Stand: 09.04.2019 14:39 Uhr

Gefährlicher Trend - Verspielt der HSV den Aufstieg?

von Johannes Freytag, NDR.de
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Die HSV-Profis Mats Köhlert und Rick van Drongelen können es nicht fassen: Schon wieder eine Heimniederlage.

HSV-Trainer Hannes Wolf wirkte nach dem 1:2 gegen den 1. FC Magdeburg ratlos. Wieder einmal hatte seine Mannschaft die große Chance vertan, sich im Aufstiegsrennen der Zweiten Liga vorentscheidend von der Konkurrenz abzusetzen. Wieder einmal stand sich der Hamburger SV dabei selbst im Weg. Im zweiten Heimspiel nacheinander verspielten die Hanseaten eine Führung und kassierten in der Schlussphase den entscheidenden Treffer. Und wie schon beim 2:3 gegen Darmstadt setzte ein Team aus dem Tabellenkeller den letzten Punch gegen den HSV. "Wir machen so viele kleine Fehler. Wenn man ein Video zusammenstellen würde, kriegt man einige Minuten zusammen", sagte Wolf leicht verzweifelt.

Zu defensive Ausrichtung?

Dabei war die Stimmung vor der Partie gegen die Magdeburger noch bestens gewesen. Nach dem 2:0 im Viertelfinale des DFB-Pokals beim Liga-Rivalen SC Paderborn am vergangenen Dienstag schien der HSV endlich wieder zu alter Stärke gefunden zu haben. Doch vom Schwung des Halbfinal-Einzugs war nichts mehr zu sehen. Wolf hatte dieselbe Elf aufgeboten wie in Paderborn, ließ im 3-4-1-2 agieren. Bei den offensiv starken Ostwestfalen war diese kompakte Ausrichtung nachvollziehbar, gegen Magdeburg aber gelang es so nicht, Druck aufzubauen. Zwar wurde dem HSV ein Elfmeter verweigert, dennoch - und das ist das Erschreckende - verlor er verdient.

Wolf brachte bei seinem Amtsantritt im Oktober Struktur ins Team, stabilisierte die Defensive und durfte sich als "Herbstmeister" feiern lassen. Offensiv änderte sich jedoch nichts gegenüber den Darbietungen unter Vorgänger Christian Titz. Einen Tag vor Weihnachten folgte das ernüchternde 1:3 in Kiel. Wie ein roter Faden zieht es sich durch die Saison, dass der HSV Spiele selten klar gewinnt. Berauschende Spektakel wie von Tabellenführer 1. FC Köln (8:1, 5:1, 4:0, 4:0, 4:1, 5:3)? Fehlanzeige! Nicht einmal das 4:0 im Stadtderby beim FC St. Pauli setzte bei den "Rothosen" Kräfte frei. Es folgte die Heimniederlage gegen Darmstadt. Im Kalenderjahr 2019 spricht zudem der Trend klar gegen den HSV: 14 Punkte holte er in den jüngsten elf Zweitligapartien - wahrlich nicht die Bilanz eines Topteams.

Personelle Probleme

Einmal mehr zeigt sich aber auch, dass der HSV-Kader limitiert ist und Verletzungen oder Formkrisen nicht kompensieren kann. Der verletzte Kapitän und Taktgeber Aaron Hunt fehlt an allen Ecken und Enden, die Youngster Fiete Arp und Tatsuya Ito spielen kaum noch eine Rolle im Profikader. Gideon Jung ist seit seinem überstandenen Knorpelschaden längst noch nicht wieder der Alte. Spieler wie Gotoku Sakai, David Bates oder Lewis Holtby helfen der Mannschaft kaum, spielen aber mangels Alternativen ständig. Und im Sturm sind die Hanseaten zu abhängig von Pierre-Michel Lasogga (13 Treffer). Von 14 Partien, in denen der Angreifer nicht traf, konnte der HSV lediglich fünf gewinnen.

Schwieriges Restprogramm

Lange wurden diese Probleme durch knappe Erfolge kaschiert. Dass die Hamburger immer noch Tabellenzweiter sind, verdanken sie der bislang ebenso schwächelnden Konkurrenz. Doch das Restprogramm hat es in sich: Am Montag droht mit einer Niederlage beim souveränen Spitzenreiter 1. FC Köln schon das Abrutschen auf Rang drei. Die weiteren Auswärtsspiele führen den HSV zu den direkten Konkurrenten Union Berlin und Paderborn. Die Heimspiele (Aue, Ingolstadt, Duisburg) sind allesamt Duelle mit abstiegsbedrohten Teams - Gegner also der Kategorie Magdeburg und Darmstadt, die im Volksparkstadion jeweils drei Punkte mitnehmen durften. Wolf war sich am Dienstag nach dem Training der Schwere der Aufgabe bewusst: "Wir müssen jetzt hart arbeiten, um wieder zu alter Stärke zurückzufinden. Es ist eindeutig, dass wir uns steigern müssen - dafür müssen wir jetzt gemeinsam einen Weg finden."

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 09.04.2019 | 19:30 Uhr