Stand: 15.03.2019 16:50 Uhr

HSV und die Lizenz: An Kühne führt kein Weg vorbei

von Daniel Jovanov, NDR.de
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Der HSV und Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne haben noch Klärungsbedarf.

Ein Blick nach Frankfurt lohnt dieser Tage aus zweierlei Gründen: Einerseits wegen der Eintracht, die sowohl sportlich als auch wirtschaftlich als eines der positivsten Entwicklungsbeispiele der jüngeren Vergangenheit herhalten darf. Andererseits wegen der Deutschen Fußball Liga (DFL), die in den kommenden Wochen im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens jene Entwicklungen bei allen Proficlubs genau unter die Lupe nehmen wird. Einige von ihnen müssen erfahrungsgemäß mit einer besonders gründlichen Durchsicht aller bis zum Freitag (15.03.2019) einzureichenden Unterlagen rechnen, darunter auch der seit Jahren kriselnde HSV. Doch nirgendwo sonst scheinen die Meinungen über die Interpretation der Zahlen weiter auseinander zu gehen als bei den "Rothosen".

Altlasten aus der Ära Beiersdorfer

Die weniger dramatische Version: Die Lage ist ernst, aber unter Kontrolle. Aber Anlass zur Panik gebe es nicht. Die dramatischere Version wiederum klingt so: Der HSV steht kurz vor der Zahlungsunfähigkeit und ist auf jeden eingenommenen Euro angewiesen. Davor warnte unter anderem Ex-Präsident Jürgen Hunke auf der Mitgliederversammlung im vergangenen Januar. Neu sind diese Sorgen allerdings nicht. Schon vor fünf Jahren ging die Initiative "HSVPlus" mit dem Szenario Insolvenzgefahr erfolgreich auf Stimmenfang und warb für die Ausgliederung der Profifußballabteilung in eine eigenständige Aktiengesellschaft. Die Vertreter dieser Bewegung wollten mithilfe des Verkaufes von Anteilen für eine sukzessive Entschuldung des HSV sorgen.

Tatsächlich haben Ausgaben und Verluste in der Amtszeit des damaligen Vorstandsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer viele Negativrekorde gebrochen - Aktien wurden unter anderem zum Schließen von Liquiditätslücken verkauft.

Hoffmann bei der Lizenz zuversichtlich

Im vergangenen Oktober hatte der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann die wirtschaftliche Situation im Sportclub selbst als "dramatisch" bezeichnet. So liest sich auch der kürzlich publizierte Anleiheprospekt mit zahlreichen Hinweisen über eine mögliche Insolvenzgefahr, beispielsweise beim "Eintritt bedingter Besserungsabreden" im Rahmen von Darlehensverträgen mit Investor Klaus-Michael Kühne sowie im Falle eines Rechtsstreits wegen unterschiedlicher Auffassungen über Rückzahlungsmodalitäten. Eine Einigung mit dem 81-Jährigen konnte der HSV zum Stichtag nicht bestätigen, gleiches gilt für eine mögliche Verlängerung des Namenssponsorings für das Stadion. Auch beim Hauptsponsor "Fly Emirates" herrscht derzeit noch Unklarheit über eine Fortführung der Zusammenarbeit über den 30. Juni hinaus. Mit Konsequenzen im Zuge des Lizenzierungsverfahrens rechnet man beim HSV jedoch nicht. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die Lizenz für beide Ligen ohne Auflagen und Bedingungen erhalten werden", sagt Vorstandsboss Hoffmann. Auch das Szenario einer Zahlungsunfähigkeit hält er für "ausgeschlossen".

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Über die konkreten Maßnahmen zur Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage wollen die Verantwortlichen erst nach Beendigung des Lizenzierungsverfahrens Auskunft erteilen. Derzeit fehlen dem HSV beispielsweise noch etwa 4,5 Millionen Euro, um die vollständige Platzierung der neuen Anleihe mit einem Volumen von 17,5 Millionen zu erreichen. Die Anleihe gilt als eine der zentralen Säulen im Lizenzierungsprozess. Für den Fall des Scheiterns stehen dem HSV noch andere Modelle wie das "Factoring", also dem Verkauf zukünftiger Forderungen, zur Verfügung. Bekannt für Geschäftsmodelle dieser Art ist das Internationale Bankhaus Bodensee (IBB), das vor allem Fußballclubs hilft, die bei anderen Banken keine Kredite mehr bekommen.

Experte Weimar: "Kann keine akute Insolvenzgefahr identifizieren"

Dr. Daniel Weimar von der Universität Duisburg-Essen, der zu Finanzen der Fußballclubs in Deutschland forscht, kommt zu einem ähnlichen Schluss: "Auf Basis der zum 30. Juni 2018 veröffentlichten Bilanz kann ich keine akute Insolvenzgefahr identifizieren. Selbst wenn: Durch jahrelange Verbindungen zu Stakeholdern und Investoren wäre der HSV bei einer akuten Lage eventuell kurzfristig fähig, Liquiditätslücken zu schließen."

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Auch die Verantwortlichen stützen ihre Hoffnungen auf dieses Szenario, vor allem aber auf das Entgegenkommen von Kühne. "Ich trete grundsätzlich dafür ein, dass sich die AG so viel Eigenkapital wie möglich beschafft, um ihre finanziellen Grundlagen zu stabilisieren und im Falle des Aufstiegs genügend Möglichkeiten besitzt, die Mannschaft zu verstärken. Dabei würde ich mich - gemeinsam mit anderen - gern engagieren", sagte der Logistik-Milliardär dem "Hamburger Abendblatt". Bekannt ist, dass der HSV ihm bereits im vergangenen Sommer weitere Anteile an der HSV Fußball AG verkaufen wollte. Dieser Option steht das Mitgliedervotum aus dem Januar im Weg, das einen Verkauf von Anteilen über die Grenze von 24,9 Prozent hinaus ohne Zustimmung der Basis untersagt. Außerdem ist die Besetzung des Aufsichtsrates weiterhin nicht geklärt. Kühne wünscht sich mit Markus Frömming, Geschäftsführer einer Hamburger Marketing-Agentur, einen weiteren Vertrauten im Rat der Kontrolleure, was die Machtverhältnisse zu seinen Gunsten verbessern würde.

Verkauf von Leistungsträgern nötig?

Dem HSV läuft in den Verhandlungen mit seinem wichtigsten Geldgeber die Zeit davon. Zur Verstärkung der Profimannschaft ist er auf weitere finanzielle Unterstützung angewiesen. Andernfalls drohen im Sommer womöglich Verkäufe wichtiger Leistungsträger wie Douglas Santos oder Julian Pollersbeck. Die finanzielle Zukunft der Hamburger steht trotz der Aussagen der Verantwortlichen bis zur Klärung vieler offener Fragen auf tönernen Füßen.

Dieses Thema im Programm:

Sportplatz | 17.03.2019 | 18:05 Uhr

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