Hamburgs Jordan Beyer (l.) und Hannovers Philipp Ochs beim Kopfballduell. © WITTERS Foto: ValeriaWitters

Nordduell HSV gegen Hannover 96: Kleine gegen große Krise

Stand: 05.12.2020 07:00 Uhr

Der Hamburger SV und Hannover 96 zählen zu den Aufstiegsfavoriten in der Zweiten Liga. Vor dem Nordduell sind die beiden Ex-Bundesligisten aber jeweils seit vier Spielen ohne Sieg.

Daniel Thioune und Kenan Kocak paukten einst im Fußballlehrer-Lehrgang Seite an Seite Trainingslehre, taktische Prinzipien, aber auch Aspekte der Kommunikation und Sportpsychologie. Die Trainer verstehen sich blendend. Ihre Fachkenntnisse wenden sie viereinhalb Jahre später, vor dem direkten Aufeinandertreffen ihrer Clubs, aber völlig unterschiedlich an. Im Vorfeld des Norduells erhöht Thioune beim HSV den Druck auf seine Spieler spürbar. Kocak versucht, das 96-Team aufzubauen, stark zu reden. Eine Niederlage kann sich heute (13 Uhr / Livecenter bei NDR.de) keiner der beiden leisten.

Thioune ändert seine Ansprache

"Wenn wir nachlässig sind, werden wir wie gegen Heidenheim bestraft. Wir müssen die individuellen Fehler reduzieren", sagte Thioune. "Ich bin absolut überzeugt, dass wir sehr stark aus der Phase herauskommen", meinte Kocak vor dem Duell Dritter gegen 14. Der HSV steht tabellarisch ordentlich da, auch die Punktausbeute mit 17 Zählern nach neun Partien ist okay. Doch die aktuelle Tendenz mit vier Partien ohne Sieg und zwei Niederlagen in Folge lässt rund um den Volkspark die Alarmglocken schrillen.

"Wenn einer nicht zündet, zünde ich ihn noch mal an"

Zu präsent sind die Eindrücke der Vorjahre, als die "Rothosen" zweimal den Aufstieg in Schwächephasen verspielten. Thioune änderte nach der 2:3-Pleite in Heidenheim seine Ansprache merklich, er müsse sich "den einen oder anderen Spieler vielleicht auch mal zur Seite nehmen", sagte er. Der 46-Jährige scheute nicht davor zurück, Namen zu nennen, Jeremy Dudziak und Sonny Kittel öffentlich anzupieksen. "Wenn mein Eindruck ist, dass der eine oder andere nicht zündet, dann zünde ich ihn noch mal an", sagte Thioune.

Kocak: "Stehe zu meinen Jungs"

Mehr Feuer seiner Mannschaft braucht auch Kocak dringend, 96 läuft dem Ziel Aufstieg bislang meilenweit hinterher. Der 39 Jahre alte Coach ist bemüht, es sanft zu entfachen. "Ich stehe zu meiner Mannschaft, zu meinen Jungs", sagte er: "Wir müssen natürlich effektiver werden und weniger individuelle Fehler machen." Kocak sprach Profis wie dem zuletzt unglücklich agierenden Stürmer Marvin Ducksch Mut zu.

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Außerdem bedankte sich Kocak artig für das Vertrauen von Geschäftsführer Martin Kind und Sportchef Gerhard Zuber, er fühle sich angestachelt, "dem noch mehr gerecht zu werden als je zuvor". Dies sollte er bald tun, denn sonst geraten die Aufstiegsränge schnell außer Sicht und der Trainer in Gefahr. "Wir sind jetzt 14., weiter sollte es eigentlich nicht runtergehen", sagte Kind im NDR 2-Bundesligashow-Podcast zu der "unerwarteten und kritischen Entwicklung".

Das Titelbild des NDR 2 Bundesligashow-Podcasts © istockphoto Foto: Aksonov

AUDIO: NDR 2-Bundesligashow-Podcast mit Slomka und Kind (39 Min)

Mögliche Aufstellungen

HSV: Ulreich - Vagnoman, Ambrosius, Leistner, Leibold - Onana, Gjasula - Hunt - Wintzheimer, Terodde, Jatta
Hannover: Esser - Schindler, Franke, Elez, Hult - Kaiser, Bijol - Haraguchi - Sulejmani, Ducksch - Weydandt

Dieses Thema im Programm:

Die NDR 2 Bundesligashow | 05.12.2020 | 13:00 Uhr

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