Stand: 01.09.2019 17:13 Uhr

Gänsehaut im Volkspark: Jatta trifft bei HSV-Sieg

von Matthias Heidrich, NDR.de
Hamburg jubelt © imago images Foto: imago images
HSV-Jubeltraube, in der irgendwo Bakery Jatta steckt.

Es lief die 75. Minute, als das Volksparkstadion explodierte: Ausgerechnet Bakery Jatta, auf den in den vergangenen Wochen so viel hereingeprasselt war, tankte sich durch den Strafraum von Hannover 96, nahm Maß und versenkte den Ball zum 3:0 (1:0)-Endstand für den HSV im Kasten der Gäste. Der Gambier wusste im ersten Moment nicht genau, wohin mit sich, nahm dann Kurs auf die eigene Bank und fiel Trainer Dieter Hecking in die Arme. Wirklich alle HSVer machten den Weg an die Seitenlinie mit, um mit Jatta zu feiern. Ein Statement der Mannschaft für ihren Teamkollegen.

"Aus meiner Sicht war es ein perfekter Nachmittag", sagte Hecking. "Wenn man sieht, wie sich das Stadion erhebt und ihn feiert, wie die Mitspieler ihn feiern und er zu uns zur Ersatzbank herausgelaufen kommt, das zeigt, dass der Junge total geerdet ist und sich auf diese Art auch für die Unterstützung seiner Mitspieler bedankt hat."

"Er sollte den Moment genießen"

Der HSV-Coach musste Jatta zuletzt wieder aufrichten: "Nach dem Karlsruhe-Spiel hatte er zwei sehr schwierige Tage, weil er nicht verstanden hat, warum die Leute ihn auspfeifen." Wie Jatta mit dieser Situation umgehe, sei "sensationell". "Er sollte den Moment genießen nach den letzten Wochen."

Kein 96-Einspruch erwartet

Es gab wirklich niemanden im Stadion, der Jatta diesen Treffer nicht gegönnt hätte. Auch nicht unter den 96-Anhängern, die sich wie angekündigt über 90 Minuten äußerst fair verhielten. Dabei hätten sie nach einer äußerst mageren Vorstellung ihres Teams allen Grund zum Frust gehabt. Anders der HSV-Anhang. Er feierte den vierten Sieg in Folge des Tabellenführers ausgelassen.

5.Spieltag, 01.09.2019 13:30 Uhr

Hamburger SV

3

Hannover 96

0

Tore:

  • 1:0 Kittel (35.)
  • 2:0 Kinsombi (59.)
  • 3:0 Jatta (75.)

Hamburger SV: Heuer Fernandes - Gyamerah, G. Jung (76. K. Papadopoulos), van Drongelen, Leibold - Fein, Kinsombi, Kittel (83. Hunt) - Narey, Hinterseer, Jatta (87. Wood)
Hannover 96: Zieler - Elez (73. E. Hansson), Anton, M. Franke - Bakalorz (60. Teuchert), Prib, J. Korb, J. Horn, Haraguchi - Ducksch (74. Muslija), Weydandt
Zuschauer: 54732

Weitere Daten zum Spiel

Dass der HSV die drei Zähler wegen des Falls Jatta am grünen Tisch wieder verlieren könnte, ist eher unwahrscheinlich. 96-Coach Mirko Slomka hatte sich bereits vor dem Spiel gegen einen möglichen Einspruch im Falle einer Niederlage ausgesprochen. Die Entscheidung darüber liegt allerdings nicht beim Trainer. "Wenn man die menschliche Seite betrachtet und an den Spieler denkt, sollten wir eigentlich keinen Protest einlegen", hatte Geschäftsführer Martin Kind vor dem Spiel gesagt. Man befinde sich zwar noch in der Diskussion und werde "die formal-juristische Seite wohlwollend prüfen", aber generell sprach er von einer "sehr guten Beziehung zum HSV, das darf man nicht vergessen. Das spielt in unseren Überlegungen sicher auch eine Rolle." Hecking gab sich in diesem Punkt entspannt: "Das ist jedem Verein vorbehalten. Ich will das keinem Verein verübeln."

"Mit ein bisschen Schmunzeln im Gesicht würde ich sagen: Sie sollen ruhig protestieren, dann gewinnen wir immer." HSV-Trainer Dieter Hecking

Narey tritt an, Kittel trifft

Die Hamburger, gegenüber dem jüngsten Auswärtssieg in Karlsruhe unverändert, hatten die Partie von Beginn an im Griff. Ohne jedoch wirklich gefährlich zu werden. Eine zielstrebige Aktion reichte den Hausherren allerdings, um in der 35. Minute in Führung zu gehen. Khaled Narey ließ auf der rechten Außenbahn Waldemar Anton mit einem beherzten Antritt stehen, passte nach innen, wo der von der 96-Defensive völlig vernachlässigte Sonny Kittel nur noch einschieben brauchte.

Jattas Auswechslung als emotionaler Höhepunkt

Auch in Hälfte zwei traten die Hamburger souverän auf, kontrollierten das Geschehen. David Kinsombi stellte in der 59. Minute auf 2:0. Die Niedersachsen wachten spät auf. Die Doppelchance von Edgar Prib und Marvin Ducksch in der 73. Minute hätte den Anschlusstreffer bringen können. Doch Daniel Heuer Fernandes im HSV-Tor reagierte zweimal großartig. Es folgte der Brustlöser für Jatta, der 96 den letzten Glauben an eine Wende raubte.

Emotionaler Höhepunkt war letztlich die Auswechslung Jattas in der 87. Minute samt kleiner Ehrenrunde für den HSV-Profi. Die Zuschauer und Teamkollegen verabschiedeten den 21-Jährigen mit stehenden Ovationen. Ein Gänsehaut-Moment im Volksparkstadion.

Weitere Informationen
Fußball-Tabelle © Panthermedia,  Screenshot/NDR Foto: Tobias Eble

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 01.09.2019 | 22:55 Uhr

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