Stand: 25.01.2020 09:00 Uhr

HSV: Auf schmalem Grat Richtung Bundesliga

von Florian Neuhauss, NDR.de
Sonny Kittel (l.) und Bakery Jatta gehören beim HSV zu den Aktivposten.

Der HSV hat sich mit Mühe und Not auf einem Aufstiegsplatz in die Winterpause gerettet - doch auch mit neuem Personal sieht es zum Ende der Vorbereitung nicht viel besser aus an der Elbe. Das große und einzige Ziel ist natürlich die Bundesliga-Rückkehr. Doch die Hamburger drohen wie schon im vergangenen Jahr vom schmalen Weg abzukommen.

So lief die Hinrunde

Der HSV kam gut in die Saison. Auf das glückliche 1:1 zum Auftakt gegen Darmstadt folgten vier Ligasiege. Zwar setzte es im Stadtderby auf St. Pauli die erste Niederlage, doch davon ließen sich die "Rothosen" nicht aus der Bahn werfen. Dafür sorgte kurioserweise ausgerechnet der Höhepunkt des Halbjahres fünf Wochen später: Das Fußballfest beim 6:2-Erfolg gegen den VfB Stuttgart bekam den Hamburgern nicht. Erst schieden sie drei Tage später gegen die Schwaben aus dem Pokal aus, dann gab es bis Weihnachten gerade mal noch einen mickrigen Sieg gegen Dresden. Die Hanseaten überwinterten zwar auf Tabellenplatz zwei und "nur" drei Punkte hinter Spitzenreiter Arminia Bielefeld, doch die Verfolger aus Stuttgart, Heidenheim und Aue sind in Schlagdistanz.

Wer kommt, wer geht?

Das Thema Neuzugänge war in diesem Winter ein sehr großes Thema an der Elbe.

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Schließlich wird der verpasste Aufstieg in der vergangenen Saison doch immer wieder auch daran festgemacht, dass die Verantwortlichen vor einem Jahr so passiv auf dem Transfermarkt geblieben waren, obwohl die Verletzungsanfälligkeit bei mehreren Spielern bekannt war.

Sicher auch deshalb haben die Hamburger nun mächtig Betrieb gemacht. Zunächst kam Louis Schaub vom 1. FC Köln - um diesmal eine Alternative zu Spielmacher Aaron Hunt zu haben. Jordan Beyer von Borussia Mönchengladbach schließt die personelle Lücke auf der Rechtsverteidiger-Position, die genauso verletzungsbedingt entstanden ist wie die im Sturm. Deshalb machte der HSV am Freitag auch noch die Leihe von Joel Pohjanpalo perfekt. Nichts soll dem Zufall überlassen werden. Dazu passt auch, dass es (bisher) keine Abgänge gegeben hat.

Der Trainer: Hecking als erfahrener Ruhepol

Dass Dieter Hecking im Sommer an der Elbe anheuerte, kam sehr überraschend.

Vom Europapokalteilnehmer Borussia Mönchengladbach wechselte der Trainerfuchs direkt in die Zweite Liga. "Beim HSV kann ich gestalten. Das ist mir lieber als Beamtenfußball, wo ich nur verwalte", erklärte der 55-Jährige jüngst.

Nachdem viele den vergleichsweise unerfahrenen Hannes Wolf als Hauptschuldigen für den verpassten Aufstieg ausgemacht hatten, konnte die Verpflichtung Heckings viele Gemüter beruhigen. Die Erfahrung des "alten Hasen" im Geschäft ließ ihn nun sicher auch auf die Verstärkungen drängen. "Mein Gefühl ist gut", sagte Hecking zum Ende der Winterpause. "Ich sehe unsere Mannschaft, die ein tolles Miteinander hat, die sehr gestärkt als Mannschaft fungiert."

Erwartungen an die Restrunde

Bei allem Krisengerede steht fest, dass es ligaweit im ersten Halbjahr eben nur Bielefeld besser gemacht hat als der HSV. Doch auch wenn Hecking (könnte sich im Falle des Nichtaufstiegs eine Zukunft in Hamburg vorstellen) und seine Mitstreiter (ein weiteres Zweitliga-Jahr soll finanziell darstellbar sein) beschwichtigen: Das große und einzige Ziel ist natürlich der Aufstieg. "Wir schwimmen im falschen Teich", sagte Clubchef Bernd Hoffmann - und Manager Jonas Boldt legte nach: "Wir wollen nächstes Jahr woanders spielen und sind davon überzeugt, dass es funktioniert."

Wie schmal der Grat ist, zeigte allerdings die total verpatzte Generalprobe gegen Regionalligist VfB Lübeck eine Woche vor dem Zweitliga-Auftakt am kommenden Donnerstag (20.30 Uhr, im NDR Livecenter) gegen Nürnberg. An der Lübecker Lohmühle verlor der HSV mit 2:5. "So ein Spiel darfst du nicht abliefern", sagte Hecking und legte den Finger tief in die Wunde: "Das war alles andere als in Ordnung und hat mit dem Kopf zu tun. Man muss auch gegen einen Regionalliga-Club die richtige Einstellung mitbringen."

Die Hamburger werden sich gehörig strecken und vielleicht sogar bis zum Saisonende hochkonzentriert arbeiten müssen, sonst misslingt die Bundesliga-Rückkehr erneut.

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Sportclub | 26.01.2020 | 22:50 Uhr

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