS auf diese Nähe zum Ort seiner Kindheit angesprochen, sah Weghorst augenzwinkernd wunderbare magische Mächte am Werk. "Das ist kein Zufall, oder? Es gibt keine Zufälle", sagte Weghorst. "Das ist der Ort, an den ich als kleiner Junge gekommen bin. Heute standen dann meine Kinder auf der Tribüne. Manchmal steht man morgens auf und hat das Gefühl, dass es ein besonderer Tag werden wird", sagte er: "Solch einen hatte ich heute Morgen. Ich wusste einfach, dass ich treffen werde."

Oranje-Fans feiern VfL-Angreifer mit Sprechchören

In der 55. Minute der Partie sollte er sich bestätigt sehen. Nach schönem Zuspiel von Memphis Depay traf Weghorst in seinem sechsten Länderspiel erstmals. Der VfL-Profi genoss diesen Moment, feierte ihn zusammen mit den Fans, die wenig später in Sprechchören sogar seinen Namen riefen.

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Dies taten sie ein weiteres Mal auch in der 66. Minute, als er von Bondscoach Frank de Boer ausgewechselt wurde - was dazu beitrug, dass sich Weghorsts Unmut über die Herausnahme etwas legte. Zudem wusste er ja auch: Mit seinem Tor hat er seine Chancen auf einen Platz in der EM-Startelf im Auftaktspiel gegen die Ukraine am Sonntag (21 Uhr, live im Ersten) deutlich verbessert.

"Alle Eigenschaften eines Antihelden"

Die Zeitung "AD" schrieb über den Wolfsburger: "Er ist kein versierter Spitzenspieler, sondern ein Fußballer mit obsessivem Einsatz für Oranje. Weghorst hat alle Eigenschaften eines Antihelden." Diese Einordnung bestätigte er dadurch, dass er die Lobgesänge auf ihn flugs zu dämpfen versuchte. "Es geht nicht um mich und meine persönlichen Ziele, sondern es war wichtig, die Vorbereitung gut abzuschließen", sagte er.

Und doch: Ein Einsatz bei einem EM-Spiel der "Elftal" - auch davon wird er einst geträumt haben, als er mit sechs, sieben Jahren auf den Straßen und Sportplätzen Bornes besser dribbelte und traf als die anderen Jungs. Das Spiel von Oranje gegen die Ukraine findet übrigens in Amsterdam statt. Von dort bis nach Borne sind es auch nur 145 Kilometer.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 07.06.2021 | 07:25 Uhr

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