Willi Lemke, Ex-Manager von Werder Bremen © imago images / Nordphoto

Willi Lemke wünscht sich frischen Wind bei Werder

Stand: 19.08.2021 20:52 Uhr

Werder Bremen steckt wirtschaftlich und sportlich in einer tiefen Krise. Für Ex-Manager Willi Lemke ein "Desaster". Er empfiehlt Werder mehr "Bescheidenheit" und setzt große Hoffnungen in die Mitgliederversammlung Anfang September.

von Matthias Heidrich und Ina Kast

Mehr als 35 Jahre hat Willi Lemke als Manager und Aufsichtsrat die Geschicke bei Werder Bremen gelenkt und beeinflusst. Ein grün-weißes Urgestein, das an der Weser viel gesehen und erlebt hat. Die aktuelle Lage des Fußball-Zweitligisten macht den 75-Jährigen trotzdem fassungslos. "Das ist eine Situation, die ich mir so nie vorstellen konnte und eine der schwierigsten bei Werder, die ich erlebe", sagte Lemke im NDR Interview.

Bundesligaabstieg, Ausverkauf des Kaders aufgrund der extrem angespannten Finanzlage, kaum Neuzugänge und jüngst auch noch die 1:4-Packung im Weserstadion gegen Paderborn: Werder geht am Stock und Lemke leidet mit. "Die wirtschaftliche und sportliche Situation zu sehen, ist furchtbar", sagt der ehemalige UN-Sonderbeauftragte für Sport und denkt dabei vor allem an die treuen Werder-Fans.

"Das Bremer Publikum ist ein ganz, ganz besonderes. Es hat es schlichtweg nicht verdient, dass wir - denn ich beziehe das auch auf mich - sie in so eine Situation bringen." Willi Lemke

"Wir haben in den vergangenen zwei, drei Jahren viele Fehler gemacht", so Lemke, der aber auch das Verhalten der Entscheidungsträger in der Pandemie in Frage stellt. "Man hat in der Corona-Krise möglicherweise nicht schnell und klar genug reagiert, sondern war vielleicht zu vorsichtig." Mit etwas Bescheidenheit in den einen oder anderen Dingen könne man eventuell etwas geraderücken, sagte Lemke.

"Markus Anfang tut mir leid"

Aktuell muss Bremen notgedrungen alle Spieler verkaufen, die einen halbwegs guten Preis auf dem Transfermarkt erzielen. Gleichzeitig tun sich die Hanseaten schwer, Coach Markus Anfang Ersatz zu beschaffen.

"Mir tut der Trainer leid, der gar nicht weiß, mit welcher Mannschaft er am nächsten Samstag und auch am nächsten Wochenende spielen soll. Er kann überhaupt nichts für diese Situation." Willi Lemke

"Ich hoffe von Herzen, dass da noch etwas passiert und der Trainer eine Mannschaft aufbauen kann, die nicht in das Desaster der vergangenen Jahre hineinschlittert", betonte Lemke. Schritt für Schritt ein Team aufbauen, das sich "hoffentlich in nicht allzu weiter Zukunft" wieder nach oben orientieren könne, das wäre sein Wunsch.

Rat "bei den alten Weisen" einholen

Vor fünf Jahren war der ehemalige SPD-Politiker nicht ganz freiwillig aus dem Bremer Aufsichtsrat ausgeschieden. Und auch heute würde sich der Ex-Manager wünschen, dass sich die Entscheidungsträger an der Weser ab und zu einen Rat "bei den alten Weisen" holen.

Tun sie offenbar nicht. Aufsichtsratschef Marco Bode und Sportdirektor Frank Baumann haben derzeit andere Sorgen, stehen intern und extern in der Kritik.

Lemke: "Ein Desaster, vor dem wir jetzt stehen"

Mit Blick auf die mit vielen altgedienten Werder-Größen gespickte Führungsebene ist Lemke "fest davon überzeugt", dass die Bremer frischen Wind brauchen. "Ich habe die große Hoffnung, dass wir am 5. September, wenn die Mitglieder die Wahl für den Aufsichtsrat haben, entsprechende Veränderungen vornehmen", so der 75-Jährige. "Damit das Desaster, vor dem wir jetzt stehen, möglichst rasch durch neue Entscheidungsträger korrigiert wird."

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 22.08.2021 | 22:50 Uhr

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