Stand: 30.07.2019 12:08 Uhr

St. Paulis Trainer-Tirade: Störfaktor oder Antrieb?

Trainer Jos Luhukay sorgt mit seiner Wutrede für Wirbel beim FC St. Pauli.

Nur einen Tag nach dem 1:1 in Bielefeld spielt beim Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli der passable Saisonstart nur noch eine untergeordnete Rolle. Vielmehr dreht sich alles um die Wutrede von Trainer Jos Luhukay, in der der Niederländer zuvor kaum ein gutes Haar am Verein gelassen hatte. Bei St. Pauli herrsche "zu viel Bequemlichkeit", es werde "zu viel in der Komfortzone gearbeitet" und es gehe zu viel darum, "miteinander befreundet zu sein", hatte Luhukay gesagt und polternd hinterhergeschoben: "Die Komfortzone und die Bequemlichkeit sollte man besser in die Mülltonne werfen."

Präsident Göttlich: "Ehrlichkeit ist wichtig"

Vereinspräsident Oke Göttlich zeigte Verständnis für den verbalen Rundumschlag und verteidigte den Trainer. "Diese Ehrlichkeit miteinander und vor unseren Fans ist wichtig, um Verbesserungen anzustoßen. Das geht nicht immer mit Nettigkeit, sondern dazu gehören auch klare Ansagen und offene Worte", sagte Göttlich am Dienstag. Auch Geschäftsführer Andreas Bornemann spielte die Situation herunter: "Inhaltlich war das nichts, was mich überrascht hätte. Zu sensibilisieren und wachzurütteln, ist vollkommen okay."

Knoll teilt Luhukays Meinung nicht

Die Mannschaft, der Luhukay mehr oder weniger die Zweitliga-Tauglichkeit abgesprochen hatte ("70 Prozent der Spieler sind nicht in der Lage, mehr als 15 Spiele in einer Saison zu machen"), reagierte zurückhaltender.

"Klar, dass sowas nicht spurlos an einem vorbeigeht. Das ist normal, wenn man so etwas liest und hört. Wir sind nur Menschen und keine Maschinen", sagte Marvin Knoll. Luhukays Einschätzung, der Kader sei zu schwach, teilt der Defensivmann nicht. "Das ist die Trainer-Meinung - nicht meine Meinung. Man muss respektieren, dass er so ehrlich ist. Man hat aber heute gesehen, dass das ein gutes Team ist."

Daniel Buballa reagierte ähnlich: "Natürlich freut man sich nicht, wenn so etwas über einen Verein gesagt wird." Der Außenverteidiger zeigte aber auch Verständnis: "Er ist ein Perfektionist. Er will uns nur helfen." So sieht das auch Kapitän Christopher Avevor: "Der Trainer hat von Anfang an gesagt, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Das ist einfacher, als wenn einer hintenrum erzählt."

Luhukay: Kein Gedanke an Rücktritt

2016 hatte Luhukay beim VfB Stuttgart ebenfalls die Transferpolitik heftig kritisiert und am vierten Saisonspieltag die Brocken hingeworfen. An Rücktritt denke er jetzt allerdings "keine Sekunde", sagte er dem TV-Sender "Sky". Er wolle "erfolgreich sein - mit St. Pauli." Der Kiezclub sei "nach wie vor ein fantastischer Verein. Mein Interesse ist es, die Leistungsfähigkeit und Professionalität zu steigern." Offenbar auch mit ungewöhnlichen Mitteln. Nach dem Punktgewinn in Bielefeld gab sich der 56-Jährige aber immerhin versöhnlich: "Am Ende bin ich nicht unzufrieden. Im Gegenteil: Ich glaube, dass das erste Spiel eine Bestätigung dafür ist, wie wir die letzten fünf Wochen gearbeitet haben."

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 30.07.2019 | 19:30 Uhr