Stand: 12.12.2018 09:00 Uhr

Becker drückt beim HSV auf die Transferbremse

von Matthias Heidrich, NDR.de
HSV-Sportchef Ralf Becker will keine wilden Dinge mehr auf dem Transfermarkt machen.

Rafael van der Vaart 2012, Filip Kostic 2016 oder auch Walace 2017: Der Hamburger SV hat in den vergangenen Jahren so einige Spieler verpflichtet, für die der Club trotz finanzieller Schieflage zweistellige Millionen-Beträge locker machte. Damit ist es nun erstmal vorbei. "Wir werden keinen fertigen Fußballer holen, der zehn Millionen Euro und mehr kostet. Die Zeiten des großen Geldes beim HSV sind vorbei. Das muss man so ehrlich kommunizieren", sagte Sportchef Ralf Becker dem "Hamburger Abendblatt".

HSV wirtschaftlich vor großen Herausforderungen

Im Interview mit NDR 90,3 hatte der 48-Jährige jüngst bereits offen erklärt, dass der HSV vor wirtschaftlich großen Herausforderungen stehe. Kurz danach veröffentlichte der Zweitliga-Tabellenführer die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr und musste wie in den sieben Jahren zuvor ein Minus verkünden - dieses Mal in Höhe von 5,8 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten des Clubs belaufen sich auf 85,4 Millionen Euro.

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Becker setzt den Rotstift an

Dass der HSV in der jüngeren Vergangenheit auf (zu) großem Fuß gelebt hat, ist kein Geheimnis. Konsequenzen wurden in der Führungsetage aber keine gezogen. Im Zweifel wurde Milliardär und Investor Klaus-Michael Kühne ins Boot geholt und immer mehr Schulden angehäuft. Becker scheint nun der erste Sportchef nach langer Zeit zu sein, der den Rotstift tatsächlich ansetzt und nicht nur anspricht.

Gehaltsobergrenzen in Erster und Zweiter Liga

Der vor dieser Saison von Holstein Kiel geholte Manager hatte schon von geraumer Zeit Gehaltsobergrenzen von einer Million Euro pro Jahr in der Zweiten Liga beziehungsweise zwei Millionen in der Bundesliga ins Spiel gebracht. "Wir haben wirtschaftlich sehr harte Jahre vor uns", sagte Becker: "Da brauchen wir eine klare Linie - und manche Dinge gehen dann einfach nicht mehr."

Wie zum Beispiel Pierre-Michel Lasogga weiter über drei Millionen Euro im Jahr zu bezahlen, egal in welcher Liga. Der Vertrag des Torjägers läuft im kommenden Sommer aus. Ebenso wie beispielsweise der Kontrakt von Lewis Holtby oder die Leihverträge bei Orel Mangala und Hee-Chan Hwang. Eine Weiterverpflichtung dieser Stammspieler, wenn sie denn gewollt ist vom HSV, dürfte unter diesen Voraussetzungen nahezu unmöglich werden.

Becker: "Müssen auf dem Transfermarkt kreativ sein"

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Becker weiß das auch und will verstärkt auf Talente oder Leihgeschäfte setzen. "Da muss man auch mal kreativ sein auf dem Transfermarkt", sagte er NDR 90,3. Dass ausgeliehene Profis auch wieder gehen, was zum Beispiel im Fall des stark aufspielenden Mangala wahrscheinlich ist, nimmt Becker in Kauf: "Wenn Leihspieler gehen, werden wir uns wieder etwas einfallen lassen. Es geht immer darum, das Beste aus den Möglichkeiten zu machen."

Die sind beim HSV eigentlich schon lange begrenzt. Mit Becker ist nun aber ein Sportchef in der Verantwortung, der die Transferpolitik des Traditionsclubs offenbar auch danach ausrichtet.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 16.12.2018 | 22:50 Uhr