Stand: 26.07.2019 09:20 Uhr

Hannover 96: Baustelle statt Aufstiegsaspirant

von Matthias Heidrich, NDR.de

Der Bundesliga-Abstieg hat Hannover 96 hart getroffen, finanziell wie personell. Vor allem mit dem Blick auf die Club-Finanzen hat Geschäftsführer Martin Kind den Wiederaufstieg als Ziel ausgegeben. In einer stark besetzten Zweiten Liga dürfte das für die Niedersachsen ein äußerst schwieriges, wenn nicht sogar aussichtsloses Unterfangen werden. Der Teamcheck.

So lief die vergangene Saison

In einem Wort zusammengefasst: desaströs. 21 magere Punkte holten die Hannoveraner in der Saison 2018/2019 und stiegen vollkommen verdient in die Zweite Liga ab. Club-interne Querelen, Verletzungspech und schlechte Personalpolitik erzeugten einen Negativ-Strudel, aus dem sich der Traditionsclub nicht befreien konnte. Der Trainerwechsel kurz nach der Winterpause von André Breitenreiter zu Thomas Doll wird als einer der sinnlosesten in die Vereinsgeschichte eingehen. Noch vor Saisonende musste auch Sportchef Horst Heldt gehen. Nach dem Abstieg war Doll schon wieder Geschichte am Maschsee und bei 96 wurde der komplette Neuanfang ausgerufen.

Wer kommt, wer geht

Die entscheidende Frage war und ist bei Hannover 96: Wer bleibt? Dass Mittelfeld-Abräumer Marvin Bakalorz (wieder Kapitän) gehalten werden konnte, war wichtig. Nebenmann Walace will weg und darf auch bei einem entsprechenden Angebot. Waldemar Anton soll unbedingt bleiben. Es ist aber nicht auszuschließen, dass der U21-Nationalspieler, der gerne weiter Bundesliga spielen würde, noch von Bord geht. Denn über allen Personalfragen steht bei 96 die angespannte wirtschaftliche Situation. "Wir haben finanzielle Zwänge, das muss man deutlich sagen", erklärte Trainer Mirko Slomka. "Wünsche habe ich immer, aber diese Zwänge müssen wir einfach beachten." 96 muss einnehmen, um einkaufen zu können.

Nach den schmerzlichen Abgängen von Niclas Füllkrug, Ihlas Bebou oder auch Noah Sarenren Bazee hat der 51-Jährige im Angriff mit Marvin Ducksch und Cedric Teuchert durchaus guten Ersatz bekommen. Wobei Letzterer wegen einer Muskelfaszienverletzung im linken Oberschenkel den Saisonstart wohl verpassen wird.

Die Rückholaktion von Torwart Ron-Robert Zieler war ein überraschender Coup, wobei Hannover gerade auf dieser Position mit Michael Esser und Philipp Tschauner eigentlich überdurchschnittlich gut aufgestellt ist. Nun werden beide wohl das Weite suchen. Was Slomka neben einem weiteren Innnenverteidiger wirklich fehlt, ist ein kreativer Mittelfeldspieler, der die Stürmer in Szene setzt. Das wurde in den Vorbereitungsspielen des Öfteren deutlich.

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"Früher war alles besser" lautete das Motto bei der Verpflichtung von Slomka als neuen Cheftrainer. Der 51-Jährige hatte den Club zwischen 2010 und 2013 mit schnellem Konterfußball zweimal in die Europa League geführt. "Attraktiver, schneller und erfolgreicher Angriffsfußball" (Kind) soll auch nach dem ausgerufenen Neustart wieder das Erkennungsmerkmal von Hannover 96 werden. Slomkas Rückkehr, nach zwei Jahren ohne Trainerjob, hatte Ende Mai, gepaart mit der Beförderung von Ex-96-Profi Jan Schlaudraff zum Sportchef, tatsächlich Aufbruchstimmung erzeugt. "Ich habe das Gefühl, ich komme in meine Heimat", hatte Slomka bei seiner Vorstellung geschwärmt."Jetzt gilt es, die Ärmel hochzukrempeln, um perspektivisch wieder in die Erste Liga zu kommen."

Zwei Monate später, angekommen in der 96-Realität, ist der 51-Jährige zwar immer noch optimistisch: "Ich habe nur gute Gedanken, was dieses Team angeht. Insbesondere die Veränderung des Charakters der Mannschaft macht mir große Freude. Sie halten zusammen und respektieren sich gegenseitig. Das sind die Dinge, die mir ganz, ganz wichtig waren." Gleichzeitig dämpft Slomka die Erwartungen: "Wir sind in der Defensive personell zu dünn besetzt. Das wird nicht ausreichen, um in der Zweiten Liga oben dabei zu sein."

Ausblick auf die Saison

Slomkas Äußerungen geben die Richtung vor: Ohne weitere Verstärkungen und bei möglichen weiteren Verlusten von Stammkräften (Anton) dürfte es für Hannover 96 schwer, wenn nicht gar unmöglich werden, im Aufstiegs-Konzert der Liga-Schwergewichte mitzumischen. Stuttgart, Nürnberg oder auch der HSV sind allesamt besser besetzt. So gesehen wird das Zweitliga-Auftaktspiel der Hannoveraner am Freitag beim VfB (20.30 Uhr, im NDR Livecenter) ein guter Gradmesser sein, wie die Saison für die Slomka-Elf laufen kann.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 23.07.2019 | 10:25 Uhr

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