Stand: 16.11.2015 11:06 Uhr Archiv

Wenn Fußball-Kultstätten verschwinden

von Stefanie Doescher, NDR.de
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Der Wilhelm-Rupprecht-Sportplatz hat schon bessere Zeiten erlebt.

Auch in Barmbek sollen neue Wohnungen entstehen, auf dem Wilhelm-Rupprecht-Sportplatz nahe der U-Bahn-Station Habichtstraße. Dort spielte bis zum 31. August noch der der HSV Barmbek-Uhlenhorst, hamburgweit bekannt als BU. 3:0 gewannen die Barmbeker gegen Altona 93 vor 2.700 Fans. Barmbeks Kultsänger Lotto King Karl und HSV-Ikone Uwe Seeler kamen vorbei, um eine der traditionsreichsten Spielstätten der Hansestadt zu verabschieden. An der Barmbeker Anfield, wie das Stadion von den Fans liebevoll in Anspielung auf die Arena des FC Liverpool genannt wird, wurde Hamburger Fußball-Geschichte geschrieben. Andreas Brehme machte hier seine ersten fußballerischen Schritte. Die HSV-Idole Charly Dörfel und Willi Giesemann ihre letzten.

"Am schönsten war die dritte Halbzeit"

Frank Meyer ist BU-Vorsitzender. Er vermisst seine "grüne Oase" schon jetzt. Er ist 50 und seit seinem siebten Lebensjahr mit dem Verein verbunden. Seine Großmutter wohnte gegenüber des Stadions, Meyer spielte sich durch alle Jugendmannschaften. Glanzzeit des Stadions waren die 1950er- bis 1970er-Jahre. "Damals gab es noch keine Live-Übertragung der Bundesliga im Pay-TV. Wer Fußball schauen wollte, ging am Sonnabend auf den Bolzplatz um die Ecke", erklärt Meyer. 2.000 bis 4.000 Zuschauer, das war damals normal. Höhepunkt der Vereinsgeschichte: die Hamburger Meisterschaft 1963. 13 Spieler waren dabei, jeder von ihnen bekam einen goldenen Siegelring mit dem Vereinswappen. Auch Egbert Seitz: "Doch noch schöner als auf dem Platz war die dritte Halbzeit. In unserem Clubhaus haben wir Siege und auch Niederlagen gefeiert."

In der Saison 1974/1975 spielte BU in der Zweiten Liga und stieg gleich wieder ab. Vielleicht auch, weil die Spiele nicht auf dem Wilhelm-Rupprecht-Platz, sondern auf dem Sportplatz am Rothenbaum stattfanden. Das eigene Stadion erfüllte nicht die Voraussetzungen für Liga zwei. Die ehemalige Kultstätte des HSV mitten in der Stadt gibt es allerdings auch schon seit vielen Jahren nicht mehr. Sie war eines der ersten Stadien in Hamburg, das für Wohnungen abgerissen wurde.

Umzug als Chance

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Seit Jahrzehnten mit BU verbunden: der Club-Vorsitzende Frank Meyer.

Der endgültige Umzug von BU ins neue Stadion zwischen Dieselstraße und Bramfelder Straße soll Anfang 2016 stattfinden. In der Übergangszeit spielt die Mannschaft am Borgweg im Stadtpark, wo eigentlich der VfL 93 Hamburg beheimatet ist. Natürlich ist der Umzug mit Trauer verbunden. "Aber es ist auch eine Chance, neu anzufangen, auch wirtschaftlich", sagt Meyer. Die Instandhaltung des Wilhelm-Ruprecht-Platzes war teuer. Seit klar war, dass es einen neuen Spielort geben wird, investierte der Verein weniger. Das ist zu sehen. Am gelben Clubhaus neben dem Platz bröckelt der Putz ab, Schilder sind von Efeu überwuchert. Die Mitglieder tragen Stehtische und Stühle aus dem Vereinsheim. Alles muss eingelagert werden, bis es auf dem neuen Platz losgeht. Das Eingangstor und die schmiedeeisernen Fenstergitter mit dem Vereinswappen sind schon umgezogen. "Das soll dabei helfen, dass auch aus dem neuen Platz eine Sportstätte mit Charme wird."

Das ist auch die einzige Chance von BU. Ein Zurück gibt es für den Verein nicht mehr. An der Steilshooper Straße sind längst die Planierraupen angerollt, Clubhaus und Umkleiden sind bereits abgerissen. Ein Lost Place, wie das Stadion Marienthal wird der Wilhelm-Rupprecht-Platz nie werden.

Dieses Thema im Programm:

Sportplatz | 16.11.2015 | 16:30 Uhr