Stand: 14.09.2019 10:47 Uhr

Hecking: "Riesen-Voraussetzung für ein tolles Derby"

Es läuft bislang hervorragend beim HSV. Die fast komplett neuformierte Mannschaft ist nach fünf Spieltagen Tabellenführer in der Zweiten Liga und wirkt deutlich gefestigter als das Team der vergangenen Saison. Großen Anteil daran hat Trainer Dieter Hecking. Am Montag (20.30 Uhr) spielt der HSV im Derby beim FC St. Pauli. Wie sieht Hecking die Entwicklung der Mannschaft? Was erwartet er vom Derby? Der Coach im NDR Interview.

Herr Hecking, was ist die wichtigste Aufgabe für einen Trainer, wenn es gerade gut läuft für die eigene Mannschaft?

Dieter Hecking: Versuchen, genauso weiter zu arbeiten, wie wir es in den vergangenen Wochen gemacht haben. Es ist das Wichtigste, dass Du immer wieder forderst und förderst. Und im Moment gelingt uns das ganz gut.

Sie haben in Ihrer ersten Woche gesagt: "Der HSV ist ein Verein, in dem das Negative noch sehr verwurzelt ist." Ist das immer noch so?

Hecking: Das ändert sich natürlich schnell. Wenn die Ergebnisse stimmen, dann kehrt sich das natürlich auch schnell um. Nichtsdestotrotz - und das finde ich auch gut - sagt der eine oder andere: Warten wir erst einmal ab. Im letzten Jahr sah es am Anfang ja auch ganz gut aus. Und hintenraus haben wir es dann nicht mehr hinbekommen.

Wenn der derzeitige Trend unser Freund bleibt, dann ist das richtig gut. Bislang waren die Spiele auch sehr überzeugend. Wir sehen uns da ganz gut aufgestellt.

Sie wehren sich ja auch ein bisschen gegen die Erwartungshaltung von außen, Stichwort: Der "große HSV". Wie sieht Ihrer Meinung nach eine faire Bewertung Ihrer Mannschaft aus?

Hecking: Die Gefahr ist - wenn man immer als der "große HSV" gesehen wird, dann kann man ein bisschen daraus schließen: Dieser Verein überschätzt sich. Er ist im Moment ein Zweitligist, gehört sportlich gesehen nicht zu den großen Clubs in Deutschland. Diesem Zweitliga-Alltag zu entrinnen und wieder aufzusteigen, ist eine Riesenaufgabe, auch für diesen "großen HSV". Das muss ich meiner Mannschaft vermitteln. Der Schritt zurück war deshalb der wichtigste, nämlich aufzuzeigen: Wir sind auf Augenhöhe mit - und das ist nicht despektierlich zu verstehen - Sandhausen, Heidenheim und Osnabrück. Die werden uns alle das Leben schwer machen.

Kommen wir zum Derby: Sie haben ja schon unterschiedliche Derbys erlebt. Was ist speziell am Hamburger Stadtderby?

Hecking: Das kann ich noch nicht sagen, ich habe ja noch kein Stadtderby gespielt. Klar, ich habe verschiedene Derbys gehabt: Hannover gegen Braunschweig, Gladbach gegen Köln oder Nürnberg gegen Fürth.

Ich finde einfach, dass das für mich zwei sehr sympathische Vereine sind: Der FC St. Pauli, der mit seiner ureigenen Art einen Weg gefunden hat, mit seiner Tradition, mit seinem Weltbild in dieser schillernden Fußballwelt zu existieren. Der HSV, der so ein bisschen großmännisch daherkommt, den auch jeder mag in der Stadt. Das ist doch eine Riesen-Voraussetzung für ein tolles Derby.

Besteht die Gefahr, sich zu sehr emotionalisieren zu lassen vor so einem Spiel? 

Hecking: Die Gefahr besteht immer. Das ist eben unsere Aufgabe in der sportlichen Verantwortlichkeit: Du musst immer gucken: Wie weit kannst du das Gaspedal durchdrücken? Ich erinnere mich noch an das Hinspiel im letzten Jahr (0:0, Anm. d. Red.): Da habe ich nach einer halben Stunde ausgeschaltet. Das war ein Gewürge und hatte mit Fußball wenig zu tun: viele Unterbrechungen, viele kleine Fouls. Diese Verkrampfung der beiden Mannschaften hat man bis auf die Couch in meinem Wohnzimmer gemerkt. Ich würde mir wünschen, dass zumindest wir das am Montag deutlich besser machen.

Das Interview führte Mats Nickelsen, NDR Hörfunk

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Bundesligashow | 16.09.2019 | 20:00 Uhr