Stand: 07.09.2019 11:53 Uhr

Hecking 100 Tage beim HSV: "Momentan ist richtig"

HSV-Trainer Dieter Hecking kann mit dem bisher Erreichten zufrieden sein.

Kein Ligabetrieb wegen der Länderspielpause, das Transferfenster ist geschlossen, die Fußballprofis des Hamburger SV haben zwei Tage trainingsfrei - Zeit auch für Trainer Dieter Hecking zum Durchatmen und Abschalten. Der 54-Jährige war bei der Familie in Bad Nenndorf und besuchte am Freitagabend das Konzert von Herbert Grönemeyer in Hannover. "Momentan ist richtig, momentan ist gut", beginnt Grönemeyers Lied "Mensch" - es könnte gut und gerne das Leitmotiv für Heckings erste 100 Tage beim HSV sein.

Sportliche Bilanz spricht für sich

Als Hecking Ende Mai Chefcoach des Fußball-Zweitligisten wurde, übernahm er einen Club, bei dem Frust und Unsicherheit herrschten über den verpassten Bundesliga-Aufstieg und den damit einhergehenden Umbruch. Mit Hecking hat sich die Stimmung gedreht. Allein die sportlichen Fakten sprechen für sich: Fünf Partien sind in der Liga gespielt, der HSV ist mit 13 Punkten ungeschlagener Tabellenführer und hat auch die Auftakthürde im DFB-Pokal gemeistert. "Wenn man irgendwo das Haar in der Suppe suchen wollte, wäre das sicherlich falsch", zeigte sich Hecking zufrieden mit dem bisher Erreichten.

Hecking sieht "noch Nachholbedarf"

Zugleich - und auch das spricht für den neuen Geist an der Elbe - lässt sich der HSV-Coach davon nicht blenden: Im jüngsten Test gegen Wolfsburg (1:1) "hat man gesehen, dass wir ein bisschen Nachholbedarf haben in der einen oder anderen Sache. Genau das muss unser Ziel sein. Dass wir versuchen, uns jede Woche auf ein höheres Level zu schieben", sagte er der "Hamburger Morgenost". Die "Herausforderung und Verpflichtung" sei es jetzt, "Konstanz reinzubringen". Ihm mache Mut, "dass die Mannschaft da sehr gut mitzieht und versucht, gewisse Dinge umzusetzen".

Kader "zwischenmenschlich überragend gut"

Dass das so ist, daran hat auch Hecking einen großen Anteil. Er strahlt eine natürliche Autorität aus, hat einen klaren Plan und achtet dabei auch auf das Menschliche.

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Das zeigte exemplarisch der Umgang mit Bakery Jatta, den er trotz des Wirbels um dessen angeblich falsche Identität stets unterstützte und immer wieder aufstellte. Der HSV-Kader ist mit Augenmaß zusammengestellt: "Wir haben eine Mannschaft, in der die Spieler im zwischenmenschlichen Bereich überragend gut zusammenpassen. Wir waren nicht in der Lage, große Ablösesummen zu zahlen, sondern haben stattdessen Spieler für uns gewonnen, für die es etwas Besonderes ist, für den HSV zu spielen", erklärte Hecking im "Sportbuzzer". In der Tat akzeptieren Profis wie Julian Pollersbeck oder Kyriakos Papadopoulos, die in der Vorsaison noch Stammspieler waren, ihre Rerservistenrolle offensichtlich klaglos.

"Wir sind ein normaler Zweitligist"

Hecking weiß auch, wie ungeduldig das Hamburger Umfeld ist. Dennoch - oder gerade deshalb - mahnt er Demut an: "Wir sind ein normaler Zweitligist. Dass wir von außen anders gesehen werden, ist klar. Aber das darf uns nicht interessieren und wir dürfen vor allem nicht den Anspruch daraus ableiten, wie ein Erstligist auftreten zu müssen. Wir sind nicht besser als die anderen Zweitligisten, denn wir sind in derselben Liga. Wir müssen erst einmal die Voraussetzungen schaffen, vielleicht mal wieder ein Erstligist zu werden." Hecking und der HSV scheinen da auf einem guten Weg zu sein.

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Sportclub | 08.09.2019 | 22:30 Uhr