Stand: 02.06.2020 12:42 Uhr

Fußballer Helmke: Warten auf das nächste Abenteuer

von Hanno Bode, NDR.de

"Es war sehr chaotisch, aber die Leute waren sehr nett zu mir", erzählt der Deutsch-Brasilianer. Ein Pflichtspiel für Esteghlal bestreitet er jedoch nie, weil die ärztliche Abteilung des Clubs nach einem Testkick "auf einem knüppelharten Acker" eine Knieverletzung bei ihm feststellt und ihm zu einer Operation überreden will. Helmke lehnt ab und schlägt dem Verein eine Auflösung des Arbeitspapiers vor. Auch, weil er kurzfristig eine Offerte von El Ahly Kairo erhalten hat.

"Die Hölle ist auf mich niedergeprasselt"

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Helmke (r.) spielte in der Jugend mit Martin Harnik zusammen beim SC Vier- und Marschlande.

Der Wechsel klappt und der unter anderem beim Hamburger SV ausgebildete Mittelfeldakteur erhält einen Dreieinhalbjahres-Kontrakt beim erfolgreichsten Club Ägyptens, dessen Mediziner die angebliche Knieverletzung lediglich als Überreaktion diagnostizieren. "Danach ist die Hölle auf mich niedergeprasselt", erzählt Helmke mit Blick auf viele beleidigende Nachrichten aus dem Iran, die er bis heute erhält. Ägypten sei dann noch einmal "krasser" als der Iran gewesen, sagt er. Glücklich wird Helmke auch in Kairo nicht, weil er sich beim Wechsel zu El Ahly auf Berater einlässt, "die ich nie persönlich gesehen habe" und zudem Funktionäre des Vereins an seinem Transfer "mitverdienen wollten". 

Geplatzter Wechsel nach Saudi-Arabien

Nach lediglich vier Einsätzen für die "Red Devils", "in denen ich zweimal zum Man of the Match gewählt wurde" (Helmke), ist seine Zeit bei El Ahly abgelaufen. Er wird ohne Begründung vom Mannschaftstraining ausgeschlossen. "Später habe ich erfahren, dass es daran lag, dass ich kein Geld an die Funktionäre bezahlt habe", erzählt der 32-Jährige: "Das war hinterlistig." Helmke kündigt den Kontrakt, klagt auf die Restzahlung seines Gehalts und will nur noch weg aus Kairo. Er hat einen unterschriftsreifen Vertrag beim saudischen Club Al-Raed vorliegen, hält sich bereits fünf Tage dort auf, erhält jedoch keine Freigabe von El Ahly. Der Deal platzt und Helmke schaltet den Fußball-Weltverband FIFA ein, um seine Rechte durchzusetzen.

"Ich habe den Prozess im letzten Jahr gewonnen. El Ahly ist danach zum Internationalen Sportgerichtshof gegangen. Wir versuchen nun, uns außergerichtlich zu einigen", erzählt der 32-Jährige, ohne auf Zahlen einzugehen. Medienberichten zufolge geht es für ihn um eine Summe (inklusive aufgelaufener Zinsen) von beinahe einer Million US-Dollar. 

"Weltweit richtig gute Freunde gefunden"

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Helmke (r.) ist aktuell auf der Suche nach seinem zwölften Club im Herrenbereich.

Der Streit mit El Ahly sei "sportlich eine Katastrophe" für ihn gewesen, sagt Helmke. Denn: "Ich war damals sportlich auf einem sehr hohen Level." Über ein Jahr ist er vereinslos, dann kehrt Helmke in seine zweite Fußball-Heimat Finnland zum FC Lahti zurück. Nach einem weiteren Engagement bei Kokkolan PV ist der 32-Jährige nun auf der Suche nach seinem nächsten Fußball-Abenteuer. "Wenn es wieder losgeht, bin ich fit", erklärt Helmke, über den sein Jugend-Trainer bei Vier- und Marschlande, Thorsten Beyer, sagt: "Er hätte den gleichen Weg wie Martin Harnik und Max Kruse gehen können. Ihm hat nur ein bisschen Glück gefehlt."

Dem stimmt der 32-Jährige zwar zu ("Wenn es ums Sportliche geht, wäre mehr drin gewesen"), unglücklich mit dem Verlauf seiner Karriere ist er aber dennoch nicht: "Ich habe Länder gesehen, die ich sonst vielleicht niemals gesehen hätte. Und ich habe weltweit richtig gute Freunde gefunden."

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 01.06.2020 | 13:25 Uhr

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