Trainer Mark van Bommel (VfL Wolfsburg), re., mit Admir Mehmedi © IMAGO / Team 2

Wolfsburgs Wechselfehler: Münster legt Protest ein

Stand: 12.08.2021 16:12 Uhr

Preußen Münster hat offiziell Protest gegen die Wertung des DFB-Pokalspiels gegen den VfL Wolfsburg eingelegt. Neu-Coach Mark van Bommel hatte in der Verlängerung einen sechsten Wechsel vorgenommen.

"Mit dem unzulässigen Wechsel hat unser Gast das Spiel zu unseren Ungunsten entscheidend beeinflusst. Nun stehen wir in der Verantwortung denen gegenüber, die diesen Club, der wie viele andere auch vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen steht, unterstützen und ihm die Treue halten", erklärte Münsters Sportdirektor Peter Niemeyer den fristgerechten Einspruch in einer Mitteilung der Westfalen. Möglicherweise wird der Regionalligist vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), das am kommenden Montag den Einspruch mündlich verhandelt, zum Sieger des Erstrundenvergleichs erklärt und anstelle des VfL Wolfsburg in die zweite Runde einziehen.

Van Bommel war von sechs Wechseln ausgegangen

Mark van Bommel, der neue Coach der "Wölfe", und die anderen Club-Verantwortlichen auf der Bank waren beim 3:1-Erfolg über Preußen Münster davon ausgegangen, in der Verlängerung einen sechsten Wechsel vornehmen zu können. So schickte der niederländische Trainer in der 103. Minute Admir Mehmedi für Maximilian Philipp auf den Platz - ein offenbar folgenschwerer Fehler.

Denn im Pokal sind laut DFB-Statuten wie in der Vorsaison nur fünf Wechsel erlaubt. Der VfL berief sich darauf, sich mehrfach beim vierten Offiziellen Tobias Fritsch erkundigt zu haben, ob ein sechster Tausch möglich sei. Vor der Partie hat sich offenbar niemand in Wolfsburg mit diesem Thema auseinandergesetzt. Schiedsrichter Christian Dingert nahm den Wechsel zur Kenntnis, vermerkte aber den Fehler in seinem Spielberichtsbogen.

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Im EM-Spiel Spanien - Kroatien gab es zwölf Einwechslungen

In internationalen Wettbewerben ist die Situation eine andere, wie jüngst bei der Fußball-Europameisterschaft zu erleben war. Im packenden Achtelfinale Spanien gegen Kroatien (5:3 n.V.) wechselten erstmals in einer Partie beide Trainer jeweils sechs neue Spieler ein, weil sie in der Verlängerung einen zusätzlichen Tausch vornehmen durften. Damit standen bei Abpfiff mehr eingewechselte Spieler auf dem Feld, nämlich zwölf, als Akteure, die beim Anpfiff dabei waren (zehn). Vielleicht mag van Bommel daran gedacht haben, als er seinen sechsten Akteur aufs Feld schickte.

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Mark van Bommel, Trainer des VfL Wolfsburg © picture alliance/dpa Foto: Guido Kirchner

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Neuer Eintrag in die Historie der "Wechseldeppen"

Preußen Münster hatte eine durchaus schwierige Entscheidung zu treffen, denn die gesicherten Pokaleinnahmen von mindestens 257.514 Euro in der zweiten Runde kann ein Viertligist nur allzu gut gebrauchen. Andererseits muss der Club damit rechnen, als schlechter Verlierer angesehen zu werden.

Und Mark van Bommel? Sollte den Amateuren der Sieg zugesprochen werden, würde er sich in die prominente Reihe der "Wechseldeppen" einreihen. Unter den Vorgängern in der deutschen Fußball-Historie befinden sich Namen wie Christoph Daum, Giovanni Trapattoni oder Otto Rehhagel. Sie alle verzählten sich oder kannten die aktuellen Bestimmungen bei Auswechslungen nicht. Allerdings unterlief den genannten Trainern ein solcher Fehler nicht in einem ersten Pflichtspiel wie van Bommel.

Schmadtke: "Keine personellen Konsequenzen"

VfL-Geschäftsführer Jörg Schmadtke räumte den Wechselfehler ein: "Dies ist ausgesprochen ärgerlich, aber leider nicht mehr rückgängig zu machen." Das Thema werde intern analysiert. Der Sportchef schloss auch aus, dass dieser Fehler van Bommel oder einem anderen Mitglied seines Stabes den Job kosten werde. "Wir alle sind natürlich enttäuscht, aber dennoch überzeugt, unsere sportliche Entwicklung weiter voranzutreiben, ohne personelle Konsequenzen aus dieser ärgerlichen Situation zu ziehen", sagte Schmadtke. Bei allem Ärger und Frust solle man aber auch dabei den Ball etwas flacher halten, meinte er. "Auch wenn wir kurzzeitig darüber nachgedacht hatten, alle Beteiligten zu einem Volkshochschul-Grundkurs 'Richtig lesen' anzumelden, nach reiflicher Überlegung davon aber abgesehen haben", ergänzte der 57-Jährige mit einer Spur Humor.

Schon 2004 gab es bei Wolfsburg einen Wechselfehler

Für den VfL Wolfsburg ist eine solche Situation tatsächlich nicht neu, vor 17 Jahren gab es dort bereits einen zumindest ähnlichen Fall. Der damalige Trainer Eric Gerets stellte den vom 1. FC Kaiserslautern verpflichteten Marian Hristov beim Pokalauftakt in die Startformation. Der Bulgare war aber aufgrund einer Roten Karte im Trikot der Pfälzer nicht spielberechtigt, der 3:0-Erfolg bei den Amateuren des 1. FC Köln war für die "Wölfe" wertlos. Die Konsequenzen trug seinerzeit Wolfsburgs Geschäftsführer Peter Pander, der seinen Job verlor.

Auch wenn van Bommel offenbar kein ähnliches Schicksal droht, ist die Situation für den 44-Jährigen nach fünf Testspielniederlagen in Serie nicht besser geworden. Den Bundesliga-Start am Sonnabend (15.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) gegen Aufsteiger VfL Bochum sollte er besser nicht verpatzen. Nach nur 40 Tagen im Amt ist bereits jetzt ein Imageschaden entstanden.

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Trainer Mark van Bommel (Wolfsburg) © Imago Foto: Ulrich Hufnagel

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