"Meine Güte HSV... ehrlich..." - Kroos bringt es auf den Punkt

Stand: 23.04.2021 10:34 Uhr

Der HSV verspielt möglicherweise erneut die ersehnte Rückkehr in die Fußball-Bundesliga. Das kann passieren. Allerdings ist die Art und Weise, wie es das Team von Trainer Daniel Thioune gerade tut, wieder einmal bemerkenswert.

von Matthias Heidrich

Toni Kroos ist einer der besten Fußballer, den Deutschland je gesehen hat. Auf dem Platz macht dem Mittelfeldregisseur von Real Madrid in puncto Passgenauigkeit niemand etwas vor. Mit traumwandlerischer Präzision bringt der Weltmeister aus Greifswald seine Pässe ins Ziel.

Am Donnerstagabend gelang Kroos das auch auf Twitter. Kurz nachdem die 1:2-Pleite des HSV in Sandhausen besiegelt war, postete die Passmaschine vier kleine Worte an seine knapp neun Millionen Follower und in die liebe weite Welt hinaus, die es auf den Punkt brachten: "Meine Güte HSV... ehrlich..."

Ob Kroos die erschreckend harm- und planlose Vorstellung des einstigen Bundesliga-Dinos meinte, oder auch ein bisschen Enttäuschung über die mangelnde Schützenhilfe der Hamburger für Eintracht Braunschweig im Abstiegskampf (Bruder Felix spielt bei den "Löwen") mitschwang, sei mal dahingestellt. Letztlich war der Real-Star wohl ebenso entsetzt wie jeder andere Fußball-Sachverständige ob der Leistung des Rautenclubs gegen den Tabellen-16. Der kam gerade aus der Corona-Quarantäne, kaufte dem HSV aber in allen Belangen den Schneid ab.

"Ich bin niemand, der liegen bleibt, sondern aufsteht. Und das erwarte ich auch von meiner Mannschaft. Aufgeben ist keine Option." HSV-Trainer Daniel Thioune

"Die Sandhäuser wollten ihr Leben auf dem Platz lassen. Die wussten, dass sie alles rausblasen müssen. Das war der Unterschied", sagte Daniel Thioune "Sky". "Uns fehlt sicher die Stabilität im Kopf und auch auf dem Platz."

Ein Offenbarungseid des HSV-Trainers, der unweigerlich zur Eine-Million-Euro-Frage führt, die sich alle Anhänger des Rautenclubs nun schon im dritten Zweitliga-Jahr stellen: Warum bekommen die Hamburger ihre Nerven und Leistung nicht in den Griff, wenn es drauf ankommt?

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Das Zweitliga-Kellerkind war gerade erst aus der Corona-Quarantäne zurückgekehrt, die Hamburger fanden aber kein Mittel. mehr

Auffällig ist, dass beim HSV niemand das Heft auf dem Platz in die Hand nehmen kann, wenn es wie gegen Sandhausen schlecht läuft. Aaron Hunt, Sonny Kittel oder auch der zurzeit wenig treffsichere Simon Terodde gehen einfach mit unter. Hilfe von außen war gegen den SVS auch nicht in Sicht. Thioune reagierte (zu) spät mit Wechseln. Die augenscheinliche Überraschung der Gäste über die laufstarken und aggressiven Sandhäuser sprach ebenfalls nicht gerade für die Vorbereitung der Mannschaft.

"Haben die ersten 60 Minuten nicht stattgefunden"

"Wir haben die ersten 60 Minuten nicht stattgefunden, haben die Zweikämpfe nicht bestritten, die man bestreiten muss", sagte HSV-Keeper Sven Ulreich. Gleichwohl ist es ja nicht verboten, die Einstellung auf dem Platz zu ändern. Doch die HSV-Profis wirkten wie so oft schon in der Vergangenheit gelähmt - von der Angst des Versagens?

"Angst gibt es nicht. Wer im Fußball Angst hat, ist fehl am Platz. Wir wollen unbedingt aufsteigen und müssen Gas geben." HSV-Torwart Sven Ulreich

Auf Relegationsrang drei stehen die Hanseaten immer noch, doch nach zuletzt lediglich zwei Siegen aus zehn Spielen rücken die Verfolger aus Düsseldorf und Heidenheim näher. Zu Holstein Kiel sind es noch vier Punkte Vorsprung, allerdings haben die Corona-gebeutelten "Störche" drei Spiele weniger auf der Uhr als der HSV.

Eigentlich sollte der Hamburger Kader auch für einen direkten Aufstiegsplatz reichen, doch Bochum ist bereits auf und davon und auch Fürth präsentiert sich stabil.

"Visitenkarte in Regensburg muss besser aussehen"

Ob der HSV im Schlussspurt zu seiner Stabilität aus der Hinrunde zurückfindet, darf nach dem Sandhausen-Auftritt bezweifelt werden. "Wir geben am Sonntag in Regensburg sicherlich eine Visitenkarte ab, die aber deutlich besser aussehen muss als die heute", sagte Thioune.

Es ist das nächste Duell der Hamburger mit einem Zweitliga-Kellerkind, in dem eigentlich nur drei Punkte zählen. Nicht nur Toni Kroos wird wohl wieder genau hinschauen.

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