Stand: 08.03.2018 16:51 Uhr

Radikaler Schnitt beim HSV alternativlos

Der abstiegsbedrohte Fußball-Bundesligist Hamburger SV hat sich von seinem Vorstandsboss Heribert Bruchhagen und von Sportdirektor Jens Todt getrennt. Der Mann, der diesen Cut zu verantworten hat, ist Bernd Hoffmann. Sorgt er für einen echten Neuanfang? Oder ist es nur die Fortsetzung der schier endlosen Personalwechsel beim HSV?

Ein Kommentar von Thorsten Iffland, NDR Hörfunk-Sportredaktion

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"Für viele stank der Fisch vom Kopf her - und der ist jetzt ab", schreibt Thorsten Iffland im Kommentar.

Der Vorstandschef ist weg. Der Sportchef ist weg. Der Zeitpunkt: überraschend. Die Entscheidung: konsequent. Mal wieder gibt es einen Neuanfang beim Hamburger SV.

Es macht keinen Sinn, an dieser Stelle die unzähligen Personalwechsel in den vergangenen Jahren zu kommentieren. Sie alle hatten nämlich eines gemeinsam: Sie haben nie zu einem wirklichen Neuanfang geführt. Ob das diesmal anders wird? Das kann niemand zuverlässig beantworten.

Festhalten an Bruchhagen und Todt wäre verheerend gewesen

Dieser jetzt vollzogene, radikale Schnitt ist aber alternativlos. Weder Heribert Bruchhagen als Vorstandsvorsitzender, noch Jens Todt als Sportchef hatten eine Zukunft. An beiden festzuhalten oder gar einen Neuanfang in der Zweite Liga zu versuchen, das wäre verheerend gewesen. Die fälligen Abfindungen für Bruchhagen und Todt sind für den klammen Club besser zu verschmerzen als das Verpassen der nächsten Chance auf einen Neuanfang.

Diese Entscheidung dürfte auch nach dem Geschmack von Investor Klaus-Michael Kühne sein. Jetzt lässt der sich sicher eher breitschlagen, dem HSV ein weiteres Mal zu helfen, was angesichts der finanziellen Situation - erst Recht bei einem Abstieg - lebensnotwendig wäre.

Hoffmann muss jetzt liefern

Der Mann, der diesen Cut nun zu verantworten hat, ist Bernd Hoffmann. Seit wenigen Tagen erst im Aufsichtsrat, seit Mittwoch erst dessen Vorsitzender. Der Mann hat offenbar einen Plan. Für seine eigene Karriere - und hoffentlich auch für die Zukunft des HSV. Egal in welcher Liga.

Hoffmann muss jetzt liefern. Vor seiner Wahl zum Präsidenten des e.V. versprach er nachdrücklich: "Die Qualität der Entscheidungen für den Verein muss erhöht werden." Ins Bild passt da, dass er keine Eile sieht bei der Neubesetzung und Neustrukturierung der Führungspositionen.

Vorbild VfB Stuttgart?

Als Vorbild soll der VfB Stuttgart herhalten, der 2016 ebenfalls im Chaos versunken und abgestiegen war. Die sportliche Führung stand erst wenige Wochen vor Saisonbeginn, trotzdem gelang der Wiederaufstieg. Das macht irgendwie Mut. Natürlich wird die Mannschaft jetzt nicht auf einmal gut Fußball spielen. Und man muss auch kein Prophet sein, um auch am Wochenende in München eine deutliche Niederlage vorherzusehen. Aber darum geht es jetzt auch nicht. Für viele stank der Fisch vom Kopf her - und der ist jetzt ab. Also ein guter Tag.

Bernd Hoffmann © dpa Fotograf: Christian Charisius

Kommentar zum HSV: Ein echter Neuanfang?

NDR 2 -

Der Hamburger SV hat Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt freigestellt. Ist das die Chance für einen echten Neuanfang? Thorsten Iffland kommentiert.

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Den Zweitliga-Saisonstart bereits im Blick

Viel zu verlieren hat der HSV eh nicht mehr. Der erste Abstieg in der Vereinsgeschichte ist nur noch theoretisch zu verhindern. Wirklich an das Wunder glauben tut rund um den Volkspark niemand mehr - auch Bernd Hoffmann nicht. Er wusste am Donnerstag aus dem Stehgreif, dass es noch exakt 145 Tage sind bis zum Saisonstart in der Zweiten Liga. Noch Fragen?

Eine hätte ich noch: Wird das jetzt wirklich ein richtiger, ein echter, ein tiefgreifender Neuanfang, die Stunde Null sozusagen? Oder reiht sich dieser Tag wieder nur ein in die schier endlosen Personalwechsel beim HSV?

So komisch es vielleicht klingt: Für mich hat der Verein nur dann eine Chance, eine Aussicht auf Besserung, wenn er absteigt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 08.03.2018 | 16:25 Uhr

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