Stand: 05.08.2020 12:13 Uhr  - NDR Info

Wie hoch ist die Corona-Gefahr durch Fans im Stadion?

Fans des Hamburger SV halten im Stadion ein Transparent mit der Aufschrift "Einmal HSV immer HSV". © dpa bildfunk Foto: Daniel Reinhardt
Dürfen Fans bald wieder ins Stadion?

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat sich für künftige Fußballspiele auf einen Maßnahmenkatalog verständigt. Demnach soll es vorerst keinen Alkohol im Stadion, keine Gästefans und keine Stehplätze geben. Die Eintrittskarten werden online und personalisiert verkauft, damit Infektionsketten nachverfolgt werden können. Abgesegnet werden muss dieses Konzept noch von den Gesundheitsministern.

Wie werden die Vorschläge der DFL aus medizinischer Sicht eingeschätzt? Wie groß ist die Corona-Gefahr durch Fußballfans? NDR Info sprach darüber mit Helmut Fickenscher, Infektionsmediziner der Uni Kiel.

Wie groß ist das Risiko aus Ihrer Sicht?

Virologe Helmut Fickenscher, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, in einem Interview. © NDR
Helmut Fickenscher ist Infektionsmediziner an der Uni Kiel.

Helmut Fickenscher: Ich stelle es mir schwierig vor, das Fußballumfeld so zu organisieren, dass sich alle gesittet und geordnet verhalten sowie allen Empfehlungen nachkommen. Aber wenn nur wenige Leute in die Stadien dürfen, dann ist die Situation und die Stimmung wahrscheinlich schon ein Stück weit kontrollierbar.

Zum Vorschlag, keine Gästefans in die Stadien zu lassen, sagt die DFL, dies sei eine Entscheidung gegen Corona, nicht gegen Fans. Teilen Sie diese Meinung? Je weniger Anreise, desto sicherer?

Fickenscher: Die Anreise von vielen Leuten in vollen Zügen oder Bussen ist aus infektionsmedizinischer Sicht natürlich problematisch. Wobei eine Distanzierung in Zügen noch ein Stückchen leichter möglich ist als in Reisebussen.

Im Fußballstadion befinden man sich draußen. Da müsste die Gefahr einer Infektionsübertragung über Aerosole doch überschaubarer sein, oder?

Fickenscher: Draußen ist die Situation zwar entspannter, aber dort, wo sehr viele Leute in einem Stadion stecken und die Personendichte zu hoch ist, nützt das "draußen" nicht mehr viel. Die DFL versucht mit ihren Empfehlungen immerhin dagegenzusteuern. Aber ob sich die Fans wirklich daran halten und immer schön artig zwei Meter Abstand halten - da bleibe ich skeptisch.

Nehmen wir an, es gibt nach einem der Spiele mit Fans Infektionsfälle und Spiele müssen abgesagt werden. Glauben Sie nicht, dass das für noch größeren Unmut sorgt, als von vornherein zu sagen: Wir bleiben erst mal bei Geisterspielen?

Prof. Dr. Helmut Fickenscher, Leiter Institut für Infektionsmedizin an der Uni Kiel blickt in die Kamera. © NDR Foto: Pavel Stoyan

AUDIO: Fickenscher: Fans in Stadien sind einen Versuch wert (3 Min)

Fickenscher:  Spielabsagen muss es wegen Infektionsfällen bei den Fans nicht geben - dann finden eben wieder Geisterspiele statt. Die Vorschläge der DFL sind ein Schritt Richtung Normalität. Und wie viel Normalität wir uns leisten können - auch durch den Winter hindurch -, das bleibt ohnehin ein spannendes Thema in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen.

Das Interview führte Birgit Langhammer.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 05.08.2020 | 06:48 Uhr

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