Derby in Lübeck: Nach 32 Jahren wieder VfB gegen Phönix

Stand: 01.10.2021 05:00 Uhr

In Lübeck kommt es am Freitag zum Derby in der Fußball-Regionalliga. Der VfB spielt gegen Phönix. Ein Duell mit einer langen Tradition und vielen Höhen und Tiefen für beide Vereine.

von Norman Nawe

Darauf haben die Fans in der Hansestadt Jahrzehnte gewartet - ganz genau 32 Jahre lang. So lange ist es her, dass sich die beiden alten Stadtrivalen VfB und Phönix in einem Punktspiel gegenüberstanden. Nun ist es wieder so weit. Am Freitag um 19:30 Uhr kommt es auf der Lohmühle zum mittlerweile 140. Derby. Und die Vorfreude auf dieses Duell unter Flutlicht im Stadion ist bei beiden Klubs groß. Das sieht man auch am Ticket-Absatz. "Wir wären mit 5.000 Zuschauern zufrieden gewesen. Aber so viele Karten hatten wir bereits am Mittwochmittag verkauft", sagt VfB-Pressesprecher Christian Jessen. Es dürften am Ende also mehr als 6.000 Fans dabei sein und dem Spiel auf den Tribünen einen würdigen Rahmen geben.

Duell mit Tradition

Bei Phönix hätte man sicher nichts dagegen, wenn es so ausgehen würde, wie beim ersten Duell vor nunmehr 97 Jahren. Das gewannen die "Adlerträger", die damals noch unter dem Namen LBV Phönix spielten, am 18. Mai 1924 gegen den damals noch zweitklassigen VfB-Vorgängerclub "Sportvereinigung Polizei Lübeck" mit 5:2. Die Revanche - und damit der erste Derby-Sieg - gelingt den "Polizisten" vier Jahre später mit einem beeindruckenden 6:1-Erfolg. Auch das erste Meisterschaftsspiel im Januar 1929 ging mit einem 3:2-Sieg an die SV Polizei, die die bis dato geltende Vormachtstellung der Phönixe in der Stadt endgültig ins Wanken brachte.

Auf Augenhöhe in der ersten Liga

Ein Archivfoto zeigt einen Ausschnitt aus der Stadionzeitung mit einer Anzeige über das Derby zwischen VfB Lübeck und 1. FC Phönix am 9. Mai 1982. © Archiv VfB Lübeck
1982 gibt es hohen Besucht beim Lübecker Derby.

Zu den Höhepunkten der Lübecker Stadt-Derbys gehören ohne Frage die Duelle in der damals höchsten deutschen Spielklasse - der Oberliga Nord. Nachdem beide Clubs im Juni 1957 zusammen (!) den Aufstieg geschafft hatten, rannten die Fans ihnen quasi die Bude ein. Zum ersten Oberliga-Kräftemessen kamen 17.000 Zuschauer zur Lohmühle, beim Rückspiel im Phönix-Stadion "auf dem Flugplatz" an der Travemünder Allee waren es 14.000. Noch mehr waren es mit 20.000 und 15.000 in der Saison 59/60. Beeindruckende Rekord-Zahlen, die nur schwer jemals zu überbieten sein dürften.

"Der Kaiser" gibt sich die Ehre

Hohen Besuch erlebten beide Klubs bei einem Freundschaftsspiel im Mai 1982. Nach seinem USA-Abenteuer war Weltmeister Franz Beckenbauer in die Bundesliga zum Hamburger SV zurückgekehrt. Die Lübecker Nachrichten luden den Weltmeister von 1974 kurzerhand als Ehrengast zum Stadtderby ein. Dort sollte der "Fußball-Kaiser" laut Ankündigung an einem Torwand-Schießen teilnehmen und sogar das Jugend-Vorspiel als Schiedsrichter leiten.

Die Wege trennen sich - Phönix stürzt ab

Wenige Jahre nach Beckenbauers Auftritt in der Hansestadt sollten zumindest die Punktspiele zwischen Phönix und dem VfB allerdings vorerst Geschichte sein. Schon die beiden letzten Derbys in der Saison 88/89 machten deutlich, dass der VfB seinem Stadtrivalen enteilen würde, denn die Grün-Weißen gewannen beide Spiele in der damals viertklassigen Verbandsliga jeweils mit 5:0. Am Ende der Serie stieg Phönix, belastet durch eine finanzielle Schieflage, ab und erholte sich davon viele Jahre nicht. Spieler aus dem eigenen Nachwuchs konnten den sportlichen Aderlass nicht auffangen. Der Klub stürzte bis auf die Bezirksebene ab. Zwar gelang zwischenzeitlich die Rückkehr in die Oberliga HH/SH, doch danach ging es sogar runter bis in die Kreisliga.

Der VfB startet durch

Der ebenfalls "klamme" VfB profitierte dagegen wenige Jahre später vom finanziellen Engagement des Bauingenieurs und ehemaligen VfB-Spielers Günter "Molle" Schütt, der dem neugegründeten Wirtschaftsrat vorstand. Mit dieser Unterstützung kehrt der VfB so 1993 in die Amateur-Oberliga (3. Liga) zurück und schafft 1995 unter Trainer Michael Lorkowski sensationell den erstmaligen Aufstieg in die 2. Bundesliga. Dieses Kunststück gelingt 2002 mit Coach Dieter Hecking noch einmal, dazu 2004 der Sprung ins Halbfinale des DFB-Pokals (2:3 n.V. bei Werder Bremen). Doch noch im selben Jahr muss Lübecks bester Fußballverein den bitteren Gang in die Regionalliga antreten. Was folgt sind Chaos, finanzielle Not und gleich zwei Insolvenzen.

Wieder auf Augenhöhe

Und das nutzt der in der Versenkung verschwundene 1. FC Phönix, um sich langsam wieder auf die gleiche Flughöhe wie der VfB zu navigieren. In diesem Sommer hat es der Klub von der Travemünder Allee, dank seines umtriebigen Machers Frank Salomon geschafft. Phönix und der VfB spielen nach dem Drittliga-Abstieg der Grün-Weißen nach 32 Jahren wieder in einer Spielklasse. Und so dürfen die Lübecker Fußball-Fans am Freitagabend endlich wieder zu einem Punktspiel zwischen den beiden alten Rivalen pilgern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.10.2021 | 08:00 Uhr

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