Stand: 12.02.2018 09:15 Uhr

Marcell Jansen: Bittersüßes Fünftliga-Debüt

von Hanno Bode, NDR.de
Marcel Jansen (M.) vom Fußball-Oberligisten Hamburger SV III © Hanno Bode Foto: Hanno Bode
Ex-Nationalspieler Marcell Jansen ist nun für den Oberligisten HSV III am Ball.

Zweieinhalb Jahre nach dem Ende seiner Karriere als Fußball-Profi hat Marcell Jansen ein Comeback gefeiert. Der Ex-Nationalspieler lief drei Tage nach seiner Wahl in den Aufsichtsrat der HSV Fußball AG für die dritte Mannschaft des Gesamtvereins auf. Es wurde ein Abend ohne Happy End für den inzwischen erfolgreichen Geschäftsmann.

Jubelnde Fans und ein Bad in der Menge nach einer Niederlage - zu seinen Zeiten als Profifußballer war dies für Marcell Jansen nahezu unvorstellbar. Häufig waren er und seine ehemaligen Mannschaftskameraden vom Bundesligisten Hamburger SV im Volkparkstadion ausgebuht und ausgepfiffen worden, wenn sie wieder einmal eine Minusleistung auf dem Rasen gezeigt hatten.

Doch an diesem Abend ist für den Ex-Nationalspieler alles anders als früher. Der 32-Jährige trägt nach rund zweieinhalbjähriger Fußball-Pause zwar wieder das HSV-Trikot. Doch es ist diesmal das der fünftklassigen dritten Mannschaft des Vereins. Und dessen Anhang feiert Jansen und seine neuen Mitspieler trotz einer 2:4-Pleite gegen den FC Teutonia 05 nach dem Abpfiff frenetisch.

"Habe sozusagen mein Hobby zurückgewonnen"

"Schön, dass du hier bist", flüstert ein Fan dem prominentesten Kicker der Hamburger Stadtliga ins Ohr. Ein anderer lädt ihn auf ein Getränk ein: "Komm 'Cello', Glühwein." Da mag der Vize-Europameister von 2008 und WM-Dritte von 2006 und 2010 nicht nein sagen. "Ja, gleich", antwortet er mit einem breiten Grinsen im Gesicht und klatscht mit weiteren Anhängern ab. Jansen zeigt nach seinem Debüt in Liga fünf keinerlei Starallüren. Es ist dem neuen Aufsichtsratmitglied der HSV Fußball AG anzumerken, dass er sich den Feierabend-Kickern nicht aus PR-Gründen angeschlossen hat oder um ein paar Euro dazuzuverdienen. "Es passt hier einfach. Ich habe sozusagen mein Hobby zurückgewonnen", erklärt der 32-Jährige.

Karriere-Ende als Profi mit nur 29 Jahren

Sein halbes Leben lang war der Fußball viel mehr als ein Hobby für den gebürtigen Mönchengladbacher - Lebensinhalt und Beruf. Jansen feierte 2004 sein Profidebüt für die Borussia, 2008 wurde er Meister und Pokalsieger mit Branchenführer Bayern München, bevor es ihn nach dem Double zum HSV zog. Seinerzeit war die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit beim Bundesliga-Gründungsmitglied noch nicht so groß wie heutzutage. Jansen stand 2010 mit den Hamburgern sogar im Halbfinale der Europa League. Bald darauf begann aber der Niedergang des Clubs. Zweimal rettete er sich erst in der Relegation vor dem Abstieg. Als es 2015 gegen den Karlsruher SC in zwei Partien (1:1 und 2:1 nach Verlängerung) um den letzten freien Bundesliga-Platz ging, war Jansen wegen einer Zerrung zum Zuschauen verdammt. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Linksverteidiger bereits beschlossen, seine Profi-Laufbahn nach 242 Einsätzen in der Beletage mit nur 29 Jahren zu beenden.

Aogos Rat an Jansen: "Speck mal ein bisschen ab"

Das frühe Karriere-Ende stieß nicht überall auf Verständnis. "Wer so etwas macht, hat den Fußball nie geliebt", schimpfte Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler im ZDF. Was weder der ehemalige DFB-Teamchef noch viele Fans seinerzeit wissen konnten: Jansen hängte die Schuhe an die Nagel, um eine interaktive Foto- und Video-App auf den Markt zu bringen, mit der er sich bereits länger beschäftigt hatte. Darüber habe er nicht plaudern wollen, weil er den Klau seiner Idee befürchten musste, verriet der 32-Jährige jüngst. Inzwischen nutzen unter anderem viele Fußball-Teams diese App. So auch der HSV III. Zur Chat-Gruppe gehören dabei nicht nur Kicker und Fans des Oberligisten, sondern auch einige frühere Profis des Bundesligisten, die Jansen hinzugefügt hat. Beispielsweise Dennis Aogo (VfB Stuttgart), der sich kurz vor dem Fünftliga-Debüt seines früheren Mitspielers dann auch via Video zu Wort meldete. "Hau rein und speck mal ein bisschen ab", sagte der 31-Jährige.

Dieses Thema im Programm:

Sportplatz | 11.02.2018 | 18:00 Uhr

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