Würdiger Abschied für Claudio Pizarro - Hommage an eine Legende

Stand: 25.09.2022 18:25 Uhr

Gut zwei Jahre nach seinem Karriereende hat Claudio Pizarro sein Abschiedsspiel im Bremer Weserstadion bekommen. Ein würdiges "tschüs" für den Ausnahmestürmer, von dem die Fußballfans weit über die Hansestadt hinaus auch in Jahrzehnten noch mit Hochachtung sprechen werden. Zu Recht.

von Matthias Heidrich

Mit vier Toren, zahlreichen prominenten Mitspielern und vor 40.500 Zuschauern hat Claudio Pizarro bei "Claudios Fiesta" im ausverkauften Bremer Weserstadion Abschied von seiner Profikarriere genommen. Der fast 44 Jahre alte Peruaner kam dabei sowohl für das Team Werder Bremen, das Team FC Bayern Legends und das Team Claudios Amigos zu Kurzeinsätzen.

"Danke, Fußball!"

Schon nach 98 Sekunden eröffnete der einstige Topstürmer mit einem Kopfball den Torreigen, bis zur allerletzten Auswechslung seiner Laufbahn kamen drei weitere Treffer hinzu. Kurz zuvor "hielt" Keeper "Piza" sogar einen von Fin Bartels betont lasch geschossenen Strafstoß. "Das war das beste Ende meiner Karriere. Danke, Fußball", sagte Pizarro anschließend sichtlich bewegt.

Der Fußball hat zu danken. Dafür, dass Claudio Miguel Pizarro Bozzio ihn gespielt hat. Im Werder- und lange Jahre auch im Bayern-Trikot avancierte der peruanische Vollblutstürmer zum Rekordmann, brachte es bis 2020 auf 490 Bundesligaspiele - kein anderer ausländischer Spieler hat mehr - und ist mit 40 Jahren und 227 Tagen der älteste Torschütze der Bundesliga-Historie.

Pizarros zeitlose Geistesblitze

Mit stolzen 40 Jahren hat Pizarro noch Fußballspiele in der Bundesliga mit Geistesblitzen wie flach statt hoch getretenen Freistößen entschieden. Andere Kicker-Größen saßen da schon längst auf Experten-Stühlen und scheiterten daran, ein Spiel zu erklären, das viel schneller und komplexer ist als zu ihren besten Zeiten.

Schlitzohrig oder unnachahmlich-magisch

Schlitzohrig oder unnachahmlich-magisch, Pizarro traf auf alle möglichen Arten - und zuverlässig. Er war nicht von ungefähr lange Zeit der Ausländer mit den meisten Bundesligatoren (197 Treffer), ehe Robert Lewandowski vorbeizog und mit 312 Toren wohl eine Bestmarke für die Ewigkeit gesetzt hat. Trotzdem wird "Lewa", unzweifelhaft ein Ausnahmekönner seines Fachs, im Rückblick nicht auf einer Stufe mit dem Gesamtkunstwerk "Piza" stehen.

Die Liebe zum Spiel ist das Besondere

Legenden wie Pizarro zeichnet aus, dass sie mehr sind als das Spiel, das sie perfekt beherrscht haben. Die herausragende Technik, der Zug zum Tor, der in allen Lagen perfekte Torabschluss und die Einstellung, auch für das Team mitzuarbeiten, sind letztlich nur das notwendige Handwerkzeug für einen Weltklasse-Stürmer. Was den Peruaner zu einer Ausnahmeerscheinung gemacht hat, von der auch in Jahrzehnten die Fußballfans nicht nur in Bremen mit Hochachtung sprechen werden, ist seine Liebe zum Spiel.

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Claudio Pizarro freut sich über seinen zweiten Treffer im DFB-Pokalspiel gegen Atlas Delmenhorst. © picture alliance / dpa Foto: Carmen Jespersen

Claudio Pizarro: Eine Ausnahme-Karriere in Bildern

Claudio Pizarro gewann unzählige Titel, hat nach Robert Lewandowski die meisten Bundesliga-Tore als ausländischer Profi erzielt und ist der älteste Torschütze der Ligageschichte. Bildergalerie

Geben ist seliger denn nehmen

Im Milliarden-Geschäft Profifußball, in dem nicht wenige Millionen auf Pizarros Konto gelandet sind, klingt das klischeehaft romantisch. Doch wer den Südamerikaner in den 20 Jahren, die er die Bundesliga unsicher gemacht hat, beobachtet hat, dem ist eines immer sofort ins Auge gesprungen: der Spaß, mit dem der Peruaner seinem Beruf nachgeht.

Nur, er selbst hätte es nie als Beruf bezeichnet. Ein Ball, ein Team, einen Gegner und zwei Tore: Mehr brauchte "Piza" nicht, um glücklich zu sein. Ob Champions-League-Finale oder bedeutungsloses Trainingsmatch: Der sechsmalige deutsche Meister und Pokalsieger wollte einfach nur spielen. Pizarro hat sich nie wichtiger als das Spiel genommen, obwohl er es dank seines Talents vielleicht gedurft hätte. Er hat zurückgegeben, statt nur zu nehmen - auf und außerhalb des Platzes.

Mehmet Scholl hätte viele Namen nennen können

"Claudio braucht ungefähr drei Minuten, dann gehört er zu jeder Mannschaft", hat Werder Bremens Europameister Marco Bode einmal der "Süddeutschen Zeitung" über seinen ehemaligen Teamkollegen erklärt. Mehmet Scholl wiederum wurde einmal gefragt, wer der beste Fußballer gewesen sei, mit dem er zusammengespielt habe. Scholl, 16 Jahre Profi beim FC Bayern München und ebenfalls Europameister von 1996, hätte viele Namen nennen können. Er sagte: Claudio Pizarro.

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Sportclub | 25.09.2022 | 22:30 Uhr

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