Stand: 28.01.2014 10:31 Uhr

Marc Pfitzner, der ewige Braunschweiger

von Johannes Freytag, NDR.de
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Marc Pfitzner (l.) bei seinem jüngsten Bundesligaeinsatz gegen Bremens Philipp Bargfrede.

Marc Pfitzner hat eine einmalige Fußballer-Karriere vorzuweisen: Der 29 Jahre alte gebürtige Braunschweiger, der am Wochenende beim0:0 von Bundesligist Eintracht Braunschweig in Bremen zum zweiten Mal in Folge in der Startelf stand, schnürte seine Schuhe stets für Vereine seiner Heimatstadt. Pfitzner marschierte mit den "Löwen" von der Regionalliga in die Erste Liga und darf sich zudem rühmen, als einziger in Deutschland aktiver Fußballer den Aufstieg von der Kreis- in die Bundesliga geschafft zu haben. Dabei hatte der Mittelfeldspieler zwischenzeitlich mit dem Profi-Traum abgeschlossen. Aber der Reihe nach.

Zu schlecht für Eintrachts B-Jugend

Pfitzner beginnt im Alter von fünf Jahren mit dem Fußballspielen und kommt nach den Stationen SC Victoria und Türkischer SV Braunschweig als Jugendlicher zur Eintracht. Dort, in der C-Jugend der Niedersachsen, scheint die Fußballer-Karriere zu Ende, ehe sie richtig begonnen hat: "Ich sollte in die B2 und nicht zu den B1-Junioren. Das Thema Profifußball war für mich damit frühzeitig abgeschlossen, ich kümmerte mich dann eher um die Schule und meine Freunde", erzählt Pfitzner rückblickend bei "dfb.de". Es folgt der Wechsel zum TSV Timmerlah - beim Braunschweiger Stadtteilclub spielt er sich in die erste Herrenmannschaft und läuft in der Kreisliga auf. Anschließend geht es zum SV Broitzem in die Landesliga und zur FT Braunschweig in die Oberliga, ehe sich bei Eintracht Braunschweig II als Vertragsamateur eine zweite Chance bietet.

Profidebüt unter Möhlmann

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Benno Möhlmann machte Pfitzner zum Profi.

Das ist der Moment, in dem sich Pfitzner entscheiden muss: Hobbykicker bleiben und die Ausbildung beenden oder einen letzten Versuch in Richtung Berufsfußball zu starten: "Als ich wieder bei der Eintracht war, habe ich nicht unbedingt erwartet, noch Profi zu werden, aber ich habe darauf hingearbeitet. Es war klar, das Ziel konnte nur die erste Mannschaft sein", so Pfitzner, der von 2005 bis 2007 64 Mal für die U23 der Braunschweiger in der Oberliga aufläuft. Die erste Mannschaft der Eintracht spielt zu dem Zeitpunkt in der Regionalliga und kämpft um die Qualifikation zur neuen Dritten Liga. Dazu muss das Team von Trainer Benno Möhlmann Zehnter werden. Nach einem schwachen Saisonstart rangieren die "Löwen" Anfang Oktober 2007 allerdings nur auf Platz 15 - mit fünf Zählern Rückstand auf den Platz zehn.

Durchmarsch von Liga vier bis eins

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Schmerzhaftes Profidebüt: Pfitzner (vorne) wird von Magdeburgs Peter Otte gefoult.

Möhlmann sucht neue Impulse und lädt Pfitzner zum Training der Profis ein: Der 23-Jährige überzeugt und feiert sein Profi-Debüt am 20. Oktober, als er in der 82. Minute der Partie gegen den 1. FC Magdeburg (1:1) eingewechselt wird: "Eine Woche später spielte ich eine halbe Stunde, dann durfte ich von Anfang an ran. Seitdem geht es mit der Eintracht bergauf", erklärt Pfitzner lachend. Aber so ganz unrecht hat er nicht: Die Qualifikation zur Dritten Liga gelingt (am letzten Spieltag der Saison), drei Jahre später folgt der Aufstieg in die Zweite Liga und im vergangenen Sommer der Sprung in die Bundesliga.

Lieberknecht setzt auf Pfitzner

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Auch wenn es auf diesem Foto nicht so aussieht: Lieberknecht und Pfitzner schätzen sich.

Pfitzner kommt dabei immer auf seine Einsatzzeiten: 85 Partien bestreitet er in der Dritten Liga, 48 in der Zweiten Liga. Im reifen Alter von 29 scheint die Bundesliga für den Debütanten dann doch eine Nummer zu groß zu sein, aber Pfitzner beißt sich auch dort durch. Nach drei Kurzeinsätzen über insgesamt 18 Minuten läuft er am letzten Hinrundenspieltag beim 1:0 im Heimspiel gegen Hoffenheim erstmals in der Startelf auf. "Er hat sich die Chance erarbeitet und sie genutzt“, lobt Coach Torsten Lieberknecht den Mittelfeldmann nach der Partie. Dennoch deutet sich zum Jahresende 2013 ein Abschied an, dem Mittelfeldspieler liegen Angebote der Zweitligisten FSV Frankfurt und SV Sandhausen vor. Doch Lieberknecht lässt Pfitzner nicht ziehen. Aus gutem Grund: Mit Pfitzner auf dem Platz (fünf Einsätze) hat die Eintracht mit fünf Zählern fast die Hälfte ihrer bisherigen zwölf Punkte geholt. Ein Ur-Braunschweiger als Garant für den Braunschweiger Klassenerhalt - das würde die einmalige Karriere Pfitzners krönen.

 

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Hallo Niedersachsen | 28.01.2014 | 19:30 Uhr