Echte und unechte Fans des THW Kiel © imago images/Holsteinoffice

Zuschauer bleiben weg - die Corona-Angst und ihre Folgen

Stand: 20.10.2020 12:26 Uhr

Ob beim Fußball oder Handball - vielerorts werden die ohnehin knappen Kartenkontingente nicht ausgeschöpft. Das hat viele Gründe und birgt Gefahren.

Die Arena des THW Kiel war seit vielen Jahren praktisch immer ausverkauft. Wegen der Corona-Pandemie dürfen aktuell nur rund 2.400 Zuschauer in die über 10.000 Fans fassende Halle. Doch sowohl gegen Hannover-Burgdorf als auch gegen Erlangen kamen in der Handball-Bundesliga deutlich unter 2.000. Ein ähnliches Bild gab es in der Fußball-Bundesliga beim Spiel des VfL Wolfsburg gegen den FC Augsburg, bei dem knapp 1.400 der erlaubten 6.000 Tickets liegen blieben. Beim Niedersachsenderby Hannover 96 - Eintacht Braunschweig, sonst ein richtiger Kassenschlager, waren zwar 7.300 Zuschauer im Stadion, 9.800 hätten es aber sein dürfen. Warum bleiben so viele Fans zu Hause?

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Würden Sie derzeit zu Sport-Großveranstaltungen gehen?

"Wir wissen aus der bisherigen Forschung, dass die Zuschauer Nutzen ziehen dadurch, dass sie gemeinsam mit anderen jubeln, sich gemeinsam aufregen können", sagte Sportökonom Christoph Breuer dem NDR. Karten im Losverfahren, jubeln auf Abstand und teilweise selbst im Stadion mit Maske - das hat für viele nichts mit dem normalen Stadionerlebnis zu tun.

Auch wenn der Professor der Deutschen Sporthochschule in Köln die Hygienekonzepte der Sportvereine lobte, berichtete er auch von den subjektiven Gefühlen der Menschen, sich bei großen Sportereignissen mit dem Coronavirus anstecken zu können. Oder um es mit den Worten von Manager Peter Prior von den Buxtehuder Bundesliga-Handballerinnen zu sagen: "Die Menschen haben Angst."

Hess-Grunewald: "Das Ohr bei den Fans haben"

Weniger Zuschauer in den Stadien sind für die Clubs nicht nur ein finanzielles Problem. Die fehlende Stimmung trifft die Sportler auf dem Platz - und sogar die Zuschauenden zu Hause vor den Bildschirmen. Daran kann die von einigen Anbietern eingespielte "Stadionatmosphäre" kaum etwas ändern. Die Entfremdung der Fans von ihrem Sport - gerade beim Fußball - wird dadurch noch mal verstärkt.

Die Verantwortlichen von Werder Bremen haben die Zeichen der Zeit erkannt. In dem Videogesprächs-Format "Auf einen Schnack mit dem Präsidenten" nimmt sich Hubertus Hess-Grundewald der Sache höchstselbst an. "Um einfach dran zu sein, die Sorgen aufzunehmen", erklärte der 60-Jährige im NDR. "Wir müssen noch mehr das Ohr bei den Fans haben, noch mehr hören, wie geht es denen eigentlich und was sind ihre Erwartungen. Und damit müssen wir wirklich sehr ernsthaft umgehen."

Der Sport steckt in einem echten Dilemma

Dazu gehören auch finanzielle Aspekte auf Seiten der Fans. Dass viele Menschen in der Pandemie-Lage vermehrt sparen müssen, könnte zumindest künftig eine Rolle spielen, glaubt Professor Breuer. Und der Sportökonom warnte vor den Langzeitfolgen der Pandemie und fehlenden Zuschauern: "Über einen längeren Zeitraum kann das durchaus dazu führen, dass bei einigen Fans das Interesse an den entsprechenden Sportveranstaltungen und Sportarten nachgelassen hat."

Um der Entwöhnung entgegenzuwirken, bräuchte es eigentlich mehr Stimmung und Fans in den Stadien. Doch aktuell sieht es eher nach neuen Geisterspielen aus. Der Sport steckt in einem echten Dilemma.

VIDEO: Fußball macht keinen Spaß: Werder-Fans in Corona-Zeiten (2 Min)

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Dieses Thema im Programm:

Sportplatz | 19.10.2020 | 20:00 Uhr

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