Stand: 11.08.2019 19:28 Uhr

Elfmeterkrimi in Lübeck: St. Pauli bleibt cool

von Florian Neuhauss, NDR.de

Fußball-Zweitligist FC St. Pauli musste in die Verlängerung und ins Elfmeterschießen, hat aber die zweite Runde im DFB-Pokal erreicht. Die Hamburger setzten sich am Sonntag mit 7:6 (0:1, 2:2, 3:3) nach Elfmeterschießen beim zwei Klassen tiefer spielenden VfB Lübeck durch und verhinderten so vor 15.292 Zuschauern gerade noch den nächsten Rückschlag der noch jungen Saison. Die Erleichterung war den Spielern von Trainer Jos Luhukay, die bereits mit 0:2 zurückgelegen hatten, deutlich anzumerken. Torhüter Robin Himmelmann parierte den entscheidenden Elfmeter von Miguel Fernandes, der erst in diesem Sommer von der zweiten Mannschaft der Kiezkicker nach Lübeck gewechselt ist.

"Man ist eine Runde weiter, aber es hat unnötig unglaublich viel Energie gekostet. Lübeck hat uns einen toughen Kampf geliefert als Regionalligist und 120 Minuten gegen einen Zweitligisten durchgehalten. Respekt", sagte Luhukay, der erstmals eine Dreier- statt der bislang üblichen Viererkette in der Abwehr spielen ließ.

Deichmann und Thiel schocken Kiezkicker

Der Viertligist ging gegen die Gäste, die ohne zehn verletzte Profis nach Lübeck gereist waren, von Beginn an forsch zu Werke und belohnte sich früh selbst. Ahmet Arslan drang über links in den Strafraum ein und lief auf Himmelmann zu, seinen Querpass schob Yannick Deichmann (bis 2016 bei St. Pauli) zur Lübecker Führung ins leere Tor (9.).

1.Spieltag, 11.08.2019 15:30 Uhr

VfB Lübeck

6

FC St. Pauli

7

Tore:

  • 1:0 Y. Deichmann (9.)
  • 2:0 Thiel (55.)
  • 2:1 Sobota (63.)
  • 2:2 Diamantakos (66.)
  • 2:3 Knoll (94.)
  • 3:3 Arslan (115.)

VfB Lübeck: Raeder - Halke, Grupe, Weißmann - Riedel, Hoins (99. Schelle), Malone, Y. Deichmann (77. Fernandes), Thiel (83. Matovina) - Arslan, Hobsch (70. Mende)
FC St. Pauli: Himmelmann - Hornschuh (78. Bednarczyk), Knoll, Buballa - Miyaichi, Sobota, Möller Daehli (107. N. Hoffmann), Buchtmann, C. Conteh (67. C. Sahin) - Gyökeres (57. Lankford), Diamantakos
Zuschauer: 15292 (ausverkauft)

Weitere Daten zum Spiel

Von einem Klassenunterschied war nichts zu sehen, St. Pauli tat sich sehr schwer. Einen Fallrückzieher von Dimitrios Diamantakos (21.), der deutlich am Tor vorbeiging, und einen harmlosen direkten Freistoß von Mats Möller Daehli (27.) - mehr brachten die Kiezkicker nicht zustande. Allerdings wurde ihnen auch ein klarer Elfmeter vorenthalten, als Christian Conteh gefoult worden war (31.). Gefährlicher waren die Schleswig-Holsteiner. Deichmann verfehlte mit seinem Kopfball das Ziel um Zentimeter (23.). Bei einigen Konterchancen kam der letzte Pass nicht an.

Doch die Möglichkeiten der Lübecker wurden nach dem Wiederanpfiff seltener. Die Hamburger erhöhten den Druck - doch immer wieder brachte der VfB noch ein Abwehrbein dazwischen. Torhüter Lukas Raeder musste sich nicht auszeichnen. Ein haarsträubender Fehler des ohnehin indisponiert wirkenden St.-Pauli-Abwehrchefs Marvin Knoll führte dann aber zum 2:0. Der Regionalligist schaltete schnell, und Marvin Thiels Schuss wurde auch noch unhaltbar für Himmelmann abgefälscht (55.).

St. Pauli gleicht aus, muss aber nachsitzen

Die Blamage zeichnete sich ab, ein Sonntagsschuss von Waldemar Sobota brachte St. Pauli aber zurück ins Spiel. Ein Abpraller landete am Sechzehner beim Polen, der genauso ansatzlos wie platziert in den Winkel traf (63.). Und plötzlich stand es sogar 2:2. Beim nächsten Angriff segelte eine Flanke in den VfB-Strafraum, wo Diamantakos vollkommen frei aus fünf Metern einköpfte (66.). Ein Wirkungstreffer, von dem sich die Lübecker allerdings erholten. Kurz vor dem Ende forderten sie gleich zweimal mit Nachdruck Elfmeter - doch beide Male traf das Schiedsrichtergespann die engen Entscheidungen zugunsten des Zweitligisten.

In der Verlängerung ließ sich St. Pauli nicht mehr lange bitten. Eine Ecke von Cenk Sahin köpfte Knoll in der 94. Minute zur ersten Gäste-Führung an der Lohmühle ein. Doch St. Pauli machte nicht den Deckel drauf - Diamantakos scheiterte aus spitzem Winkel am Außenpfosten (114.). Und nur eine Minute später fiel tatsächlich der Ausgleich. Der Ex-HSVer Arslan tauchte frei vor Himmelmann auf und schoss überlegt ein. In den Schlusssekunden sah Diamantakos nach einem Tritt gegen Keeper Raeder Rot. Doch sein Fehlen zeigte keine Wirkung mehr. Einzig der junge Niklas Hoffmann verschoss seinen Elfmeter. Weil Lübeck gleich zwei vergab, lösten die Hamburger das Ticket für die zweite Pokalrunde.

Knoll: "Das Gefühl mitnehmen und weitermachen"

"Wir sind weiter. Das ist, was zählt. Wir haben lange nicht mehr gewonnen, wollten auf keinen Fall ausscheiden. Dieses Gefühl, dafür spielt man Fußball. Jetzt müssen wir das Gefühl einfach mal wieder mitnehmen und weitermachen", bilanzierte Knoll. VfB-Coach Rolf Martin Landerl, dessen Team vor heimischem Publikum seit März vergangenen Jahres ungeschlagen und seit 25 Spielen insgesamt ohne Niederlage war, war stolz, aber auch enttäuscht: "Das ist echt traurig für die Jungs nach so einem Fight. Das tut natürlich weh, aber Elfmeterschießen kann eine Lotterie sein. Kleiner Wermutstropfen war, dass wir das 2:0 in der zweiten Halbzeit so schnell hergeben. Hut ab, wie wir dann nochmals zurückkommen. Einen Vorwurf gibt es überhaupt nicht."

Weitere Informationen

Ergebnisse und Ansetzungen im DFB-Pokal

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 11.08.2019 | 19:30 Uhr

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