Stand: 05.03.2017 17:59 Uhr Archiv

Mit Maradona in Meppen

von Johannes Freytag, NDR.de
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Alan Simonsen vor der provisorischen Zuschauertribüne in Meppen. Deutlich zu erkennen: die Holzbohlen der ersten Reihe, die auf Bierkästen aufgebockt sind.

Was folgte, war eine "Mischung aus Woodstock und Schützenfest", wie sich der damalige SVM-Trainer Hans-Dieter Schmidt in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" erinnerte. Im 18.000 Zuschauer fassenden Stadion befanden sich eher 22.000, die Fans saßen bis direkt an den Spielfeldrand, auch auf den umstehenden Bäumen gab es keine freien Plätze mehr. "Wir hatten Bierkisten ins Stadion geschleppt und Holzbohlen drüber gelegt", berichtete van Zoest.

Maradona-Tricks inmitten der Fans

Der Auftritt des 21 Jahre alten Maradona geriet zum Spektakel: "Er musste von Polizisten aufs Spielfeld eskortiert werden, dann schnappte er sich einen Ball und fing an, zwischen Sechzehner und Mittellinie hin und her zu dribbeln. Fuß, Oberschenkel, Kopf, Nacken - alle möglichen Tricks. Innerhalb kürzester Zeit folgte ihm ein Schwarm aus gut 100 Fans. Immer wenn er wieder in die Gegenrichtung lief, bildete sich kurz eine Gasse. Maradona tänzelte hindurch und anschließend hängte sich die Menschentraube wieder geschlossen an seine Fersen. Ein unglaubliches Bild", beschrieb Schmidt die Szenen.

"An jedem Wurststand war ein Barca-Spieler"

SV Meppen - FC Barcelona 0:5 (0:3)

Tore: 0:1 Maradona (13./Elfmeter), 0:2 Quini (22.), 0:3 Simonsen (41.), 0:4 Moran (56.), 0:5 Viktor Munoz (84.)
Schiedsrichter: Heitmann (Osnabrück)
Zuschauer: 22.000 (geschätzt)
Meppen: Kugler, Höfer, Hüring, Meiners, Faltin, H. Menke, J. Menke, Eiting, Hohmann, Gerdes, Deters
In Hälfte zwei eingewechselt:
Rülander, Koopmann, Bartling, Sulmann, Woyciechowski, Winkeler, Bruns, Beckmann.
Barcelona: Urruti, Artola, Amador, Julio Alberto, Moran, Estella, Gerado, Marcos, Moratolla, Olmo, Urbano, Viktor Munoz, Migueli, Carrasco, Pichi Alonso, Alesanco, Maradona, Quini, Simonsen, Esteban.

Das Spiel selbst nahm den erwarteten einseitigen Verlauf. Die Spanier erhielten bereits nach 13 Minuten einen Handelfmeter zugesprochen, den Maradona sicher verwandelte - das erste Tor des Superstars für einen europäischen Club. Bis zum Pausenpfiff kassierten die Meppener noch zwei weitere Gegentreffer, am Ende hieß es dennoch "nur" 0:5 - Maradona und Co. waren gnädig. Auch nach der Partie: Die Fans stürmten den Platz, umringten vor allem den Argentinier, der bereitwillig Autogramme schrieb. Van Zoest: "An jedem Wurststand war ein Barcelona-Spieler zu sehen. Die Stars waren absolut volksnah." Meppens Trainer Schmidt saß sogar eine halbe Stunde in der Barca-Kabine und aß am Ende noch draußen gemeinsam mit Maradona eine Bratwurst. So war dem Argentinier das vergönnt, was Schumacher sechs Jahre später schnöde ablehnte und dafür von den Meppenern bestraft wurde: Sie stellten Schumacher einen Lkw-Auflieger mit der Aufschrift "SV Meppen - das Fußballerlebnis" direkt vor die Haustür.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 05.03.2017 | 22:50 Uhr

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