Wolfsburg und Corona: Atemprobleme bei Pongracic

Stand: 10.01.2021 14:10 Uhr

Neun Corona-Fälle unter den Profis verzeichnet der VfL Wolfsburg bereits in dieser Saison. Einer davon: Marin Pongracic. In Berlin wechselte Trainer Oliver Glasner den Abwehrspieler bereits zur Halbzeit aus.

"Marin hatte große Probleme mit der Luft", begründete der Chefcoach die Maßnahme. "Er hatte schon während der ersten Halbzeit hin und wieder beide Arme auf den Knien, wie man es normalerweise am Ende einer Verlängerung kennt. Bei ihm war es schon nach 15 Minuten zum ersten Mal." Obendrein fabrizierte er im Stadion An der Alten Försterei einen kapitalen Fehlpass vor dem zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich der Hauptstädter. Am Ende trennten sich beide Teams 2:2.

Normalerweise wirft ein solcher Fehler sportliche Fragen auf. Doch die entscheidende Frage, die medizinisch noch nicht abschließend geklärt ist, lautet vielmehr: Welche längerfristigen Folgen kann eine Corona-Infektion für einen Leistungssportler haben?

Pongracic litt an Pfeifferschen Drüsenfieber

Die Wolfsburger beschäftigt diese Frage spätestens seit dem Spiel am Sonnabend besonders. Vergleichsweise häufig ist der VfL von positiven Corona-Fällen in dieser Saison gebeutelt. Neun Profis wurden bereits positiv auf das Coronavirus getestet, allein fünf von ihnen kurz vor und kurz nach Weihnachten. Zwar stehen mittlerweile alle wieder auf dem Trainingsplatz. So fit wie vor der Infektion sind einige von ihnen deshalb aber noch lange nicht.

Der kroatische Nationalspieler Pongracic hatte in den vergangenen Monaten besonders große gesundheitliche Probleme. Gleich zu Beginn der Saison erkrankte er am Pfeifferschen Drüsenfieber. Im November reiste der dann zur kroatischen Nationalmannschaft und wurde dort positiv auf das Coronavirus getestet.

Beim VfL wurde der 23 Jahre alte Verteidiger trotzdem schon ab dem Bayern-Spiel am 16. Dezember wieder regelmäßig gebraucht, weil bei den Niedersachsen nacheinander die Abwehrkollegen John Anthony Brooks (Prellung), Maxence Lacroix (Covid-19) und Tim Siersleben (Quarantäne) ausfielen.

Lacroix und Roussillon fehlten in Berlin

"Wir hatten Not am Mann", sagte Glasner und betonte gleichzeitig: Pongracic sei "nicht in einem 100-prozentig fitten Zustand. Keiner von uns weiß, wie sich die Infektion über Monate hinweg auswirkt." Genau dieses Dilemma beschrieb der österreichische Trainer bereits zwei Tage vor dem Union-Spiel. Da gab er bei seiner obligatorischen Pressekonferenz bekannt, dass die gerade von einer Corona-Infektion genesenen Spieler Lacroix und Jérôme Roussillon auf einen ärztlichen Rat hin im Training erst einmal kürzertreten müssten. Beide Franzosen fielen für einen Einsatz in Berlin aus.

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Glasner: "Wir checken alle Spieler sehr genau"

"Es ist ein schwieriges Thema, weil es noch keine Erfahrungswerte gibt", sagte Glasner. Für alle Profis, die nach einer Corona-Infektion wieder in den Trainings- und Spielbetrieb zurückkehren, gelte in Wolfsburg aber: "Wir checken alle Spieler sehr genau. Wir machen kardiologische und internistische Untersuchungen mit ihnen, die Blutwerte werden weiterverfolgt. Wir machen alles, um die größtmögliche Sicherheit für unsere Spieler zu gewährleisten." Angesichts der Vielzahl von Coronafällen wird dieses Thema den Verein noch länger beschäftigen.

Corona ein Dauerthema in Wolfsburg

Ob Stürmer Wout Weghorst auch dieses Thema meinte, als er nach dem Spiel anmahnte, dass die Mannschaft in Berlin trotz guten Starts in die Partie in den ersten 45 Minuten "zu viel" mit Dingen beschäftigt gewesen sei, die sonst keine Rolle spielten, ist nicht überliefert. Ohne Auswirkungen dürften sämtliche Fragen, die sich um das Coronavirus und seine Folgeerscheinungen drehen, indes nicht sein. Zumal es bereits vor dem Gastspiel in der Vorwoche bei Borussia Dortmund (0:2) reichlich Diskussionsstoff gegeben hatte. Ein Bericht über mutmaßliche Corona-Verstöße einiger Spieler hatte für Wirbel bei den "Wölfen" gesorgt.

Für die Wolfsburger spricht, dass sie mit Rückschlägen in dieser Saison bislang immer gut klargekommen sind. Auch in Berlin holten sie nach der Roten Karte für Maximilian Arnold (50.) und einem 1:2-Rückstand noch einen Punkt. "Dass wir zurückgekommen sind, zeigt einfach, dass wir gefestigt sind und einen sehr guten Spirit in der Mannschaft haben", so Glasner.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 10.01.2021 | 22:50 Uhr

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