Stand: 20.05.2019 17:27 Uhr

HSV: Warum es richtig ist, dass Arp jetzt geht

von Matthias Heidrich, NDR.de

Als der Ball endlich drin war, wusste Fiete Arp nicht, wohin mit sich. Dem HSV-Sturmtalent schossen nach dem 3:0 gegen Duisburg die Tränen ins Gesicht. Er ging in Richtung Fankurve, klopfte mit der Hand auf die Raute auf seiner Brust und ließ letztlich seinen Kopf auf die Werbebande sinken. "Das war fast zu viel", gab der 19-Jährige hinterher zu. Ein Tor in seinem letzten Spiel für seinen Herzensverein, romantischer konnte es angesichts des verpassten Wiederaufstiegs der Hamburger nicht werden. Jetzt geht Arp zu den Bayern nach München, obwohl er noch hätte bleiben können. Und das ist auch gut so.

"Es tut mir leid, euch nicht mehr gegeben zu haben"

Denn mit Romantik kommt man im Profifußball nicht weiter. Das merkt der HSV seit Jahren, oder eben auch nicht. Arp weiß das ebenso. Auch wenn es dem Jungen aus Bad Segeberg, der als Zehnjähriger zum HSV kam, in der Seele wehtut. "Ich werde immer ein Teil von euch sein, wie ihr immer ein Teil von mir sein werdet. Es tut mir leid, euch nicht mehr gegeben zu haben", schrieb Arp bei Instagram in Richtung Fans am Abend nach seinem letzten Heimspiel im Volksparkstadion. "Ich hoffe, durch die enorme Liebe, die ihr mir gegeben habt, gestärkt zum FC Bayern München gehen zu können, um zu zeigen, dass Hamburger Jungs auch bei den Größten überzeugen und erfolgreich sein können."

Arp braucht den Tapetenwechsel

In die Trauer über den Abschied aus seiner Heimat mischte sich auch Vorfreude auf die große weite Fußballwelt in München. Ein Saisontor, zwei Assists, nur fünf Spiele von Anfang an - nicht nur wegen seiner schwachen Saisonbilanz wird sich der Hamburger Jung' dort aber ganz schön umgucken müssen. Doch Arp sagt selbst, dass er den Tapetenwechsel jetzt brauche: "In dem Alter und in den Umfeld hier, was in Hamburg nicht immer einfach ist, ist das irgendwann mal nötig."

Die Erwartungen an den U19-Nationalspieler würden in der Hansestadt nicht kleiner werden. Und zuletzt machte Arp nicht den Eindruck, sich davon frei machen und sein unbestritten großes Potenzial abrufen zu können. Aber sich bei den Bayern auf die Bank oder gar Tribüne setzen, wenn die offenbar sogar mit Namen wie Leroy Sané herumjonglieren? "Einfach wäre ja auch langweilig", so Arp.

Lieber von Lewandowski als Lasogga lernen

Weitere Informationen

Bayern-Wechsel: PR-Desaster - aber Chance für Arp

Der Wechsel von HSV-Talent Fiete Arp zu Bayern München sorgt bei den Fans für Diskussionen. Die Kommunikation des Transfers wirkt befremdlich, aber für den Youngster ist es eine große Chance. mehr

Sich im Training gegen einen Mats Hummels oder Niklas Süle anstatt Leo Lacroix durchsetzen zu müssen, macht einen großen Unterschied. Und gleichzeitig Robert Lewandowski anstatt Pierre-Michel Lasogga auf die Füße zu schauen, ist von der Unterschiedlichkeit her kaum zu beschreiben. Einsatzzeiten hin oder her. Selbst wenn für Arp der Weg zum Starensemble nach München noch den Umweg einer Ausleihe nehmen würde, es wird Zeit, das HSV-Nest zu verlassen. Bei seinem Verein steht zum x-ten Mal ein Neuanfang an. Bei den Bayern im Prinzip auch, aber an der Säbener Straße wird es ein sportlicher sein. "Da komme ich aus einer anderen Position, kann ganz in Ruhe neu anfangen und mich weiterentwickeln."

"Ganz in Ruhe" und der HSV, das schließt sich schon seit Jahren aus. Auch Arp kann ein Lied davon singen. Da fällt der Abschied von der großen Liebe vielleicht dann doch nicht ganz so schwer.

Holger Hieronymus im Sportclub

Hieronymus zum HSV und Arp: "Keine Strategie erkannt"

Sportclub -

Holger Hieronymus erlebte als Spieler die großen Zeiten des HSV. Der ehemalige DFL-Geschäftsführer über die Gründe für den verpassten Aufstieg und worauf es bei der künftigen Planung ankommt.

4,2 bei 41 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

31 Bilder

Achterbahnfahrt ohne Happy End - Die HSV-Saison in Bildern

Die erste Zweitliga-Saison der Clubgeschichte sollte für den HSV eine einmalige Sache sein. Doch in der Rückrunde legt der Traditionsclub einen sagenhaften Absturz hin. Die Saison in Bildern. Bildergalerie

Mehr Sport

02:02
Hamburg Journal
02:23
Hamburg Journal