Stand: 15.09.2020 21:51 Uhr

Aufbruch ade? Ein Alptraum-Abend für den HSV

Es war als Neustart gedacht und endete im Desaster. Mit dem neuen Trainer Daniel Thioune sollte vieles anders werden beim HSV. Doch die Pokalpleite in Dresden und der Eklat um Toni Leistner haben den Traditionsclub kurz vor dem Zweitliga-Saisonauftakt in den Krisen-Modus versetzt - wieder einmal. Aufbruchstimmung? Davon ist in Hamburg vor dem Heimspiel am Freitag (18.30 Uhr, im NDR Livecenter) gegen Fortuna Düsseldorf nicht mehr viel übrig.

HSV: Vorne harmlos, hinten unsicher

Sportlich gaben die Hanseaten in Dresden ein bedenkliches Bild ab. Die Hamburger, die den Bundesligaaufstieg in der Rückrunde der vergangenen Saison leichtfertig verspielt hatten, standen in der Defensive unsicher und vergaben vorne gute Möglichkeiten. Neben der allgemeinen Passivität vor allem bei den Gegentoren warf die Partie auch ein grelles Schlaglicht auf das Tempodefizit der Hamburger.

Ob Kapitän Aaron Hunt, Klaus Gjasula oder auch Leistner vor dem 0:1 - mit den Routiniers ist die HSV-Zentrale (zu) langsam. Auch Sturm-Oldie Simon Terodde kämpft mit seiner Fitness. Backup Lukas Hinterseer enttäuschte gegen Dresden. Auf der Torwartposition konnte Daniel Heuer Fernandes, der als Nummer eins nur auf Bewährung spielt, ebenfalls nicht vollends überzeugen. "Niemand hätte sich so einen Start gewünscht. Es ist ein Pokalspiel, 'do or die', und heute sind wir gestorben", sagte Thioune, der über einen Neuzugang zwischen den Pfosten sicher nicht unglücklich wäre.

Als sich dann noch Leistner zu einer körperlichen Attacke gegen einen Dynamo-Fan hinreißen ließ, der den HSV-Verteidiger massiv beleidigt haben soll, war der Alptraum-Abend für die Hamburger perfekt. Es drängt sich einmal mehr die Frage auf: Wie will der Traditionsclub von der Elbe in ruhigeres Fahrwasser kommen, wenn auf- und abseits des Rasens immer wieder Chaos herrscht? Die Pokalpleite und Leistners Ausraster passen jedenfalls in das Bild, das der HSV seit Jahren abgibt und landauf landab für Bestürzung, Belustigung oder Mitleid sorgt.

Thioune bereits als Krisenmanager gefragt

Thioune hat in der Hansestadt gefühlt noch gar nicht richtig angefangen und ist schon als Krisenmanager gefragt. "Ich werde die Mannschaft jetzt auf Düsseldorf vorbereiten, da müssen wir ein anderes Gesicht zeigen", sagte der Coach direkt nach dem 1:4 bei Dynamo. "Jetzt geht es darum, das Ding aus den Klamotten zu kriegen." Zu diesem Zeitpunkt wusste der 46-Jährige noch nichts von der Leistner-Aktion und somit auch nicht, dass er nicht nur sportliche Baustellen zu beackern hat.

Weitere Informationen
HSV-Profi Toni Leistner geht mit gesenktem Kopf vom Platz. © imago images/Jan Huebner

HSV-Profi Leistner telefoniert mit Fan: "Sache aus der Welt"

Der DFB hat ein Ermittlungsverfahren gegen Toni Leistner eingeleitet. Der HSV-Profi hat inzwischen mit dem Fan von Dynamo Dresden, den er attackiert hatte, ein Telefongespräch geführt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 15.09.2020 | 14:00 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/sport/fussball/Zweite-Bundesliga-Hamburg-HSV,hsv23932.html

Mehr Fußball-Meldungen

Werder Bremens Maximilian Eggestein bejubelt seinen Last-Minute-Treffer in Düsseldorf. © IMAGO / Revierfoto

Werder Bremen: "Das war ein Brustlöser"

Nach dem 3:2 in Düsseldorf, dem ersten Pflichtspielsieg seit fast vier Monaten, herrscht an der Weser kollektive Erleichterung. mehr

Fußball im Netz © Mikael Damkier

NDR Fußball-Tippspiel wird eingestellt

Das NDR Tippspiel wird nach der Saison 2020/2021 nicht fortgesetzt. Vielen Dank fürs Mittippen und die jahrelange Treue! mehr