Stand: 25.01.2019 08:51 Uhr

Wird Holstein Kiel erneut zum Überraschungsteam?

von Christian Görtzen, NDR.de
Für die Spieler von Holstein Kiel gab es bislang einige Anlässe zum Feiern.

Mit Platz 15 zur Winterpause wären sie beim Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel im vergangenen Sommer vermutlich auch schon zufrieden gewesen. Viele wichtige Kräfte hatten ja den Verein verlassen. Doch die Schleswig-Holsteiner, die in der Vorsaison als Aufsteiger in den Relegationsspielen zur Bundesliga am VfL Wolfsburg scheiterten, sind weit von einem nervenaufreibenden Kampf um den Klassenerhalt entfernt. Die KSV Holstein steht nach 18 Spieltagen auf dem fünften Platz. Vier Punkte beträgt der Rückstand auf den Tabellendritten FC St. Pauli. Bleibt nur die Frage, ob das Erreichen der Relegation (oder gar mehr) nach der schweren Verletzung von Kapitän David Kinsombi (Schienbeinbruch) noch möglich ist.

So lief die Hinrunde

Leicht war die Ausgangslage für die "Störche" keinesfalls. Trainer Markus Anfang sowie die Leistungsträger Rafael Czichos und Dominick Drexler (über den "Umweg" Midtjylland) hatten den Verein Richtung 1. FC Köln verlassen, Top-Angreifer Marvin Ducksch zog es zum Bundesliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf. Umso beeindruckender war dann, was dem neuformierten Team unter Anfang-Nachfolger Tim Walter (kam von Bayern München II) zum Auftakt gelang. Beim Hamburger SV gelang ein furioses 3:0. Die erste Niederlage, ein 1:4 bei Greuther Fürth, folgte erst am fünften Spieltag.

Nach einer geringeren Punkteausbeute und dem Abrutschen ins Mittelmaß folgte Ende November die Rückkehr in die erweiterte Spitze: Siege gegen Sandhausen (2:1) sowie in Duisburg (4:0) und Dresden (2:0) bescherten Rang fünf. Dieser wurde durch ein 3:1 gegen den HSV untermauert. "Wir wissen, dass wir jede Mannschaft schlagen können, wenn wir alles investieren", sagte Walter im NDR Interview: "Wir sind auf dem richtigen Weg, in der Rückrunde geht es weiter."

Wer kommt, wer geht

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Holstein in Spanien: Teamgeist und Tennis

Täglich haben Tim Walter und sein Team im spanischen Trainingslager am Spielsystem von Holstein Kiel gefeilt. Nach dem Training wurde auch mal Tennis gespielt. Die Spieler lobten den guten Teamgeist. mehr

Angesichts der guten Hinrunde war Holstein nicht gefordert, auf dem Transfermarkt nach Spielern zu suchen, die für das Team sofort eine Verstärkung darstellen können. Und so finden sich unter der Rubrik "Zugänge" nur die Namen zweier 18-Jähriger - Abwehrspieler Yann Aurel Bisseck (ausgeliehen vom 1. FC Köln) und Angreifer Franck Evina (ausgeliehen von Bayern II). Dagegen verließen drei arrivierte Spieler den Verein, die aber in dieser Saison bestenfalls Ergänzungen waren: Steven Lewerenz (1. FC Magdeburg), Benjamin Girth (an VfL Osnabrück verliehen) und der sogar gänzlich ohne Einsatz gebliebene Dominic Peitz (1. FSV Mainz 05 II). Schwerwiegender ist da ein Wechsel zum kommenden Sommer: Kingsley Schindler (fünf Tore, sechs Vorlagen) schließt sich ebenfalls dem 1. FC Köln an. In Kiel hoffen sie, dass Schindler seine starken Leistungen aus der Hinrunde bestätigen kann.

Der Trainer: Walter mit hohen Zielen

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Holstein-Trainer Tim Walter treibt sein Team an.

An Selbstbewusstsein mangelt es Walter nicht. Das stellte sich schon in seiner Anfangszeit als Holstein-Trainer heraus. Dementsprechend ist dem 43-Jährigen, der nach Niederlagen kein einfacher Gesprächspartner sein kann, vor großen Zielen nicht bange. "Wir wollen noch mehr", sagte Walter nach dem 4:0 in Duisburg und dem zwischenzeitlichen Sprung auf Rang sechs. Nachlassen ist ihm zuwider. "Ich bin sehr hartnäckig in Dingen, die ich einfordere. Ich weiß, dass das einige manchmal nervt. Aber es kommt ihnen am Ende zugute", sagte Walter dem NDR.

Im Rahmen des zehntägigen Trainingslagers im spanischen Oliva hat Holstein zwei Testspiele gegen belgische Mannschaften bestritten. Gegen den Zweitligisten KV Mechelen gelang ein 2:0, gegen den Erstligisten KAA Gent gab es eine 1:6-Klatsche. Trotz dieser Niederlage - insgesamt zeigte sich Walter mit dem Verlauf des Trainingslagers "sehr zufrieden". Sein Ziel für die Rückrunde lautet: konsequenter werden in der Offensive und der Defensive.

Erwartungen an die Rückrunde

Der Ausfall von Kapitän Kinsombi wiegt schwer. Der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler hat auf dem Platz eine enorme Präsenz, ist die ideale Führungsperson für das Team. Mindestens drei Monate lang wird er der Mannschaft fehlen. Womöglich wird der ehemalige deutsche U18-Nationalspieler, an dem einige Vereine interessiert sind, in dieser Saison gar nicht mehr für die Kieler spielen. Es dürfte daher für die Norddeutschen schwer werden, den dritten Tabellenplatz zu erreichen - trotz einiger sehr guter Spieler im Mittelfeld, wie etwa Jae-Sung Lee, Jonas Meffert oder Schindler. Andererseits: Ausschließen darf man bei den "Störchen" nichts. Die Mannschaft versteht es einfach, positiv zu überraschen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 30.01.2019 | 22:40 Uhr