Stand: 18.09.2020 05:00 Uhr

VfB Lübeck startet in das Abenteuer Dritte Liga

von Rudi Dautwiz

Die Fußballer des VfB Lübeck bejubeln den 1:1-Ausgleichstreffer im Landespokalfinale gegen den SV Todesfelde © imago images / Nordphoto
Die Fußballer des VfB Lübeck starten am Sonnabend in die Drittliga-Saison.

16 Jahre nach dem Abstieg aus der zweiten Fußball-Bundesliga scheinen die Lübecker mit der Dritten Liga noch ein wenig zu fremdeln. Eine Pressekonferenz vor dem Spiel - das gab es in der Regionalliga nie. Der neue Presseraum ist noch ein Provisorium. In einem schnell errichteten Container sind die Wände noch kahl. Viel zu viele Stühle und Tische für eine Handvoll Medienvertreter. Immerhin ist das Podium gut gefüllt. Das liegt auch an einem Neuzugang, den der VfB Lübeck zwei Tage vor dem Saisonstart am Sonnabend gegen den 1. FC Saarbrücken (14 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) verpflichtet hat. Soufian Benyamina unterschrieb einen Vertrag bis 2021 und soll die in der Vorbereitung offenbarten Probleme im Sturm beheben. "Er ist torgefährlich, zudem erfahren", sagt Rolf Martin Landerl. Für den VfB-Trainer waren das die beiden entscheidenden Kriterien für die Verpflichtung.

Neuzugang mit langer Leidenszeit

VfB Lübecks Regionalligaspieler Soufian Benyamina sitzt bei einer Pressekonferenz auf einem Stuhl und blickt in die Kamera. © NDR Foto: Rudi Dautwiz
Neuzugang Soufian Benyamina soll dem VfB Lübeck bei der Mission Klassenerhalt helfen.

Der 30-jährige Benyamina hatte in den letzten beiden Spielzeiten beim polnischen Erstligisten Pogon Stettin gespielt, dort aber im April den Verein vorzeitig verlassen. "Ich freue mich auf die neue Herausforderung und will beweisen, dass ich das Fußballspielen nicht verlernt habe." Typische Worte, die ein Fußball-Profi nach einer Vertragsunterschrift bei einem neuen Verein so sagt. Aber hinter Benyamina liegt auch keine einfache Zeit. Kurz nach seinem Start in Stettin verletzte er sich in einem Testspiel schwer, musste mit einem dreifachen Schädelbruch fünf Monate aussetzen. "Ich habe nie die Zuversicht verloren, fühlte mich in Polen auch gut betreut", blickt der gebürtige Berliner positiv auf seine zwei Jahre in Stettin zurück.

Erst kämpfen, dann spielen

Tommy Grupe (v.l.), Yannick Deichmann und Florian Riedel VfB Lübeck ©  imago images/Stefan Großmann
Tommy Grupe (l.) ist Mannschaftskapitän des VfB Lübeck.

Dass Soufian Benyamina sich in Lübeck schnell einleben wird, dafür will auch Tommy Grupe sorgen. Es ist sozusagen sein Job als Mannschaftskapitän des VfB. Zudem kennt er Benyamina aus der gemeinsamen Zeit bei Hansa Rostock. Nun sind sie wieder vereint - in Lübeck und in der Dritten Liga, die für Tommy Grupe und den VfB eine große Herausforderung darstellt: "Wir müssen unsere Tugenden von Anfang an auf den Platz bringen. Mit viel Einsatz und dem großen Teamgeist auftrumpfen."

Grupe weiß, dass es nach einer langen und anstrengenden Vorbereitung nun erst so richtig schwer wird. Dynamo Dresden, der 1. FC Kaiserslautern oder auch Hansa Rostock - es warten namhafte und wahrscheinlich auch personell besser besetzte Gegner auf den VfB Lübeck. Doch erst einmal überwiegt die Vorfreude - bei Grupe und bei seinen Mitspielern, die gegen den 1. FC Saarbrücken gleich mit einem Sieg in das Abenteuer Dritte Liga starten wollen.

Saarbrücken: Der unbekannte Gegner

"Viel wissen wir nicht über Saarbrücken", muss Trainer Rolf Martin Landerl vor dem Duell der Aufsteiger eingestehen. Und so ganz genau weiß der Österreicher auch nicht, wie er die Leistung seiner Mannschaft einschätzen soll. "Ich hoffe natürlich, dass wir schon bei 100 Prozent stehen." Aber die Vorbereitung lief nicht immer optimal. Wichtige Testspiele, unter anderem gegen den HSV und den VfL Bochum, mussten kurzfristig ausfallen. Zudem tat die völlig überraschende 2:3-Pleite im Landespokal-Finale gegen den SV Todesfelde richtig weh.

Niederlagen werden zum Punktspiel-Alltag dazugehören

Doch mit Rückschlägen klarkommen - das müssen die Lübecker lernen mit Blick auf die 38 anstehenden Spiele in der Dritten Liga. War der VfB in der vergangenen Regionalliga-Saison kaum zu besiegen, werden nun Niederlagen zum Punktspiel-Alltag dazugehören. Sich schnell daran gewöhnen, ohne dass es zur Gewohnheit wird - eine wichtige Voraussetzung, damit sich der VfB Lübeck wieder im Profifußball etablieren kann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.09.2020 | 17:30 Uhr

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