Stand: 30.01.2018 09:28 Uhr

Trainer Zobel: Lieber rastlos als im Ruhestand

Der neue Lüneburg-Coach Rainer Zobel hat eine spannende Vita und jede Menge Auslandserfahrung.

Eigentlich hatte Rainer Zobel seine Trainer-Karriere bereits für beendet erklärt. Doch ganz ohne Fußball konnte der Weltenbummler dann doch nicht. Zunächst arbeitete er "just for fun" für einen Braunschweiger Kreisligisten. Nun hat der 69-Jährige das Amt beim Regionalligisten Lüneburger SK übernommen.

Rainer Zobel hat sich in seiner langen Trainer-Laufbahn auf so manches Fußball-Abenteuer eingelassen und dabei auf seinen vielen Stationen ein paar nahezu unglaubliche Geschichten erlebt. Etwa die aus seiner Zeit in Südafrika, als Betreuer eines gegnerischen Teams vor dem Anpfiff aus Aberglaube Hähnchenbeine unter ihre Trainerbank warfen. Nicht minder kurios war der Fall des "geklauten" Masseurs während seines Engagements beim ägyptischen Clubs El Ahly Kairo. Dieser war kurz vor einer Begegnung der afrikanischen Champions League samt eines Ballsacks einfach nicht mehr auffindbar. Wie sich später herausstellte, hatte die Polizei den "Kneter" mit dem Vereinspräsidenten verwechselt und irrtümlich festgenommen.

Aus dem Ruhestand zurück ins Rampenlicht

Zobel, inzwischen 69 Jahre alt, könnte mit solchen und anderen Erlebnissen problemlos Hunderte von Buchseiten füllen. Eigentlich hatte der Ex-Profi auch nicht mehr als Coach arbeiten wollen, nachdem er 2015 aus Ägypten nach Deutschland zurückgekehrt war. 15 Stationen in sieben verschienden Ländern sollten genug sein, die Familie fortan im Vordergrund stehen. Doch rasch setzte bei ihm der Fußball-"Entzug" ein. Zobel, der ehemalige Meisterspieler des FC Bayern München und offizielle "Legende" beim Branchenführer, ließ sich auf ein weiteres Abenteuer ein. Er heuerte beim Braunschweiger Kreisligisten FC Wenden an und scheuchte dort unter anderem seinen Sohn Max über den Platz. Ein geruhsamer Karriere-Ausklang für den lange rastlosen Zobel - so schien es, bis er kurz vor dem Jahreswechsel beim Regionalligisten Lüneburger SK unterschrieb.

LSK eine Herzensangelegenheit

Das Engagement bei den Niedersachsen, für den Weltenbummler ist es die so häufig im Profifußball zitierte Herzensangelegenheit. Und in seinem Fall handelt es sich dabei nicht um eine Plattitüde. Beim LSK hatte er einst seine Spielerkarriere beendet und war dort auch bereits von 1986 bis 1987 als Coach tätig gewesen. "Ich wäre ja nicht hierhergegangen, wenn hier nicht eine Not gewesen wäre. Und die Not ist eben folgende gewesen, dass der Trainer, der nur ein halbes Jahr hier war, erkrankt ist und das nicht mehr leisten konnte, den Verein zu trainieren", erklärte Zobel im Gespräch mit NDR Info.

Er hat beim Viertligisten Achim Otte beerbt, der Mitte Dezember aus gesundheitlichen Gründen seinen Posten aufgab. Fußball-Entwicklungshilfe, wie bei einigen seiner anderen Stationen, muss der 69-Jährige bei den Norddeutschen zwar nicht leisten, dafür aber Aufbauarbeit der anderen Art. "Sie können alle Fußballspielen. Das Problem, das sie haben, ist, glaube ich, dass sie die erste Enttäuschung in ihrer Karriere irgendwie überwinden und eine gewisse Lockerheit reinkriegen müssen. Und das versuche ich zu vermitteln", sagte der Coach der "Lüneburger Landeszeitung".

Bayern-"Legende" setzt auf Mannschaftsgeist

Beim LSK hat Zobel viele Akteure unter seinen Fittichen, die bei Proficlubs ausgebildet wurden, den Sprung in den bezahlten Fußball aber noch nicht geschafft haben. Sie sind getrieben vom Ehrgeiz, sich in Lüneburg für höhere Aufgabe zu empfehlen, setzten sich dementsprechend selbst unter Druck. Der neue Trainer versucht nun, ihnen den seiner Meinung nach einzig richtigen Weg nach oben aufzuzeigen. "Ein einzelner Spieler wird niemals im Fußball, in keinem Mannschaftssport etwas erreichen, sondern immer nur als Team und immer nur mit Teamspirit", erklärte Zobel dem NDR.

Großer Erfahrungsschatz als großer Trumpf?

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Zobel feierte seine größten Erfolge als Trainer in Ägypten. Er wurde mit El Ahly Kairo dreimal Meister.

Der aus dem niedersächsischen Wrestedt stammende Übungsleiter setzt also auf Zusammenhalt sowie Mannschaftsgeist. Und natürlich auf seinen riesigen Erfahrungsschatz. "Man hat ja ganz viele Mentalitäten mittlerweile bis in die Vierte Liga herunter. Und diese Mentalitäten habe ich natürlich ganz intensiv kennengelernt. Ich glaube, dass ich dadurch auch einen Vorteil habe, die Leute anzusprechen", sagte der 69-Jährige. Zobel geht es bei seiner 16. Trainerstation nicht um seine eigene Person. Der Mann, der unter anderem im Iran, in Moldawien, Georgien und den Vereinigten Arabischen Emiraten tätig war, möchte helfen. Seinem LSK. Und seinen Spielern, von denen viele noch von einer großen Karriere träumen, die der Übungsleiter fraglos hatte.

Erfolgreicher Einstand als Lüneburg-Trainer

In die Rubrik "Abenteuer" fällt das Engagement bei den Niedersachsen allerdings nicht. Fliegende Hähnchenbeine oder übereifrige Polizisten, die seinen Betreuerstab aus dem Verkehr ziehen, muss der 69-Jährige in der Regionalliga nicht fürchten. Allenfalls mal einen fliegenden Bierbecher aus den Zuschauerrängen. Und vielleicht den Abstieg, gegen den sein Club noch kämpft. Allerdings haben sich die Chancen des LSK auf den Klassenerhalt nach dem 1:0-Erfolg bei Zobels Debüt am vergangenen Sonntag beim VfB Oldenburg stark verbessert. Es scheint, als ob der Weltenbummler seine neue Mannschaft rasch in seinen Bann gezogen hat.

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