Stand: 22.02.2020 09:28 Uhr

HSV - St. Pauli: Polizei will Fangruppen strikt trennen

Ein HSV-Fans und viele Polizisten © imago images /DeFodi
Rund 1.500 Polizeibemate werden beim Derby HSV - FC St. Pauli im Einsatz sein.

Die Polizei sieht sich für das Hamburger Stadtderby zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli gerüstet. "Das ist das vierte Zweitliga-Derby in Hamburg, ein gewisser Gewöhnungseffekt tritt ein", sagte Polizeisprecher Timo Zill dem "Hamburg Journal" und betonte: "Wir haben als Polizei eine klare Botschaft: Die Rivalität gehört auf den Rasen. Wer den Sport missbraucht, der wird die klare Linie der Polizei dann auch spüren."

Die Zweitligapartie am heutigen Sonnabend (13 Uhr/im NDR Livecenter) wurde als Risikospiel eingestuft. So wird es im Volksparkstadion beispielsweise keinen Alkoholausschank geben. Das oberste Ziel der Hamburger Polizei ist die Trennung der Fangruppen. Es werden etwa 1.500 Beamte im Einsatz sein, teilte die Polizei mit, die auf das "bewährte Derbykonzept" der vergangenen Jahre setzt.

Göttlich: Derby ohne Pyro schwer vorstellbar

Zudem wird das Thema Pyro im Blickpunkt stehen. "Wir können nur den klaren Appell ausrichten, Hände weg von der Pyrotechnik. Wir werden uns nicht scheuen, entsprechendes Videomaterial auszuwerten", sagte Zill. St.-Pauli-Präsident Oke Göttlich ist allerdings skeptisch, dass ein Stadtduell ohne Pyrotechnik über die Bühne geht. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Derby gänzlich ohne alles auskommen wird. Dafür ist es zu emotional, das gehört dann auch zum Fußball dazu. Sollte es zu Strafen kommen, ja, dann müssen wir sie wahrscheinlich tragen, so ungern wir das tun", sagte Göttlich NDR 90,3.

Effekt durch kontrollierte Pyro-Show gegen KSC?

Aussagen, die beim HSV sicherlich nicht gerne gehört werden. Der "Rautenclub" war zuletzt auf seine Fans zugegangen, um den Mechanismus "Pyrotechnik = DFB-Strafe" aufzubrechen und hatte für ein Novum im deutschen Fußball gesorgt. Beim jüngsten Heimspiel gegen den Karlsruher SC wurde erstmals im Stadion-Innenraum kontrolliert Pyrotechnik abgebrannt - zehn Rauchtöpfe in den Vereinsfarben Blau, Weiß und Schwarz.

"Die bisherige Art und Weise, nämlich auf der einen Seite immer höher werdende Strafen und auf der anderen Seite dann wieder die Reaktion mit zusätzlicher Pyrotechnik, hat zu nichts geführt hat. Wir wollten diesen Prozess durchbrechen", hatte HSV-Clubchef Berd Hoffmann gesagt. Das Derby gegen St. Pauli im Volksparkstadion dürfte ein guter Gradmesser dafür sein, ob diese Aktion die eigenen Fans sensibilisiert hat. "Es wird sich zeigen, wie sich die Ultras verhalten. Wir haben eine gewisse Sympathie für den ersten Versuch des HSV und vielleicht ist das der Weg der Zukunft", so Zill.

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Pyro: Hohe DFB-Strafen für HSV und St. Pauli

Bei den beiden jüngsten Duellen im vergangenen September (2:0-Heimsieg des FC St. Pauli) und März (4:0-Erfolg des HSV am Millerntor) hatten die Fan-Aktionen während der Partien für Unmut und Geldstrafen gesorgt. Das Derby im März stand wegen massiven Abbrennens von Pyrotechnik kurz vor dem Abbruch und auch im vergangenen September wurde in beiden Fanlagern gezündelt.

Für die Vorkommnisse im Herbst 2019 wurden dem HSV 140.000 und dem FC St. Pauli 90.000 Euro an Geldstrafen auferlegt. Ursprünglich hatte das Strafmaß bei 200.000 beziehungsweise 120.000 Euro gelegen, doch das DFB-Sportgericht hatte die Beträge nach Einsprüchen der Clubs reduziert. Das rief wiederum den DFB-Kontrollausschuss auf den Plan, der Berufung gegen die Reduzierung einlegte. Eine abschließende Entscheidung steht noch aus.

Nach dem 4:0-Sieg des Hamburger SV bei St. Pauli im vergangenen März waren Geldbußen gegen den HSV in Höhe von 150.000 Euro und gegen St. Pauli von 100.000 Euro verhängt worden.

St.-Pauli-Fans ändern Anmarschroute zum Derby

Bei den beiden jüngsten Derbys war es rund um die Spiele weitgehend ruhig geblieben. Auch heute wird es für die Polizei vor allem darum gehen, die Situation rund um das Volksparkstadion unter Kontrolle zu halten. Die Fangruppierung "Ultrà Sankt Pauli" hatte auf ihrer Homepage mitgeteilt, dass der für heute angesetzte Fanmarsch im heimischen Millerntor-Stadion und nicht wie ursprünglich geplant am S-Bahnhof Eidelstedt startet. Dieses Thema sei "keine Eskalation" wert. Der Startpunkt Eidelstedt wäre brisant gewesen, da von dieser Station auch vele HSV-Fans in den Volkspark gehen. Prämisse sei, die Gefährdung Dritter auszuschließen, hieß es von Polizei-Seite.

Die St.-Pauli-Fans reisen nun vom Millerntor mit Sonder-S-Bahnen über Othmarschen an. Von dort aus soll der Fanmarsch fortgesetzt werden. Es stehen allerdings auch Shuttle-Busse bereit, um zum Stadion zu gelangen. Die HSV-Anhänger haben wiederum angekündigt einen Fanmarsch zu organisieren, der am Bahnhof Stellingen beginnen soll. "Damit haben wir keine Vermischung der Fanströme und das ist für uns das bestmögliche Konzept", sagte Zill.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 22.02.2020 | 13:00 Uhr

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