Wolfsburgs Admir Mehmedi: Fußball, Familie, Freundschaft

Stand: 26.10.2020 11:48 Uhr

Die Lebensgeschichte von Admir Mehmedi gleicht einem Fußball-Märchen. Und auch wenn der Offensivmann vom VfL Wolfsburg längst Millionär ist, hat der 29-Jährige seine Wurzeln nicht vergessen.

von Florian Neuhauss

Am Anfang steht eine gefälschte Unterschrift. Admir Mehmedis Bruder Arsim unterzeichnete einst im Namen des Vaters den Aufnahmeantrag, damit der kleine Bruder fortan bei AC Bellinzona kicken konnte. Die Familie Mehmedi, die 1993 aus dem damaligen Mazedonien in die Schweiz ausgewandert war, wohnte gegenüber des Vereinsgeländes. "Und bei einem Probetraining haben sie das Talent in ihm gesehen", sagt Arsim Mehmedi dem NDR. Das Problem: Das Geld, das der Vater als Pizzabäcker im Tessin verdiente, reichte kaum, um die Familie zu ernähren. "Ich bin in armen Verhältnissen aufgewachsen. Das prägt mich noch bis heute", unterstreicht Admir Mehmedi.

"Aber mein Bruder musste doch irgendwie Fußball spielen", erklärt Arsim Mehmedi mit einem Lachen und fügt hinzu: "Ich musste jedes Jahr in den Ferien arbeiten, um den Jahresbeitrag zu bezahlen."

Karrieretief in Kiew - Freiburg wird zur Rettung

Von Bellinzona ging es über Winterthur zum FC Zürich, bei dem Admir Mehmedi schon als Teenager der Durchbruch gelang. Mit seinem Wechsel zu Dynamo Kiew stieg der Stürmer 2012 zum Großverdiener auf. "Als junger Mann mit 20, denkt man schon, man hätte jetzt die Welt erobert", erinnert er sich. Von seinem Gehalt kaufte er sich einen Porsche, verkaufte ihn aber schon nach vier Monaten wieder. "Ich musste mir von meinem sehr sparsamen Papa einiges anhören, als ich das Auto gekauft hatte."

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Die Porsche-Episode ging gut aus ("Ich habe das Auto sogar mit Gewinn verkauft!"), die eineinhalb Jahre in Kiew aber wurden zu einer harten Prüfung. "Da ging es mir wirklich nicht gut", berichtet Mehmedi. Der Himmelsstürmer kam nur selten zum Einsatz und hatte die Freude am Spiel verloren. Doch ein Anruf aus Freiburg wurde zum Licht am Ende Tunnels.

Mehmedis Liebeserklärung an Christian Streich

Beim SCF startete Mehmedi wieder durch - und sein neuer Trainer wurde zu einer ganz besonderen Person in seinem Leben: "Freiburg war die perfekte Station für mich. Und Christian Streich bin ich sehr, sehr dankbar für das, was er für mich gemacht hat, wie er mich genommen und wie viel Zeit er für mich investiert hat." Er habe viele neue Facetten am Fußball-Spiel kennen gelernt, sei aber auch menschlich gewachsen. "Ich bin ein Spieler, der sich auch außerhalb des Platzes wohlfühlen muss. Ich muss die Nähe zu den Leuten spüren. Und bei ihm spürt man das. Das ist mehr als nur eine fußballerische Beziehung."

"Mit Wolfsburg den nächsten Schritt gehen"

Admir Mehmedi (r.) und Daniel Ginczek vom VfL Wolfsburg © imago images/Christian Schroedter
Verstehen sich auch abseits des Rasens: Admir Mehmedi (r.) und Daniel Ginczek.

Trotzdem verließ Mehmedi Freiburg nach dem Abstieg 2015. Mit dem Wechsel nach Leverkusen ging es zwar die Karriereleiter noch eine Sprosse nach oben, so erfolgreich wie zuvor war der 1,83-Meter-Mann aber nicht. Auch weil ihm immer wieder kleinere Verletzungen zu schaffen machten. In Wolfsburg, wo Mehmedi seit Anfang 2018 spielt und noch zwei Jahre unter Vertrag steht, hat er wieder ein Zuhause gefunden. Mit seiner Familie, aber auch im Team. Den Sommerurlaub auf Ibiza verbrachte Mehmedi zusammen mit Offensivkollege Daniel Ginczek und den Familien. Nach Rang sechs und sieben in den vergangenen Jahren "wollen wir jetzt den nächsten Schritt gehen".

In den Alten Herren wieder mit Trainer Streich?

Doch seine Wurzeln vergisst Mehmedi nicht. Fußballerisch: "Er hat mich gefragt, ob ich noch lang Trainer sein werde", erzählt Christian Streich. "Admir sagte, er würde wirklich gern noch mal bei mir kicken. Das hat mich natürlich gefreut. Wenn es nicht mehr reicht im Profibereich, dann kicken wir vielleicht mal in der Alten Herren - und dann trainiere ich seine Mannschaft."

Und privat: Von seinem Geld gibt er gern etwas ab, und das nicht nur an die eigene Familie. Im heutigen Nordmazedonien baute er vor ein paar Jahren einer alten Nachbarin ein Haus. Er hatte ihr ("als ich neun oder zehn Jahre alt war") versprochen zu helfen, wenn er einmal seinen Traum vom Profi-Fußball verwirklicht haben würde. Admir Mehmedi weiß: "Ich habe sehr, sehr viel Unterstützung bekommen. Ohne meine Familie wäre ich nicht, wo ich heute bin und hätte nicht so eine tolle Karriere machen können."

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Sportclub | 25.10.2020 | 22:45 Uhr

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